Regierungsbildung in Rom Italien wird zur Wutprobe

Menschen vor der Spanischen Treppe in Rom: Die Arbeitslosigkeit in Italien ist hoch. Seit gut 25 Jahren verzeichnet das Land das geringste Wachstum aller Euro-Staaten.

(Foto: Bloomberg)

Die Politiker in Rom versprechen den Bürgern Wohltaten, die sich der Staat nicht leisten kann. Wenn sie Ernst machen, droht Europa die Krise.

Kommentar von Alexander Mühlauer

Ob es am Ende die Angst vor den Finanzmärkten war, die Italiens Koalitionäre zur Vernunft brachte, weiß man nicht, aber sicher ist: Die sich gerade formierende Regierung in Rom hätte ein Beben an den Börsen ausgelöst, wenn sie nicht von ihrer Forderung nach einem Schuldenschnitt abgerückt wäre.

Ganz zu schweigen von den Gedankenspielen eines Euro-Austritts. Anders als im Entwurf findet sich davon nichts mehr in jenem Vertrag, der den Parteien Cinque Stelle und Lega den Weg zur Macht ebnen soll. Das war es dann aber auch mit der Erleichterung; mit der Koalition der Populisten steht Europa eine gewaltige Wutprobe bevor.

Die Politiker in Rom versprechen den Bürgern Wohltaten, die sich der Staat schlicht nicht leisten kann. Schon jetzt verhöhnen sie die "Erbsenzähler aus Brüssel", die dem Land ein Spardiktat verordnen wollten. Dabei blenden sie aus, dass Italien nach den USA und Japan die dritthöchste öffentliche Verschuldung weltweit aufweist. Hinzu kommt: Die Arbeitslosigkeit ist hoch und seit gut 25 Jahren verzeichnet das Land das geringste Wachstum der Euro-Staaten.

Eine neue Regierung muss sich diesen Wahrheiten stellen. Brüssel-Bashing ist die EU aus Italien gewohnt. Solange es nur bei Worten bleibt, droht auch keine Euro-Krise.

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