Geldanlage Roboter sind auch nur Menschen

Illustration: Stefan Dimitrov

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Robo Advisors investieren das Geld der Kunden automatisch über Algorithmen - und sie sind gerade sehr erfolgreich. Doch beim Crash im Februar verzeichneten die Finanzroboter starke Einbrüche.

Von Harald Freiberger

Roboter gehören bei der Geldanlage zu den großen Gewinnern der vergangenen Jahre. Sie arbeiten automatisch, lassen sich nicht von Emotionen leiten, dazu sind sie viel günstiger als Banken, Fondsgesellschaften oder Vermögensverwalter. Mit diesen Versprechen haben Finanzroboter, auch Robo Advisors genannt, seit 2014 immer mehr Zulauf bekommen. Inzwischen gibt es in Deutschland mehr als 20 Robo Advisors. Es sind Fintech-Neugründungen wie Scalable Capital, Ginmon, Fintego oder Vaamo, andere heißen Cominvest (dahinter steht die Commerzbank), Quirion (Quirin-Bank) oder Visualvest (Union Investment).

Erfolgreich sind die Robo Advisors auch deshalb, weil es in den vergangenen Jahren mit Aktien fast nur aufwärts ging. Ihr Geschäftsmodell besteht darin, zunächst zu ermitteln, wie viel Risiko ein Anleger tragen kann und daraus abzuleiten, welcher Teil des Geldes in den riskanteren Aktienmarkt fließen kann, der langfristig aber mehr Rendite abwirft. Die Aktienquote liegt dann, je nach Risikoneigung, in der Regel zwischen 20 und 80 Prozent.

Wie Geldanlage-Roboter das Vermögen verteilen - eine Übersicht

Scalable Capital, Visualvest und Quirion unterscheiden sich vor allem bei der Aktienquote. mehr ...

Skeptiker der Finanzroboter wiesen immer darauf hin, dass es zuletzt keine große Kunst war, in Aktien zu investieren. Was die Modelle der Robo-Advisors wirklich taugten, werde sich erst zeigen, wenn es einmal zu einem Einbruch komme.

Diesen Crash hat es inzwischen gegeben. Anfang Februar verloren wichtige Indizes wie der Dow Jones in den USA oder der Dax in Deutschland binnen weniger Tage etwa zehn Prozent. Seitdem schwanken Aktien mit hohen Ausschlägen hin und her. Die Nervosität ist zurück, nach einem extrem ruhigen Jahr 2017, in dem es unaufhaltsam nach oben ging. Im Börsenjargon heißen solch starke Schwankungen Volatilität, und diese spielt auch für manchen Robo Advisor eine wichtige Rolle.

Das Internetportal www.brokervergleich.de ermittelte, wie die Finanzroboter unter dem Einbruch litten. Es hat bei allen Robo Advisors echtes Geld angelegt. Dabei investiert es jeweils in ein Portfolio mit mittlerer Risikogewichtung. Von 24. Januar bis 9. Februar fiel der Dax um 10,7 Prozent. Fünf von acht untersuchten Robo Advisors verloren im selben Zeitraum vier bis fünf Prozent (Quirion, Sutor Bank, Fintego, Vaamo, Easyfolio), zwei verloren fünf bis sechs Prozent (Whitebox und Ginmon), einer verlor 8,2 Prozent: Scalable Capital.

Marktführer Scalable verwaltet inzwischen mehr als eine Milliarde Euro

Die Ergebnisse sind wenig überraschend. Wenn der gesamte Aktienmarkt um zehn Prozent fällt, ergibt sich bei einer Aktienquote von 50 Prozent ein rechnerisches Minus von fünf Prozent. Auffällig ist aber, dass gerade der Marktführer Scalable mit gut acht Prozent Verlust deutlich nach unten ausreißt. Er verwaltet inzwischen eine Milliarde Euro Kundengeld, wie er am Montag mitteilte. Etwa die Hälfte davon brachte ihm die Kooperation mit der Direktbank ING-Diba ein. Damit dominiert Sacalable den Markt für Robo Advisor in Deutschland mit großem Abstand.

Der Konkurrenz aus der Fondsbranche und von anderen Robo Advisors ist dieser Erfolg nicht geheuer. Und so gibt es zunehmend Kritik am Risikomodell von Scalable. Das Münchner Institut für Vermögensaufbau, ein Dienstleister für die Fondsbranche, hat den Februar-Crash auf dem Aktienmarkt zum Anlass genommen, die Anlagestrategien der Robo Advisors zu untersuchen. "Es zeigt sich dabei, dass auch sie das Grundproblem bei der Geldanlage nicht lösen können", sagt Institutsleiter Andreas Beck. Es ist der Traum aller Aktien-Anleger, dann einzusteigen, wenn die Kurse unten sind und auszusteigen, wenn sie oben sind. Doch in der Praxis läuft es oft gerade umgekehrt. Ein Wunderrezept für den richtigen Einstiegszeitpunkt hat noch niemand gefunden. "Dieses Grundproblem wartet auch nach der Erfindung der Robo Advisors auf eine Lösung", sagt Beck.

Dass Scalable beim Februar-Crash höhere Verluste hatte als andere, liegt an seinem Risikomodell. Andere Robo Advisors wenden das sogenannte Rebalancing an, das regelmäßige Anpassen der Aktienquote an den ursprünglich vorgesehenen Wert. Es funktioniert so: Bei einem Anleger mit mittlerer Risikoneigung soll die Aktienquote bei 50 Prozent liegen, die anderen 50 Prozent fließen in risikoärmere Anlageklassen, meist Anleihen. Steigt der Aktienmarkt nun um 20 Prozent, hat der Anleger einen höheren Aktienanteil in seinem Depot, nämlich 60 Prozent. Deshalb werden zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt, zum Beispiel einmal im Jahr, Aktien verkauft, um wieder auf eine Quote von 50 Prozent zu kommen. Dies ist ein bewährtes Instrument in der Fondsbranche, um Risiken zu begrenzen. Es wirkt auch gegen die psychologische Falle, in die Privatanleger oft laufen: Sie kaufen bei hohen Kursen und verkaufen bei niedrigen. Beim Rebalancing läuft es genau umgekehrt.