Experiment Finnland testet das bedingungslose Grundeinkommen

Ein Haus in Finnland: Seit Jahren wird in dem Land das bedingungslose Grundeinkommen diskutiert.

(Foto: iStockphoto/Teun van den Dries)

Zufällig ausgewählte Menschen sollen von 2017 an monatlich 560 Euro erhalten. Die Politiker erhoffen sich viel davon.

Von Vivien Timmler

Schon lange wird über die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens in Finnland spekuliert - jetzt kommt es tatsächlich. Zumindest im Rahmen eines Experiments. Von 2017 an soll es mit zufällig ausgewählten Personen getestet werden, erklärte die finnische Sozialversicherungsgesellschaft Kela, die das Projekt verantworten wird.

2000 Menschen, die bislang Sozialhilfe beziehen, sollen ein Grundeinkommen in Höhe von 560 Euro erhalten. Ihnen wird eine ähnliche Kontrollgruppe gegenübergestellt, die kein Grundeinkommen erhält.

Niederlande und Kanada wollen experimentieren, die Schweiz pausiert

Die Diskussion um ein bedingungsloses Grundeinkommen ist in den vergangenen Jahren zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Die kanadische Provinz Ontario erwägt ein Pilotprojekt dazu, auch in den Niederlanden wird darüber diskutiert.

In der Schweiz war man vermeintlich schon einen Schritt weiter: Am 5. Juni stimmten die Schweizer über die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens ab. Diskutiert wurde dabei ein Betrag von umgerechnet 2250 Euro monatlich. Doch nur gut 20 Prozent der Stimmberechtigten votierten am Ende mit Ja. Zu unsicher war vielen die Informationslage. Darum testet das Land nun das Grundeinkommen zunächst in einigen Städten, Dörfern und Kantonen. Die Stadt Lausanne beispielsweise will im April 2017 ein Pilotprojekt auf den Weg zu bringen, das die Auswirkungen eines bedingungslosen Einkommens bei Sozialhilfeempfängern erforschen soll.

Vier Gründe gegen das bedingungslose Grundeinkommen

In Zukunft könnte es nicht mehr genug Arbeit im traditionellen Sinne für alle geben. Deshalb wird heiß über ein Grundeinkommen diskutiert - doch es ist keine Zauberformel. Analyse von Alexandra Borchardt mehr ...

Auch früher gab es schon Experimente: In Kanada etwa erhielten in den 1970er Jahren Bewohner einer Kleinstadt mehrere Jahre lang Geld. Auch in einem Dorf in Namibia lief von 2008 bis 2013 ein ähnlicher Versuch. Beide gelten jedoch als nicht repräsentativ, weil sie eine zu kurze Laufzeit hatten, ebenso wie das deutsche Projekt "Mein Grundeinkommen", das über eine Crowdfunding-Plattform mittlerweile 53 Personen per Los einen monatlichen Betrag von 1000 Euro für ein Jahr ermöglicht hat.

Macht ein Grundeinkommen träge?

Nun also Finnland. Gegner des Grundeinkommens behaupten, dass die Zahlung vom Staat die Bürger vom Arbeiten abhalte. Die Finnen sehen das anders. Sie wollen überprüfen, ob sich durch ein Grundeinkommen nicht sogar mehr Menschen in den Arbeitsmarkt integrieren lassen.

Zudem will das finnische Sozial- und Gesundheitsministerium herausfinden, ob auf diese Art das Sozialversicherungssystem langfristig reformiert werden kann. Arbeitslosenversicherung, Rentenversicherung und Arbeitslosengeld durch einen einzigen Transfermechanismus zu ersetzen, der aus Steuern auf Arbeit und Kapital bezahlt wird - das sehen viele Politiker der Regierung als bestechende Idee. Die Finnen haben sich dabei mit den 560 Euro für einen Betrag entschieden, der dem Arbeitslosengeld beziehungsweise den auf einen Monat hochgerechneten Basis-Tagesausgaben entspricht.

Die Regierung hält eine solche Höhe für die knapp fünfeinhalb Millionen Einwohner in Finnland für finanzierbar. Die Debatte darüber, wie ein bedingungsloses Grundeinkommen bei mehr als 82 Millionen Bürgern in Deutschland aussähe, ist jedoch noch lange nicht zu Ende.

Was ein Grundeinkommen mit Menschen macht

In Berlin wird regelmäßig ein Einkommen von 1000 Euro verlost - Geld ohne Arbeit also. Ein Besuch bei zwei Gewinnern. Von Lea Hampel mehr ...