Brexit Ryanair will keine neuen Flugzeuge mehr in Großbritannien stationieren

Ryanair-Fluggäste auf dem Rollfeld des Flughafens Berlin-Schönefeld. In Großbritannien will die Airline künftig weniger Flugzeuge stationieren.

(Foto: dpa)
  • Die Billig-Airline Ryanair will ihre neuen Flugzeuge wegen des Brexit nicht mehr in Großbritannien stationieren.
  • Viele Fluggesellschaften trifft das Brexit-Votum besonders hat. Sie fürchten unter anderem, dass Großbritannien zukünftig nicht mehr dem Luftverkehrs-Binnenmarkt angehören wird.

Die irische Fluggesellschaft Ryanair will mit einem drastischen Schritt auf das Brexit-Votum reagieren. Bislang hat sie einen beträchtlichen Teil ihrer Flugzeuge in Großbritannien stationiert. Das soll sich künftig ändern: Es sei "höchst unwahrscheinlich", dass im kommenden Jahr auch nur eines der 50 neuen Flugzeuge in Großbritannien stationiert werde, sagte Firmenchef Michael O'Leary dem Wall Street Journal. "Wir werden all unser Wachstum in die Europäische Union umleiten."

Das Brexit-Votum trifft viele Wirtschaftszweige hart. Am Montag stürzten die Aktien vieler europäischer Unternehmen erneut ab. Besonders schlimm hat es neben den Banken die Fluggesellschaften erwischt. Die britische Airline Easyjet verlor am Montag zeitweise mehr als 20 Prozent ihres Börsenwerts. Am Freitag hatte sie bereits Verluste in ähnlicher Größenordnung einstecken müssen.

Der Luftfahrtverband IATA schätzt, dass der erwartete wirtschaftliche Abschwung nach dem Brexit und der Wertverfall des britischen Pfund die Zahl der Fluggäste aus dem Vereinigten Königreich bis zum Jahr 2020 um drei bis fünf Prozent nach unten drücken wird. Zudem ist bislang unklar, ob Großbritannien in Zukunft weiterhin dem Luftverkehrs-Binnenmarkt der EU angehört.

Ryanair-Chef will Kunden mit Rabatten locken

Ryanair-Chef O'Leary sieht für die gesamte Konjunktur schwerwiegende Folgen durch den Brexit: "Die Wirtschaft in Großbritannien und in Europa wird ganz sicherlich einen Dämpfer erhalten", sagte er. Kurzfristig erwarte er aber nur einen geringen Einfluss auf die Buchungen in Großbritannien. Die Fluggäste würden mit Rabatten gelockt werden, um die Maschinen zu füllen.

Auf ähnliche Weise hatte die Airline im Mai bereits versucht, ihren Beitrag zur Abwendung eines Brexit zu leisten: Für den 22. und 23. Juni, also den Zeitpunkt des Referendums, bot die Airline besonders günstige Tickets zu allen britischen Flughäfen an und erzürnte damit die Brexit-Gegner. Der Werbeslogan dafür lautete: "Fliege in die Heimat, um für den Verbleib in der EU zu stimmen." Geholfen hat es am Ende nicht.

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