SZ: Führt der Weg nicht von den sogenannten McJobs zu den besseren?
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Sennett: Das ist sehr schwierig. Apropos McJobs: McDonald's muss man eines zugutehalten: Das Essen ist schrecklich, aber sie tun wirklich etwas, um ihre Mitarbeiter zu fördern. Aber die sind die Ausnahme. Ein weiterer Faktor, der die soziale Mobilität hemmt, ist das Scheitern vieler kleiner Firmen. Der Anteil ist viel höher als in Deutschland oder Skandinavien. Einer der großen Fehler der zweiten Regierung Bush war die Politisierung der Small Business Bureaus - das ist eine nationale Einrichtung zur Förderung von Kleinunternehmen. Die Büros sind zu einer Pfründe für verdiente Republikaner geworden - inkompetent und nutzlos. So etwas macht keine Schlagzeilen, aber es ist wichtig.
SZ: Welche Rolle spielen Gewerkschaften?
Sennett: Wenn wir in Amerika Gewerkschaften wie die IG Metall hätten, dann wären wir besser dran. Unsere Gewerkschaften kümmern sich nur um ihre langgedienten Mitglieder.
SZ: Aber ist nicht die amerikanische Autogewerkschaft UAW, die man am ehesten mit der IG Metall vergleichen kann, mit schuld am Niedergang der Autoindustrie?
Sennett: Wie kommen Sie darauf?
SZ: Die UAW hat den Konzernen Gesundheitskosten aufgezwungen, die europäische und asiatische Firmen nicht haben.
Sennett: Das ist die Frage nach der Henne und dem Ei. Die UAW musste das tun, weil ihre Mitglieder sonst keine Krankenversicherung bekommen hätten. Ich sage Ihnen noch etwas: Sie finden Ihr System der Mitbestimmung vielleicht nicht so gut, und es hat sicher Mängel. Aber in Amerika haben die Arbeitnehmer fast gar keine Stimme in ihrem Betrieb, es fehlt die Verfahrens-Gerechtigkeit, wenn sie sich über etwas beschweren wollen. Besonders in Unternehmen, die immer wieder umstrukturiert wurden, fühlen sich die Arbeiter nicht mehr autonom in ihrer Arbeit. Hätten wir Mitbestimmung, wäre das anders. Für viele Gewerkschafter hier sind die Verhältnisse in Deutschland geradezu wie ein Traum.
SZ: Trotz der Arbeitslosigkeit?
Sennett: Wissen Sie, was mir an Deutschen und auch an Skandinaviern auffällt? Sie haben eine wahre Freude daran, sich zu beklagen, sie sind unfähig zu sagen: Ja, wir haben einen ganz guten Job gemacht.
SZ: Auf Deutsch: Hört auf zu jammern!
Sennett: Ja, und das ist auch wichtig. Europäer halten seit dem Zeiten Weltkrieg Amerika für ein Modell. Und das ist es nicht.
SZ: Denken Sie, dass Deutschland ein Modell für Amerika ist?
Sennett: In Teilen seines Sozialstaats: Ja.
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(SZ vom 13./14.09.2008/mel)
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Gratulation, das Interview und die Einschaetzung der Lage sind grossartig.
Insbesondere gleich am Anfang weist der Prof. auf die naechste hausge-machte Krise der USA hin (wenn es den leuten nicht gut geht, gehen sie einkaufen) - naemlich die Kreditkarten-Blase. Wohl auch deshalb hat die Regierung der AIG geholfen, denn die Mehrzahl der Kre4ditkarten-COMPANIES SIND BEI DER AIG VERSICHERT. wENN diese GElder eingefordert werden wuerde, waere Amerika auch praktisch Pleite!!!!!
Aber dann hat sich der Prof leider selbst widersprochen, wenn er ueber die Deutschen
lamentiert und sagt, dass er sich aufrege, wenn die Deutschen von der "Dummheit" der Amerikaner reden - die Amis seien nicht duemmer, sie wuerden nur nicht von ihren
Firmen weitergebildet. Ja sind denn diese Unternehmer keine AMis und deshalb auch dumm, weil sie sich nicht nur nicht selber sondern auch ihre Angestellte ueber CNN, Fox und Soap Opern und AMerican Idol und sex and crime and sex in the cities weiterbilden!!!!???
Es ist doch so (und in den letzten Jahren nur marginal besser geworden) dass in denFERNSEHNEWS in den USA stundelang ueber den Mord an der Ecke und den Unfall im DORF live berichtet wird, aber man fuer Weltnachrichten nur drei Minuten Zeit hat.
Das ist die Bildfung, die der Amerikaner forgesetzt bekommt und deshalb ist er - bis auf die Spitze - dumm.
Aber trotzdem grosses Dankescvhoen, vor allem deshalb, dass er die Palin als dekadent bezeichnet. Davior ziehe ich den Hut.
Mit besten Gruessen
Ulrich Blankenhorn zur Zeit in Sofia
ne
Ich wünschte mir, von diesem Interview gäbe es ein Video, mit Nahaufnahmen auf das Gesicht von Herrn Piper bei den Antworten von Sennet.
Womit hat man Herrn Piper eigentlich erpreßt? Denn freiwillig wird er das Interview wohl kaum geführt haben, oder?
Amerikas Niedergang ist darin zu suchen, daß in den letzten Jahrzehnten eine Generation von Managern auf die Menschheit losgelassen worden ist, die von der Mentalität geprägt oder noch schlimmer gesagt, erzogen wurden...
I'm the boss!
I'm the King!
Plrobleme!?
Guy, there is "No Problem"!
Es fehlt in dieser Kette eigentlich nur noch...
I'm the messias!
Es war und ist diesen Menschen gegenüber unmöglich alles in der Realität zu diskutieren (gewesen)... Die Schlimmsten Vorhersagen werden/wurden als Pessimismus dahingestempelt und um die rosarote Brille auf der Nase zu behalten wurden/werden den Menschen so viel Optimismus hineingeredet, daß man sagen muß, die Balken haben sich zum Tode gelacht, gebogen... Ein Ding noch... Die Ingenieure werden/wurden in USA und GB vor allem permanent aus den Entscheidungsgremien ausgeschlossen und als Vasallen der Finanz- und Controlling-Abteilung degradiert... Niemand hat die heilige Versprechung des Kapitalismus "Team, Teamgeist", obwohl in den Vorstellungsgesprächen so oft mißbraucht, danach in den Mülleimer geschmissen hat, wenn nicht schon am Tisch vergessen... Als das glänzende Beispiel hierfür kann die momentane Situation der Amerikanischen Automobilindustrie herangezogen werden... Über Jahre hinweg unzutreffende Prognosen aus den Marketing und Marktforschungsabteilungen, Ingenieure von der Purchase und Controlling Abteilung gegängelt und für Kundenzufriedenheit technisch Machbare aus Finanz-Gründen abgelehnt, bis die Produkte nicht nur weltweit sondern auch in USA und GB etc. in den Heimatmärkten Konkurrenzfähig waren und zum Teil vom Markt verschwunden sind. Es wurde ein quasi Traumwelt für die kollegen aus "Finance, Marketing und Controlling" aufgebaut... Nun aber... Die Nomenkletura scheint nichts wach zu werden und dazuzulernen... Es werden weiterhin Milliarden Ohne Gegenwert gedruckt und in den Markt geschmissen... Folge...??? Nach der oben beschriebenen Mentalität!? Welche!?? Alles ist doch in Ordnung! Ich meine sogar, daß mittlerweile sich ein Konglomerat gebildet hat, die Ihren eigenen "Status-quo" retten möchte, in dem es den sogar berechtigten Zweiflern selber Status-quo-Haltung unterstellt... Schlimmer noch... Die Globalisierung zum Banner gemacht, sofort jeden zermalmt, der es hinterfragen möchte... Was Du bist gegen Globalisierung??? Dabei geht's meistens um die Sklavenarbeit in den Bananenstaaten und Diktaturen (China), die für einen Bruchteil der Kosten arbeiten müssen... Weiter so!???
Ja, da geht er hin der "American way of Life" und kiener will so Recht wahr haben das dieser angeschlagene Riese gefährlicher ist denn je. Leider ist man in den USA nicht bereit Probleme "vor Ort" zu bekämpfen, sondern sucht sein Heil und die Schuld in der restlichen Welt.
Eine selbstinszenierte Krise die nur einen Zweck hat, einene Weg einzuschlagen der nicht nur das Leben der Amerikaner verändern wird, sondern auch das anderer Länder, nachhaltig. Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht - aber ein Positives hat diese ganze Sache, es war nie günstiger in den USA Urlaub zu machen als Heute!
Die Gefahr sehe ich ebenso, daß die USA durch ein Tabula Rasa der Welt sein "American Way of Life" aufzudrücken versucht. Mit Endscheidend für so ein Szenario wird die Positionierung Europas und insbesondere Englands sein. Darum empfinde ich es als so wichtig, daß sich Europa endlich emanzipiert und seinen eigenen Weg findet.
Solange sich einzelne europäische Nationen von diversen Machtblöcken gegeneinander ausspielen lassen, wird Europa auf der politischen Landkarte jedoch kaum eine Rolle spielen. Insbesondere jedoch nicht als Gegengewicht und/oder Stabilisator der USA.
Paging