Großauftrag zu unattraktiv Post geht nicht zum Bund

Zu gern würde die Bundeswehr Teile der Logistik privatisieren. Obwohl es dabei um einen Auftrag in Milliardenhöhe geht, winkt die Deutsche Post schon mal ab.

Von Caspar Dohmen

Beim Thema Logistik schaut Postchef Frank Appel genau hin, was sich rechnet - die Organisation von Lagern und Transporten der Bundeswehr gehört nicht dazu.

Branchenkenner bezweifeln schon länger, dass sich das Projekt Bundeswehr-Logistik für einen Dienstleister lohnt.

(Foto: Foto: dpa)

Man gebe kein entsprechendes Angebot beim Verteidigungsministerium ab, sagte ein Postsprecher. Nähere Gründe nannte er nicht. Aber es ist ein offenes Geheimnis, dass sich das Projekt für den weltgrößten Logistikkonzern nicht rechnet.

Deswegen hätten die Gremien der Post das Projekt gestoppt. Somit konkurrieren jetzt nur noch zwei Unternehmenspaare um den Auftrag der Bundeswehr: Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS und das Logistikunternehmen Hellmann sowie die Bahn-Tochter Schenker und der Rüstungsspezialist ESG. Sie müssen ihre Angebote bis zum 30. November abgeben.

Die Regierung möchte die Bundeswehrlogistik bis zum 1. Juli des kommenden Jahres privatisieren; dies umfasst die Betreuung von 16 Materiallagern mit rund 2000 zivilen Bundeswehrangestellten. Branchenexperten schätzen den Auftragswert auf eine Milliarde Euro.

Bund könnte Angebot verbessern

Allerdings bezweifeln Branchenkenner schon länger, dass sich das Projekt für einen Dienstleister lohnt. Problematisch sei, dass die Unternehmen bereits über einen Zeitraum von zehn Jahren kalkulieren sollten, ohne die genaue Struktur der Bundeswehr zu kennen, heißt es in Branchenkreisen.

Möglicherweise könne die Bundeswehr die Aufgaben sogar kostengünstiger erfüllen. Der Ausstieg der Post aus dem Bieterverfahren zeigt die Schwierigkeiten des Geschäfts, in dem sich der Bonner Konzern auskennt. So führt die Post bereits Transporte für die Bundeswehr und die US-Streitkräfte durch.

In der stark konjunkturabhängigen Logistiksparte war die Post zuletzt ziemlich gebeutelt worden. Hinzu kamen Probleme mit einzelnen Kunden: Für den insolventen Arcandor-Konzern musste die Post in diesem Jahr bereits 181 Millionen Euro abschreiben, insbesondere auf Lager für den Versandhändler Quelle, der zuletzt pleiteging.

Angesichts dieser schwierigen Lage will Appel wohl keine neuen Risiken eingehen. Allerdings können sich Branchenexperten vorstellen, dass die Bundesregierung das Angebot noch einmal verbessert und die Ausschreibungsfrist wie zuvor schon noch einmal verlängert - dann würde es sich Appel wohl noch einmal überlegen.