Hartz IV trotz ALG I Wenn das Arbeitslosengeld nicht zum Leben reicht

Das Arbeitslosengeld I soll zum Leben reichen - doch Zehntausende sind zusätzlich auf Hartz IV angewiesen, weil sie im ehemaligen Job nicht genug verdient haben. Die Zahl der Betroffenen ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen.

Mehr und mehr Arbeitslose erhalten wegen ihres vormals geringen Lohns so wenig Arbeitslosengeld, dass sie zusätzlich auf Hartz IV angewiesen sind. Unter Berufung auf aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit berichtet die Saarbrücker Zeitung, dass im vergangenen Oktober bundesweit 83.118 Arbeitslosengeld I und Hartz IV parallel bezogen. Das war etwa jeder zehnte Arbeitslosengeld-Empfänger. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen Zuwachs von 14 Prozent, oder 10.000 Menschen.

Das Arbeitslosengeld I wird nach dem vorherigen Einkommen des Erwerbslosen errechnet. Weil immer mehr Menschen vor dem Jobverlust in Teilzeit oder schlecht bezahlt gearbeitet haben, reicht ihnen dieses Geld dann nicht mehr zum Leben. Sie müssen mit Hartz IV aufstocken. Sozialverbände bemängeln, dass die Betroffenen wie Hartz-IV-Empfänger von Job-Centern betreut würden, nicht von der Arbeitsagentur.

Nach Angaben der Bundesagentur lag der komplette Hartz-IV-Bedarf, also einschließlich Miete und Heizung, für einen Alleinstehenden ohne Kind im August des Vorjahres bei durchschnittlich 668 Euro. Um auf einen Arbeitslosengeldanspruch in gleicher Höhe zu kommen, musste ein Single nach Berechnungen der Linken einen monatlichen Bruttoverdienst von etwa 1600 Euro gehabt haben. Wer weniger verdiente, war demnach bei Arbeitslosigkeit auf ergänzende Hartz-IV-Leistungen angewiesen.

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken, Sabine Zimmermann, kommentierte die Zahlen: "Das Arbeitslosengeld als Versicherungsleistung, für die man oft viele Jahre eingezahlt hat, ist für immer mehr Arbeitslose keine Garantie mehr, um damit im Bedarfsfall über die Runden zu kommen."

Linke, Grüne und SPD fordern einen flächendeckenden Mindestlohn. Die Union verhandelt mit ihrem Koalitionspartner FDP noch über eine gemeinsame Position. Weil beide Fraktionen eine bundesweite Lösung ablehnen, wollen sie lediglich für einzelne Branchen Mindestlöhne einführen.