Elektromobilität Wie die Post mit einem Elektroauto die Welt verbessern will

Schnittig ist der Streetscooter nicht, aber praktisch. Vier Kubikmeter Pakete passen rein. Die Post baut das Elektrofahrzeug selbst.

(Foto: Armin Weigel/dpa)

Online kaufen kann gut für die Umwelt sein - aber nur, wenn effizient geliefert wird. Der Streetscooter verbessert zumindest die Klimabilanz eines Pakets.

Von Varinia Bernau, Aachen

Die Reifen quietschen, als Jürgen Gerdes Runde um Runde im Kreisverkehr dreht. Der gelbe Lieferwagen ist sein neuestes Spielzeug. Und er könnte die Lösung für ein drängendes Problem sein: Je mehr Menschen etwas im Internet bestellen, desto mehr Pakete müssen quer durch die Republik gekarrt werden. 290 Millionen waren es allein im vergangenen Jahr. Mit jedem einzelnen werden Schätzungen zufolge etwa 500 Gramm klimaschädliches Kohlenstoffdioxid in die Luft gepustet. Und das ist nicht der einzige Schadstoff, der aus dem Auspuff kommt. Der Streetscooter, mit dem Gerdes, im Vorstand der Deutschen Post für den Versand von Briefen und Paketen zuständig, über das konzerneigene Testgelände düst, wird mit Ökostrom angetrieben.

In diesem Jahren werden die Deutschen voraussichtlich Waren im Wert von etwa 46 Milliarden Euro online bestellen - doppelt so viel wie noch vor sechs Jahren. Bislang kaufen die Deutschen vor allem Mode, Elektronik und Bücher im Netz. Aber bald könnten es auch Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs sein. All die Bestellungen müssen zu den Kunden gebracht werden. Und oft auch wieder zurück zum Händler, weil etwas nicht passt. Vor allem der Druck, Bestellungen zügig liefern zu müssen, macht den Zustellern zu schaffen - und damit auch der Umwelt. Denn je besser sie die Transporter auslasten und die Routen planen können, desto weniger Sprit fällt an.

Kleinere Pakete, weniger Emissionen

Bei der Zustellung an einen zuvor vereinbarten Punkt - sei es eine Packstation, sei es der Kiosk, der die Pakete für die Nachbarschaft annimmt - seien die Emissionen um 20 bis 30 Prozent niedriger, als wenn der Postbote an einzelne Adressen liefern muss, sagt Thomas Bergmann vom Ökoinstitut, einer Forschungseinrichtung, die den Folgen gesellschaftlicher Entwicklungen für die Umwelt nachspürt.

Durch die Auslastung der Wagen lässt sich einiges an Sprit sparen. Auch deshalb hat etwa der Versandhändler Otto vor gut drei Jahren seine Kartons kleiner gemacht: 1,5 Liter weniger Luft im Paket macht 500 Lkw-Ladungen weniger im Jahr. Und deshalb ist die Ladefläche des Streetscooters so gebaut, dass sich darauf Pakete mit einem Volumen von insgesamt vier Kubikmetern verstauen lassen. Bei den Transportern, die die Post bei Autoherstellern mit demselben Versprechen kauft, sind es wegen der Ecken und Kanten im Innenraum nicht selten nur zweieinhalb Kubikmeter.

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Online kaufen ist besser für das Klima

Doch welchen Klimaschaden das Shoppen verursacht, hängt von noch sehr viel mehr ab: Wer in der Stadt lebt, seine Einkäufe am stromsparenden Notebook erledigt, Bestellungen bündelt und Rechnungen im E-Mail-Fach sammelt, dessen Ökobilanz ist besser als die von jemandem, der mit dem SUV ins Einkaufszentrum fährt. Aber auch besser als die eines Kunden, der auf dem Land lebt, das eigene Auto abgeschafft hat und deshalb auf Sondereinsätze des Paketboten angewiesen ist.

Wer online ein Paar Schuhe ordert, für die er ansonsten extra in die Stadt gefahren wäre, der senkt die Belastung fürs Klima. Denn seine Fahrt übernimmt der Bote. Mit spritsparenderen Autos und einer besser geplanten Route. Aber was ist bei Schuhen, die sich der Kunde schon im Laden angesehen hat und erst später im Netz bestellt? Was, wenn er die beim Onlineshopping gesparte Zeit nutzt für eine Landpartie? Und was, wenn er, weil's so einfach ist, noch ein paar T-Shirts kauft, die er gar nicht braucht? "Durch den Onlinehandel kann der Konsum angekurbelt werden", betont Bergmann. "Das mag volkswirtschaftlich gut sein, aber natürlich wird der ökologische Rucksack, den jeder zu schultern hat, damit nicht gerade kleiner."