Finanzkrise Spanien braucht bis zu 62 Milliarden Euro für seine Banken

Die spanischen Geldhäuser liegen am Boden. Sie könnten bis zu 62 Milliarden Euro benötigen, sagt ein unabhängiger Stresstest. Bald wird nun Spanien einen offiziellen Antrag bei den Rettungsfonds stellen, um Notkredite zu bekommen. Europa hat bereits Hilfe zugesichert.

Spaniens Banken benötigen im schlimmsten Fall bis zu 62 Milliarden Euro - das ist das Ergebnis des wichtigen Bankenstresstests, den die Beraterunternehmen Roland Berger und Oliver Wyman erstellt haben. Das Wirtschaftsministerium und die Zentralbank präsentierten die Ergebnisse in Madrid. Mit ihnen kann Spanien nun offiziell einen Antrag bei den europäischen Hilfsfonds stellen.

Der Test habe 14 Institute umfasst, die 90 Prozent der spanischen Finanzbranche entsprächen. Der Vizegouverneur der spanischen Zentralbank, Fernando Restoy, erklärte die verschiedenen Szenarien, die Roland Berger und Oliver Wyman zugrunde gelegt haben. Läuft die Konjunktur günstig, weisen die Bilanzen der Banken demnach Löcher in Höhe von 16 bis 25,6 Milliarden Euro auf. Schmiert die Wirtschaft weiter ab, vergrößert sich die Finanzierungslücke in den Modellen auf bis zu 62 Milliarden Euro.

Bereits vor eineinhalb Wochen hatte Spanien angekündigt, für seine maroden Banken Geld aus dem Euro-Rettungsprogramm zu benötigen. Maximal 100 Milliarden Euro hatten die Euro-Länder damals bereits zugesagt. Allerdings wollte die spanische Regierung noch das Ergebnis des Stresstests abwarten, bevor sie den offiziellen Antrag stellt.

Banken und andere Kreditgeber geben der viertgrößten Volkswirtschaft des Euro-Raums kaum noch Geld. Erst am Donnerstagmittag musste Spanien Rekordzinsen zahlen, die so hoch lagen wie seit 15 Jahren nicht mehr. Das Land nahm 2,2 Milliarden Euro auf, die bis 2017 zurückgezahlt werden müssen - zu einem Zins von mehr als sechs Prozent. Das kann sich Spanien auf Dauer nicht leisten.

Spanien braucht das Geld für die maroden Banken

Die Lage ist also ernst - auch wenn Spaniens Wirtschaft bei weitem nicht so schlimm dasteht wie die Griechenlands, wie die SZ analysiert hat. Griechenland droht gerade, vom Analystendienst MSCI zum Entwicklungsland zurückgestuft zu werden.

In Spanien machen vor allem die Sparkassen Schwierigkeiten. Der Staat hatte ihre Geschäfte liberalisiert, die Sparkassen wurden Geschäftsbanken. Ursprünglich waren sie kleine, regionale Institute, doch während des Immobilienbooms nach der Euro-Einführung mischten sie kräftig mit, vergaben Kredite für abenteuerliche Projekte. Das ließ die Baubranche boomen, die Bodenpreise stiegen um auf das Fünffache.

Doch dann kam die Finanzkrise. Die Blase platzte, die Party war vorbei. Bauunternehmen gingen pleite. Zurück blieben unverkäufliche Grundstücke, halbfertige Gebäude ohne Interessenten und zwangsgeräumte Häuser, die sich bis heute keiner mehr leisten kann.

Die Wirtschaft ging in die Knie. Zahlreiche Angestellte verloren ihre Jobs, gerade unter jungen Menschen ist die Arbeitslosigkeit hoch. 25 Prozent der arbeitsfähigen Spanier haben keine Anstellung - in Europa ein trauriger Spitzenwert. Die Spanier müssen sparen: So kündigen etwa jeden Monat Hunderttausende ihren Handy-Vertrag. Der wirtschaftliche Abschwung verschärft wiederum die Bankenkrise: Die Geldhäuser finden niemanden mehr, der ihnen die kreditfinanzierten Wohnungen abkauft.