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Quelle-Insolvenzverwalter:"Keine Alternative zur Liquidation"

1,7 Milliarden Euro fordern die Gläubiger von Quelle. Doch es dürfte Jahre dauern, bis feststeht, welche Summe für sie übrig bleibt.

Die Abwicklung des Versandhauses Quelle läuft seit mehr als zwei Wochen; aber erst an diesem Mittwoch haben die Gläubiger das Aus für das Unternehmens formal besiegelt. Hoffnungen, bald zumindest einen Teil ihrer beim Amtsgericht Essen angemeldeten Forderungen von 1,7 Milliarden Euro erstattet zu bekommen, können sie sich nicht machen. Bis feststeht, wie hoch die Masse sein wird, aus der die Gläubiger bedient werden, können Jahren vergehen, erläuterte Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg der Gläubigerversammlung.

Quelle, Ausverkauf, Insolvenz, dpa

Läuft auf Hochtouren: die Schnäppchen-Jagd beim Versandhaus Quelle.

(Foto: Foto: dpa)

Zwar habe Quelle Außenstände von etwa 800 Millionen Euro. Aber der größte Teil dieser Summe stehe den Factoring-Banken zu, an die der Versender seine Kundenforderungen verkauft habe, so Hans Gerd Jauch, Partner der Sozietät Görg. Nach seiner Einschätzung kann Quelle erst nach 2012 mit Einnahmen von bis zu 110 Millionen Euro rechnen.

Kritik an der Investorensuche

Görg und Jauch bezeichneten die Liquidation des Versandhauses, als unvermeidlich: "Nachdem sich für den Geschäftsbetrieb von Quelle kein Käufer gefunden hat, gab es dazu keine Alternative." Dagegen kritisierte die Betriebsratsvorsitzende der Quelle Zentrale, Beate Ulanska, die Investorensuche als "intransparent". Die Beschäftigten seien nicht ausreichend in den Prozess eingebunden worden. Görg hatte sich bis Mitte Oktober, als der letzte Bieter für Quelle abgesprungen war, zuversichtlich gezeigt, einen Käufer für das Versandhaus zu finden.

Warum die Interessenten einen Rückzieher gemacht haben, könne nur vermutet werden, sagte Görg. Eigene Versäumnisse kann er nicht erkennen: "Die vom Insolvenzverwalter eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen zeigten erste rechenbare Erfolge und wurden hinsichtlich ihrer positiven Effekte von den Investoren nicht in Frage gestellt."Gleichwohl liefen die Geschäfte von Quelle seit Anmeldung der Insolvenz im Juni offensichtlich weitaus schlechter als eingeräumt wurde.

Massekredit liegt auf Sonderkonto

Görg zufolge ist die Umsatzplanung zweimal reduziert worden. Ende September hätten die Bestellungen das kalkulierte Niveau abermals deutlich unterschritten. Jauch machte dafür unter anderem die "öffentliche Begleitmusik" verantwortlich, unter der der Überlebenskampf von Quelle stattfand. Dies habe viele treue Kunden verunsichert: "Und als dann über das Gehalt von Herrn Eick diskutiert wurde, brachen die Verkäufe an den folgenden Tagen noch einmal ein." Karl-Gerhard Eick, Chef der Quelle-Mutter Arcandor, hatte den Konzern im September mit einer - allerdings vom Großaktionär Sal. Oppenheim gezahlten - Abfindung in Höhe von 15 Millionen Euro verlassen.

Der von Bund und den Ländern Bayern und Sachsen an Quelle gewährte Massekredit in Höhe von 50 Millionen Euro liegt Jauch zufolge auf einem Sonderkonto. Zu einer möglichen Rückzahlung des Geldes machte er keine Angaben. Wie am Rande der Versammlung bekannt wurde, läuft die Jagd auf die letzten zum Ausverkauf gestellten 18 Millionen Waren auf Hochtouren. Im Logistikzentrum in Leipzig würden bis zu 250.000 Teile pro Tag ausgeliefert, sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters. Wie lange der Ausverkauf fortgesetzt werde, sei offen.

© SZ vom 12.11.2009/tjon

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