Bank in der Krise Commerzbank verhökert ihre neuen Aktien

Es läuft nicht gut für die Commerzbank. Sie will sich vom Staat lösen und bietet dafür ihre neuen Aktien zum Spottpreis an. Für die Alt-Aktionäre ist die Kapitalerhöhung in Milliardenhöhe eher ärgerlich.

Von Regina Brand

Mühsam hat sich die zweitgrößte deutsche Bank aus der Finanzkrise gekämpft - mit Hilfe des Steuerzahlers. 25 Prozent der Commerzbank-Aktien gehören dem Staat. Jetzt holt sich das Geldhaus Kapital von Privatanlegern - und die kommen extrem günstig an Papiere.

Insgesamt 556 Millionen neue Aktien will der teilverstaatlichte Dax-Konzern von diesem Mittwoch an anbieten. Die neuen Aktien starten mit einem Rabatt von 55 Prozent. Gerade mal 4,50 Euro pro Stück soll ein neues Papier kosten.

Noch immer schuldet das Institut sowohl dem Staat als auch der Versicherung Allianz viel Geld: Insgesamt 1,6 Milliarden Euro an direkten Staatshilfen sowie 750 Millionen Euro stille Einlagen des Versicherers muss die Commerzbank noch zurückzahlen.

Commerzbank-Chef Martin Blessing will mit der Ausgabe der neuen Aktien mittelfristig 200 Millionen Euro Zinsen im Jahr sparen. Die Kapitalerhöhung von 2,5 Milliarden Euro hatte Blessing bereits im März angekündigt; im April stimmte die Hauptversammlung dem Schritt trotz scharfer Kritik von Kleinaktionären mit großer Mehrheit zu.

Um die komplizierte Transaktion durchziehen zu können, musste das Institut kurz danach den Kurs aufhübschen: Es legte zehn alte Aktien zu einer neuen zusammen. Dadurch verzehnfachte sich der Aktienkurs an der Börse. Das sollte verhindern, dass der Kurswert unter einen Euro sinkt. Denn dann wäre eine Kapitalerhöhung unmöglich, da keine neue Aktie unter einem Nennwert von einem Euro ausgegeben werden darf.

4,50 pro Aktie - an der Börse riefen die Billig-Konditionen Verunsicherung hervor: Die bislang an der Börse gehandelten Titel fielen an diesem Dienstag um mehr als drei Prozent auf ein Rekordtief.

Um überhaupt auf die erforderliche Summe Geld zu kommen, musste die Commerzbank die Zahl der Aktien fast verdoppeln. Damit werden die Anteile der Alt-Aktionäre noch stärker verwässert als erwartet. Um fast mehr als die Hälfte reduziert sich der prozentuale Anteil einer Aktie.

Alt-Aktionäre haben von diesem Mittwoch an ein bevorzugtes Kaufrecht am Börsenmarkt. Bis Ende Mai können sie die neuen Papiere zeichnen. Für je 21 Anteilsscheine erhalten die Aktionäre Bezugsrechte für 20 neue.

Blessing will mit dem Schritt wieder "eine normale Bank mit einem größeren Aktionär" werden. Der Staatsanteil soll auf unter 20 Prozent sinken, so dass der staatliche Sonderfonds zur Finanzmarktstabilisierung (Soffin) seine Sperrminorität von 25 Prozent verliert. Seit vier Jahren ist die Commerzbank auf dessen Unterstützung angewiesen. 2011 hatte das Institut bereits mit einer ersten großen Rückzahlung begonnen.

Mit Material von AFP, Reuters, dpa