Hohe Mietpreise 284.000 Menschen haben keine Wohnung

Horrende Mieten, zu wenig sozialer Wohnungsbau, schlechte Bezahlung im Niedriglohnsektor: Immer mehr Menschen in Deutschland können sich keine Wohnung mehr leisten, besonders betroffen sind junge Hartz-IV-Empfänger und alleinstehende Männer.

In Deutschland waren im vergangenen Jahr rund 284.000 Menschen ohne Wohnung. Die Anzahl der Wohnungslosen habe im Vergleich zu 2010 einen "drastischen Anstieg" um rund 15 Prozent erfahren, sagte der Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW), Thomas Specht, am Donnerstag in Berlin. "Ein ganz wichtiger Faktor ist das Anziehen der Mietpreise in Ballungsgebieten", sagte Specht zu den Ursachen. Er sprach von einer "Verarmung der unteren sozialen Schichten".

Als wohnungslos gelten Menschen, die nicht über einen mietvertraglich abgesicherten Wohnraum verfügen. Die meisten Wohnungslosen leben laut der Arbeitsgemeinschaft bei Bekannten und Verwandten oder in Hilfseinrichtungen. Doch auch die Anzahl der Menschen ohne Obdach ist den Angaben zufolge in den Jahren 2011 und 2012 um zehn Prozent auf rund 24.000 angewachsen. Die Wohnungslosenstatistik beruht auf eigenen Untersuchungen der BAGW. Die Schätzung sei "eher konservativ", sagte Specht. Er beklagte, dass außer Nordrhein-Westfalen kein Bundesland die Anzahl der Wohnungslosen systematisch erfasse.

Die Anzahl der Kinder und minderjährigen Jugendlichen, die mit ihren Eltern nicht in einer eigenen Wohnung leben, schätzt die BAGW auf circa 32.000. Demnach haben zudem viele Hartz-IV-Empfänger unter 25 Jahren ihre Wohnung verloren, weil ihnen als Sanktionierungsmaßnahme die Kostenerstattung für ihre Wohnung gestrichen wurde. "Das halten wir für verfassungswidrig", sagte Specht. Bei den meisten Wohnungslosen handelt es sich um alleinstehende Männer.

Ein weiteres Problem sind überbelegte Wohnungen

Neben "sozialpolitischen Fehlentscheidungen" im Rahmen der Einführung des Arbeitslosengelds II nannte Specht die schlechte Bezahlung im Niedriglohnsektor, zu wenig sozialen Wohnungsbau und einen Mangel an Präventionsstellen in den Kommunen als Gründe für die hohe Anzahl der Wohnungslosen. Bis zum Jahr 2016 könnte die Anzahl der Betroffenen auf 380.000 steigen, befürchtet die BAGW.

Ein weiteres Problem sind überbelegte Wohnungen. Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte, verfügen 6,7 Prozent der Bevölkerung in Deutschland über zu wenige Räume in ihren Wohnungen. Die Überbelegungsquote lag unter Menschen mit geringem Einkommen mit 20 Prozent fünfmal höher als bei Menschen, die nicht gefährdet sind, in Armut abzudriften. Als überbelegt gilt eine Unterkunft, wenn nicht jedem Bewohner über 18 Jahren beziehungsweise einem Paar jeweils ein eigener Raum zur Verfügung steht. Kinder unter zwölf Jahren dürfen höchstens zu zweit in einem Zimmer untergebracht werden. In den EU-Staaten liegt die Überbelegungsquote im Durchschnitt bei 17 Prozent.