Gleichberechtigung Wenn Frauen arbeiten, wächst die Wirtschaft

Während im OECD-Schnitt 60 Prozent der Frauen arbeiten, sind es in Schweden und Island fast oder sogar mehr als 80 Prozent.

(Foto: imago/Westend61)
  • Eine OECD-Studie zeigt, dass sich die Förderung von Frauen und gerade von Müttern positiv auf das Wirtschaftswachstum auswirkt.
  • Die skandinavischen Länder sind deutlich weiter als Deutschland, wenn es etwa um Elternzeit-Regeln oder subventionierte Kitaplätze geht.
  • Hierzulande wehren sich viele Arbeitgeber gegen die Pläne zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Von Alexander Hagelüken

Skandinavische Länder verfolgen seit langem die Strategie, Frauen genauso das Arbeiten im Beruf zu ermöglichen wie Männern. Großzügige Elternzeit-Regeln gehören dazu wie subventionierte Kitaplätze. In Deutschland entbrennt gerade eine Debatte, wie leicht sich Familie und Beruf vereinbaren lassen, angefacht etwa durch den umstrittenen Plan eines Rückkehrrechts in Vollzeit. Genau da erscheinen jetzt Berechnungen, wie sehr familienorientierte Politik das wirtschaftliche Wachstum beeinflusst.

Die OECD, Denkfabrik der Industriestaaten, nahm die skandinavischen Länder von Dänemark über Schweden und Norwegen bis Finnland und Island unter die Lupe. Ergebnis: Sie haben die Beschäftigungsquote von Frauen in den vergangenen Jahrzehnten selbst von einem relativ hohen Niveau aus noch um 20 bis 25 Prozentpunkte gesteigert. Während im OECD-Schnitt 60 Prozent der Frauen arbeiten, sind es in Schweden und Island fast, beziehungsweise mehr als 80 Prozent.

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Diese Steigerung zusammen mit einer hohen Zahl von Arbeitsstunden wirkt sich ökonomisch deutlich aus: Sie war in den vergangenen 40 bis 50 Jahren für 0,25 bis 0,4 Prozentpunkte des jährlichen Wirtschaftswachstums pro Einwohner verantwortlich. Anders gesagt: Für bis zu 20 Prozent des Wachstums. Wären die weiblichen Beschäftigungsquoten auf dem Stand der 60er Jahre verharrt, wäre die Wirtschaftsleistung pro Norweger heute 9000 Dollar geringer. Die Botschaft der Forscher: Es zahlt sich fürs ganze Land aus, Frauen einen Beruf zu ermöglichen.

Nordische Länder unterstützten Familien mit Kindern durchgehend, so dass beide Eltern ihre beruflichen Ziele verfolgen könnten. Das beginne mit großzügiger Elternzeit, gefolgt von einer ausreichenden Zahl subventionierter Kitaplätze und Nachmittagsbetreuung für Schulkinder. Außerdem gebe es mehrmonatigen Erziehungsurlaub nur für Väter, um sie zu mehr Engagement für die Kinder und den Haushalt zu bewegen. Frauen und Männer gleichzustellen, sei tief im Sozialmodell verankert, wozu auch Tarifverträge für die Mehrheit der Beschäftigten gehörten.

In der Bundesrepublik verfolgte die Politik lange Zeit ein konservativeres Familienbild: Der Mann geht arbeiten, die Frau nicht. Mangels Kindergarten- und Hortplätzen konnten viele Mütter kaum arbeiten, selbst wenn sie wollten. Seit gut einer Dekade werden Kitas ausgebaut. Mütter und Väter können Elternzeit nehmen, wenn die Kinder klein sind. Andererseits setzen das Ehegattensplittung und die kostenlose Mitversicherung nicht arbeitender Ehegatten nach wie vor finanzielle Anreize für den zweiten Ehepartner, keinem Beruf nachzugehen.

Hierzulande arbeiten die meisten Mütter nur etwa 20 Stunden

Zwischen Skandinavien und Deutschland bestehen nach wie vor deutliche Unterschiede. Zwar liegt die weibliche Beschäftigtenquote mit 70 Prozent nicht mehr so weit von den skandinavischen Werten entfernt. Allerdings arbeiten 70 Prozent der Mütter minderjähriger Kinder in Teilzeit, im Schnitt sind es nur etwa 20 Stunden. Damit kommen sie auf deutlich weniger Arbeitsstunden.

In Deutschland wird darüber gestritten, ob die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter erleichtert wird. Die Bundesregierung will Beschäftigten ein Recht einräumen, nach einigen Jahren in Teilzeit wieder einen Vollzeitjobs zu beanspruchen. Die Arbeitgeber wehren sich gegen die Pläne. Im Frühjahr setzte die IG Metall für Millionen Beschäftigte das Recht durch, die Arbeitszeit befristet unter 30 Stunden zu reduzieren. Ein teilweiser Lohnausgleich scheiterte an den Arbeitgebern. Mit einem ähnlichen Familienzeitmodell für alle Beschäftigten scheitert die SPD bisher an der Union.

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