Messung des Wohlstands Nicolas im Glück

Neuer Indikator, bessere Zahlen: Frankreichs Präsident Sarkozy will das BIP verbannen und beschwört das Glücksgefühl. Sein Vorstoß könnte die internationale Politik revolutionieren.

Von Alina Fichter

Seit 30 Jahren wird gestritten, wie Wohlstand am besten gemessen werden kann. Den Vorstoß des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) durch einen neuen Wohlstandsindikator zu ersetzen, halten viele Experten für zukunftsweisend.

"Die Prioritäten der internationalen Politik könnten sich völlig verändern", sagt Jon Hall, Chefstatistiker der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Eine 30-jährige Entwicklung komme damit endlich an ihr Ziel, dass Nachhaltigkeit und das subjektive Glück von Menschen bei der Wohlstandsmessung eine Rolle spielen sollten. Das hatte Nobelpreisträger Joseph Stiglitz und seine Kommission dem Präsidenten Nicolas Sarkozy nämlich empfohlen.

Damit ist das Scheinwerferlicht plötzlich auf eine Idee gerichtet, die es seit mehr als 30 Jahren gibt, die aber bisher kaum beachtet wurde. Denn bisher hatten kleine, meist wenig bekannte Forschergruppen und sehr vereinzelt Politiker sich in den unterschiedlichsten Ecken der Welt damit beschäftigt. Gemeinsam war ihnen nur der Gedanke, dass die Menschen gut daran täten, sich nicht nur am BIP und damit an der Summe aller Güter und Dienstleistungen zu orientieren.

Der bhutanische König als Vorreiter

Einer der Vorreiter auf diesem Gebiet war der bhutanische König Jigme Singye Wangchuck: Bereits 1972 erfand er das Bruttonationalglück mit dem ausdrücklichen Ziel, die Lebensqualität seiner Untertanen ganzheitlicher zu messen als das mit dem BIP möglich sei.

Erst im vergangenen Jahr griff die Regierung des kleinen Himalaya-Königreichs die Idee wieder auf: "Wachstum sollte auch das bezeichnen, was die Menschen wünschen", sagte eine Sprecherin Anfang 2008, äußerst wichtig im Leben der Bhutaner sei außer dem Wirtschaftswachstum nämlich die Umwelt, die Kultur und Traditionen.

Der König zettelte im vergangenen Jahr sogar eine Umfrage dazu an: Demnach sind 68 Prozent der Befragten in dem abgeschiedenen Land zwischen China im Norden und Indien im Süden bereits glücklich - das ist doch schon mal was. Sogar sie obersten Regierungsentscheidungen sollen sich am Bruttonationalglück orientieren.

Glück und Wachstum hängen nicht zusammen

Das Bruttonationalglück aus den 1970ern mutet regelrecht fortschrittlich an, betrachtet man die Entwicklung in Industrieländern zur gleichen Zeit. Damals war das Wirtschaftswachstum noch das Maß aller Dinge - und bleibt es bis heute.

Dabei gab es auch im Westen ähnliche Vorstöße: Der Ökonom Richard Easterlin fand bereits 1974 in einer Studie heraus, dass mehr Geld Menschen nur so lange glücklicher mache, bis diese ihre Grundbedürfnisse befriedigen könnten - also genug zu essen und Kleidung hätten.

Das war auch damals in den Industrieländern der Fall. Ein Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und menschlichem Glück bestünde daher in westlichen Ländern nicht wirklich, so Easterlin.