Mögliches Steuerabkommen Schweiz bangt um die Milliarden der Steuerflüchtlinge

Für Steuerbetrüger sind es unangenehme Zeiten: Länder wie Deutschland und die USA setzen alles daran, ihre Namen in Erfahrung zu bringen. Das geht auch zu Lasten der Schweizer Banken. Ihre Vertreter befürchten einen Abfluss von mehr als 100 Milliarden Euro.

Lange war die Schweiz ein Hort für das Geld reicher Europäer. Nun ziehen vermögende Bankkunden ihr Kapital massiv aus der Schweiz ab. "Wir gehen davon aus, dass insgesamt Hunderte Milliarden Franken aus der Schweiz abfließen werden", sagte der Vermögensverwaltungschef der Bank UBS, Jürg Zeltner.

Allein bei der UBS werden Zeltner zufolge bis zu 25 Milliarden Euro abfließen. Mitte 2012 verwaltete die größte Schweizer Bank etwa 640 Milliarden Euro für reiche Kunden. Noch stärker ist die Credit Suisse betroffen: Seit 2009 haben Europäer etwa 26 Milliarden Euro abgezogen. In den kommenden Jahren rechnet die Bank mit Abbuchungen von etwa 20 bis 30 weiteren Milliarden Euro, sagte Finanzchef David Mathers.

2,3 Billionen Euro an Vermögen

Die Schweiz schützt ihre Bankkunden durch das Bankgeheimnis - und war daher besonders für Steuerhinterzieher attraktiv. Doch die USA und Deutschland verstärkten in den vergangenen Jahren den Druck auf die Schweiz. Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen kauften mehrmals CDs an, auf denen Steuerhinterzieher gelistet waren und lösten damit eine Welle von Selbstanzeigen aus.

Einer Studie der Unternehmensberatung Zeb zufolge verwalten Schweizer Banken etwa 2,3 Billionen Euro von ausländischen Kunden. Davon stammen schätzungsweise 345 Milliarden Euro aus Deutschland, Italien und Großbritannien. Insgesamt entfallen angeblich etwa 660 Milliarden Euro auf nicht versteuertes Vermögen aus Westeuropa. Bis 2016 werden, so die Prognose der Unternehmensberater, allein die Kunden aus Deutschland, Italien und Großbritannien mehr als 100 Milliarden Euro abziehen. Die Schätzungen lassen erahnen, welches Ausmaß die Steuerhinterziehung, auch in Deutschland, hat.

Um an das Geld deutscher Steuerflüchtlinge zu kommen, hat die deutsche Regierung ein Steuerabkommen mit der Schweiz abgeschlossen. Sollte das Abkommen in Deutschland eingeführt werden, wäre eine pauschale, anonyme und endgültige Nachversteuerung deutschen Schwarzgelds möglich. Allerdings sagen manche Experten, dass die Steuerflüchtlinge dabei viel zu gut davonkommen würden. Die SPD hat darum angekündigt, das geplante Abkommen im Bundesrat zu blockieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte die Oppositionspartei daraufhin auf, die Regelung nicht zu behindern: "Ich glaube, dass das ein richtiges und gutes Steuerabkommen ist", sagte sie.