Millionen Haushalte sollen wieder mehr für Strom zahlen, obwohl der für die Konzerne zuletzt viel günstiger geworden ist. Die Versorger machen den Ökostrom für die Preiserhöhungen verantwortlich. Doch das ist nicht der wahre Grund.
Die Post hatte es in sich: Im Ton freundlich, in der Sache bestimmt, kündigte der Stromversorger Vattenfall Ende November Millionen Kunden einen tiefen Griff in die Taschen an. Von Januar an müsse man die Strompreise deutlich erhöhen, erfuhren Verbraucher in Nord- und Ostdeutschland - leider gleich um fast zehn Prozent. Schuld sei der "dramatische Anstieg der Kosten", so Vattenfall.
Bild vergrößern
Insgesamt müssen bundesweit 25 Millionen Haushalte im kommenden Jahr mehr für Strom zahlen. Denn 400 der fast 1000 Stromanbieter in Deutschland machen beim Abkassieren mit. Im Schnitt steigen die Preise um satte sieben Prozent. (© dapd)
Anzeige
Auch Deutschlands zweitgrößter Versorger RWE langt mit der gleichen Begründung kräftig zu. Insgesamt müssen bundesweit 25 Millionen Haushalte im kommenden Jahr mehr für Strom zahlen. Denn 400 der fast 1000 Stromanbieter in Deutschland machen beim Abkassieren mit. Im Schnitt steigen die Preise um satte sieben Prozent. In schöner Regelmäßigkeit erhöhen Deutschlands Stromanbieter ihre Tarife. Die Begründung ist in diesen Tagen stets die gleiche: Die deutliche Steigerung der Ökostromkosten schlage sich in der Rechnung nieder, ausgelöst vor allem durch den Boom bei Solaranlagen. Zu gerne reichen Vattenfall, RWE und Co. den Schwarzen Peter so an die Ökostrombranche weiter. Seit langem ist deren üppige Förderung ihnen ein Dorn im Auge.
Nur Wechseln hilft
Auf den ersten Blick klingt die Begründung plausibel. Tatsächlich schraubten Deutschlands Hausbesitzer in den vergangenen eineinhalb Jahren so viele neue Photovoltaikanlagen wie noch nie auf ihre Dächer. Stromverbraucher müssen entsprechend mehr für die Fördertöpfe aufbringen. Die gesetzliche Ökostromumlage, die alle Kunden über ihre Rechnung zahlen, wächst mit jeder Anlage. Allein 2011 steigt sie von 1,5 Cent je Kilowattstunde auf 3,5 Cent - Steuer inklusive würde das ein Plus von sieben Prozent bedeuten und die Preiswelle erklären.
Doch eine ehrliche Rechnung sieht anders aus. Denn bei genauem Hinsehen wird klar: Konzerne missbrauchen die Gunst der Stunde und setzen überzogene Preiserhöhungen durch. Verantwortlich für viele ausufernde Stromrechnungen sind nicht etwa Solaranlagen oder Windräder, sondern das Kalkül in Chefetagen, die Gewinne zu maximieren. Denn anders als viele Versorger glauben machen wollen, sind sie zu Tariferhöhungen keineswegs gezwungen. So sind laut Daten des Statistischen Bundesamts die Einkaufspreise für Strom in den vergangenen zwei Jahren um 20 Prozent gesunken.
Ein Preisrutsch für die Energieversorger, der bei den Verbrauchern nie ankam. Im Gegenteil: Die Verbraucherpreise stiegen um acht Prozent. Zu den gesunkenen Großhandelspreisen trägt auch bei, dass Ökostrom preisdämpfende Effekte hat: Weil Wind- und Solaranlagen teure Kraftwerke aus dem Markt drängen, sinkt der Börsenpreis für Strom. Selbst unabhängige Aufseher, wie die Bundesnetzagentur, halten steigende Preise für nicht gerechtfertigt.
Der Ausbau des Ökostroms kann wegen des kostspieligen Umbaus der Energiewirtschaft langfristig zu höheren Preisen führen. Für die gegenwärtige Preisrunde aber den Schuldigen bei erneuerbaren Energien zu suchen, ist unredlich. Deutschlands Energiekonzerne spielen mit ihrer Glaubwürdigkeit, wenn sie die Verantwortung für höhere Preise nicht selbst übernehmen. Kunden sollten daraus Konsequenzen ziehen. Noch immer zahlt die Mehrheit der Deutschen zu viel für Strom. Die wenigsten wechseln in günstigere Tarife. Die Verbraucher sind aufgerufen, endlich mehr für den Wettbewerb in Deutschland zu tun - mit einem Wechsel zu fairen Versorgern.
- Thema
- Strompreise RSS
- Teure Energie Netzagentur attackiert Stromkonzerne 30.11.2010
- Energiebranche Der Fluch der Kohle 17.11.2010
- Milliardengewinne für Energiekonzerne Der Zähler läuft, die Großen kassieren 20.10.2010
- Atomausstieg: Strompreise Kampf den Horrorszenarien 26.05.2011
- Ilse Aigner im Interview "Die Verbraucher machen es den Konzernen sehr leicht" 12.05.2011
- EU: Ausbau des Energienetzes Und der Verbraucher bezahlt's 04.02.2011
- Ökonom Picot im Interview "Sie haben Angst, dass plötzlich das Haus dunkel ist" 20.01.2011
(SZ vom 01.12.2010/hgn)
Gysi und Lafontaine beim Linke-Parteitag
Na und Sie haben scheinbar nicht verstanden wie die Strompreisbildung an der Leipziger Strombörse funktioniert. Kann man z.B. hier nochmal nachlesen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Merit-Order
Und wegen "über 40 Cent" - die gab es bei Inbetriebnahme bis 2009, seit 2010 ist die Vergütung unter 40 Cent. Aktuell bei großen Anlagen nur noch gut die Hälfte davon. Mit solchen Vergütungssätzen läßt sich ein AKW bei gerechter (Langzeit-) Kostenaufstellung nicht betreiben.
Hier die Vergütungssätze für PV-Anlagen ab 1. Oktober 2010:
bis 30 KW: 33,0c; 30-100 KW: 31,1c; 100-1000 KW: 29,6c; über 1000 KW: 24,7c
Ab 1.Januar 2011:
bis 30 KW: 28,6c; 30-100 KW: 27,2c 100-1000 KW: 25,7c; über 1000 KW: 22,7c
Und von wegen man kann beliebige Kraftwerke einfach ein paar Prozent rauf fahren wenn Bedarf ist. Grundlastkraftwerke sind nicht in der Lage den Tageslastgang nachzubilden, schon gar nicht AKW´s.
Bei wirklichem Interesse:
http://www.erneuerbareenergien.de/wer-erhaelt-vorfahrt/150/492/28735/
Für diese Schwankungen gibt es Mittel- und Spitzenlastkraftwerke und je nach Nachfrage liegt die Vergütung für diesen Strom teilweise im Euro-Bereich.
Unfug ist es einfach irgendetwas zu behaupten ohne über die Zusammenhänge Bescheid zu wissen.
Den Stromkunden zum Sündenbock über zu hohe Strompreise ist wohl der Hammer,
es ist die Kriminelle Verflechtung von Stromkonzern und Politik die dieses System erst ermöglicht hat.
"Dadurch wirkt der PV-Strom wie richtig im Artikel erwähnt insgesamt häufig sogar kostensenkend. Die Hintergründe dazu kann man unter dem Stichwort "Merit Order" nachlesen.
Der Strom aus PV-Anlagen wirkt also gerade bei hoher Nachfrage kostensenkend. "
Sie schreiben wirtschaftlich völligen Unfug. Über 40 Cent/kWh Solarstromvergütung ist jenseits von gut und Böse. Für den Kurs können Sie beliebige Kraftwerke noch etwas weiter auspressen (kostet Wirkungsgrad) ohne dieses Preisniveau jemals zu erreichen. Bei Windkraft und ca 7 Cent/kWh kann man langsam über die von Ihnen beschriebenen Effekte diskutieren, definitiv nicht bei Photovoltaik.
Die Stromproduzenten und -versorger belügen die verbraucher schon immer. Das sind keine Unternehmen, sondern Gelddruckmaschinen, die Ihre Kunden abzocken, weil sie den Hals nicht voll kriegen. Jetzt dürfen sie ihre Kernkraftwerke länger betreiben (sind alle schon abgeschrieben) und billigen Strom herstellen und der verbraucher muss mehr bezahlen. Und als belohnung für den höheren Gewinn muß der Verbraucher noch für die Abfallentsorgung der Kraftwerke bezahlen. Wer solch ein Geschäftgebaren als Politiker zuläßt, muß krank im Kopf sein oder unfähig, oder von denen bezahlt werden dafür (Klientel). Das ist eine der größten Schweinereien, die mit dem Volk gemacht werden.
die Abzockerei per Ökostrom ist mit Sicherheit nicht der einzige Preistreiber. Mit Sicherheit ist aber einer von mehreren Preistreibern. Und vor allen Dingen der Preistreiber mit dem größten Wachstumspotenzial. Und wenn Sie schon von Gewinnmaximierung reden, sollten Sie die Solarzellenschrauber nicht vergessen. Die treibt nämlich auch nur das Ziel um, auf Kosten der Allgemeinheit Knete zuu machen.
Paging