Kreditwürdigkeit von Staaten Zahl der Bonitäts-Asse stark geschrumpft

Die drei großen amerikanischen Ratingagenturen Fitch, Moody's und Standard & Poor's entscheiden über die Bonität der Staaten.

(Foto: REUTERS)

Der Club der Staaten mit Bestnoten von Ratingagenturen ist seit der Finanzkrise schmal geworden: Nur noch wenige Länder dürfen sich mit dem elitären "AAA" schmücken. Der Bestand an sicheren Anlagen ist förmlich implodiert. Was machen jetzt die Anleger?

In der Finanzwelt gibt es einen elitären Club. Herkunft oder Stand spielen dabei keine Rolle, die Zugangsberechtigung besteht lediglich aus drei Buchstaben: AAA. Die Note, mit der ein Land in die Riege der Großen aufsteigen kann, erhält es von den drei Ratingagenturen Fitch, Moody's oder Standard & Poor's (S&P). Sie bewerten die Kreditwürdigkeit der Staaten, auf sie verlassen sich Investoren aus aller Welt bei ihrer Entscheidung, was sie mit ihrem Geld anstellen sollen.

Vor der Finanzkrise im Jahr 2007 gab es noch deutlich mehr Länder, deren Kreditwürdigkeit mit der Bestnote bewertet wurde - sie bildeten die Basis des internationalen Finanzsystems, den "Club der neun A". In den vergangenen Jahren mussten ihn mit den USA, Großbritannien und Frankreich gleich drei Länder verlassen. Der Bestand an Staatsanleihen mit der Bestnote "AAA" ist damit - vor allem durch die Herabstufung der USA durch S&P - von elf Billionen auf nur noch vier Billionen Dollar geschrumpft, wie die Financial Times ausgerechnet hat. Das entspricht einem Einbruch um 60 Prozent.

Ende der Klarheit

Auf einer "Bonitäts-Weltkarte" der FT ist zu sehen, wie sich die Gewichte in der Finanzwelt seit der Finanzkrise verschoben haben. Nur wenige Länder haben es geschafft, die Bestnote zu verteidigen, darunter auch Deutschland. Den größten Aufstieg haben die lateinamerikanischen Länder Uruguay, Bolivien und Brasilien und einige asiatische Staaten geschafft. Am stärksten sind im Schnitt die Ratings in der Euro-Zone gesunken. Griechenland hat es dabei am schlimmsten getroffen: Fitch etwa wertete das Krisen-Land von A auf CCC ab, also auf Ramschstatus.

Das hat nicht nur Konsequenzen für die betroffenen Länder, auch an den Finanzmärkten hat sich ein Wandel vollzogen. "Vor fünf Jahren war die Welt ziemlich vorhersehbar", sagte David Riley von Fitch der FT. Bankenkrisen habe es fast nur in sich entwickelnden Ländern gegeben.

Nun fließt Geld nicht mehr größtenteils in die großen westlichen Volkswirtschaften. Schwellenmärkte hätten früher als "hoch riskant" gegolten, sagte ein Portfolio-Manager bei Fidelity Investments, "jetzt sind sie Mainstream".

Die Krise hat also dazu geführt, dass der Elite-Club der AAA-Länder noch exklusiver geworden ist. Dafür ist die Mittelklasse der Staaten mit BBB-Bewertungen deutlich gewachsen, vor allem außerhalb Europas. Einigen Krisen-Staaten der Euro-Zone hingegen könnte in den kommenden Jahren selbst die Mittelschicht elitär vorkommen.