Dax-Vorstände Das verdienen Deutschlands Top-Manager

Für das Jahr 2015 führt Daimler-Chef Dieter Zetsche die Liste der Dax-Chefgehälter an.

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  • Die Chefs von Deutschlands Dax-Unternehmen verdienten 2015 fürstlich, das geht aus einer Statistik der Beratungsagentur HKP hervor.
  • Zwar sanken die Gehälter der Top-Manager im Vorjahresvergleich leicht, über mehrere Jahre betrachtet verbuchten die Vorstände aber ein Plus.
Von Karl-Heinz Büschemann

Dieses Mal hat Martin Winterkorn Glück. Der im Herbst 2015 gefeuerte Wolfsburger Konzernchef taucht nicht wieder als der bestverdienende Dax-Chef auf. Diese Aufstellung wird jährlich von der Frankfurter Beratungsagentur HKP erstellt und wurde an diesem Mittwoch veröffentlicht. Wäre Winterkorn wie vergangenes Jahr als der bestverdienende Chef eines Dax-Konzerns gelistet worden, hätte das sicherlich massive Kritik nach sich gezogen. Immerhin muss der Manager für die im Herbst aufgedeckten Abgasmanipulationen bei VW die Verantwortung tragen.

Winterkorn taucht in der Liste nicht auf, weil Volkswagen wegen der Abgaskrise die Bilanzvorlage und die Veröffentlichung des Geschäftsberichts auf Ende April verschoben hat. Für das Jahr 2015 führt stattdessen Daimler-Chef Dieter Zetsche die Liste der Dax-Chefgehälter an. Zetsche bezog im vergangenen Jahr 14,37 Millionen Euro, einschließlich der Zuwendungen für die Altersversorgung. Der Daimler-Boss ist damit längst in die Gehaltsliga von Winterkorn vorgestoßen.

Die Bezahlung der Vorstände orientiert sich an den Gewinnen

Neben Zetsche brachte es auch Ulf Schneider von Fresenius auf zweistellige Millionenbezüge; insgesamt waren das 13,9 Millionen Euro. Die Statistik verwischt aber gnädig, dass die Allianz für 2015 mit der Bezahlung der beiden Chefs besonders großzügig war. Michael Diekmann bezog für die vier Monate von Januar bis zu seinem Ausscheiden als Chef Anfang Mai 9,9 Millionen Euro. Wäre sein Nachfolger Oliver Bäte nicht erst seit Anfang Mai neuer Allianz-Chef gewesen, sondern schon seit Beginn des Jahres, hätte der Chef des Versicherungskonzerns mit einer ebenfalls zweistelligen Summe wohl den dritten Platz in der Statistik belegt (die detaillierte Auswertung als PDF).

Dass die Dax-Vorstandsvorsitzenden im Durchschnitt etwa zwei Prozent weniger verdient haben als noch 2014, dürfte das Lebensgefühl der Manager wenig beeinflussen. Von neuer Bescheidenheit zu sprechen, wäre übertrieben. Im Schnitt verdienten sie knapp sechs Millionen Euro, das sind dem HKP-Bericht zufolge immer noch gut 15 Prozent mehr als vor zehn Jahren. Sieben Chefs bezogen im vergangenen Jahr mehr als neun Millionen Euro. In der Erhebung tauchen allerdings nicht alle Dax-Chefs auf, weil noch nicht alle Konzerne ihre Zahlen veröffentlicht haben.

Michael Kramarsch von HKP merkt zu der Statistik an, dass sich die Bezahlung der Chefs an der Gewinnentwicklung der Unternehmen orientiere. So sei der stetige Aufstieg von Daimler-Chef Zetsche im Einkommensranking in den vergangenen Jahren eine Folge der Gewinnentwicklung des Unternehmens. Der Stuttgarter Konzern habe "den Gedanken der am Gewinn orientierten Bezahlung am besten vorgelebt", sagt Berater Kramarsch. Der VW-Konzern, der in der Vergangenheit durch besonders hohe Chef-Gehälter aufgefallen war, müsse nach der Krise des Konzerns und den wohl milliardenteuren Folgen, "diesen Test erst noch bestehen".

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