Brexit Boris Johnson träumt von Brücke überm Ärmelkanal

Ernst oder Spaß? Schwer zu sagen beim Vorschlag von Boris Johnson.

(Foto: REUTERS)

Der britische Außenminister soll Frankreichs Präsident Macron die Verbindung zwischen den Ländern vorgeschlagen haben. Ist der Plan tatsächlich so abwegig?

Von Björn Finke, London

Großbritannien wird in 14 Monaten die Europäische Union verlassen. Aber geht es nach Außenminister Boris Johnson, sollen die Verbindungen von Insel zum Festland besser werden denn je zuvor. Der extravagante Brexit-Enthusiast will eine Brücke über den Ärmelkanal bauen lassen.

Am Donnerstag war der französische Präsident Emmanuel Macron auf Staatsbesuch im Königreich. Während der Gespräche soll Johnson zu Macron gesagt haben, es sei absurd, dass ihre Länder lediglich durch einen Tunnel verbunden seien. Nach einem Bericht des Daily Telegraph schlug Johnson deshalb den Bau einer zweiten Verbindung vor, worauf der Präsident geantwortet habe: "Ich stimme zu. Lasst uns das machen."

Ein Vorbild in China?

Im Jahr 1994 wurde der 50 Kilometer lange Eurotunnel eröffnet, ein Eisenbahntunnel. Der britischen Zeitung zufolge schwebt Johnson eine privat finanzierte, 35 Kilometer lange Brücke vor. "Die Technologie entwickelt sich ständig weiter, und es gibt anderswo viel längere Brücken", sagte der Politiker dem Bericht zufolge seinen Mitarbeitern. An seiner engsten Stelle ist der Ärmelkanal 34 Kilometer breit.

Die längste Brücke der Welt, die Große Brücke Danyang-Kunshan in China, misst fast fünfmal so viel. Der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire äußerte sich jedoch am Freitag skeptisch: "Alle Ideen verdienen es, erörtert zu werden, auch die abwegigsten", sagte er. "Wir haben große europäische Infrastrukturprojekte, deren Finanzierung komplex ist. Lasst uns diese Sachen fertigstellen, die bereits im Gang sind, bevor wir über neue nachdenken."

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