Ein Gesetz aus der Feder einer Anwaltskanzlei - der Guttenberg-Plan zur Banken-Rettung sorgt für Ärger. Die politischen Gegner schießen verbale Giftpfeile ab.
Eigentlich sind Ministerien dafür da, Gesetze zu erarbeiten. Im Fall des "Gesetzes zur Ergänzung des Kreditwesengesetzes", dessen Entwurf in diesen Tagen diskutiert wird, ist das ein wenig anders. Denn dieses Gesetz für ein neues Banken-Rettungsmodell stammt komplett aus der Feder der britischen Großkanzlei Linklaters - und der Auftrag stammt von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU).
Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat ein Gesetz zur Banken-Rettung von einer britischen Anwaltskanzlei ausarbeiten lassen. (© Foto: Getty Images)
Anzeige
Für Guttenbergs politische Gegner ist das eine Ungeheuerlichkeit. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries hat ihrem Kabinettskollegen Verschwendung von Steuergeldern vorgeworfen. Die SPD-Politikerin sagte der Berliner Zeitung: "Es ist unverantwortlich, eine große Wirtschaftskanzlei zu beauftragen, statt den vorhandenen Sachverstand innerhalb der Bundesregierung zu nutzen." Umso befremdlicher sei dies, weil das Wirtschaftsministerium für das Insolvenzrecht gar nicht zuständig sei.
Auch Grünen-Fraktionschefin Renate Künast ist erbost. "Für mich ist das ein Fall für den Rechnungshof", sagte sie dem Blatt. "Ich will wissen, wie viel Steuergeld Guttenberg für diesen Entwurf gezahlt hat", forderte Künast. Er hätte diese Kosten aus seiner Wahlkampfkasse zahlen müssen, forderte die Politikerin.
Zoff der Ministerien
Kritik am Vorgehen Guttenbergs kommt auch von der Linkspartei. "Das ist ein Bankrottbekenntnis der Ministerien", sagte der Abgeordnete Wolfgang Neskovic der Berliner Zeitung. Er kritisierte, dass immer häufiger Anwälte im Staatsauftrag Gesetzentwürfe schreiben. "Das nimmt immer mehr zu."
Das Wirtschaft- und das Justizministerium hatten vor einigen Monaten vom Bundeskabinett den Auftrag erhalten, ein neues Modell zur Rettung maroder Banken jenseits von Verstaatlichung und Enteignung auszuarbeiten. Beide Ministerien hatten daraufhin stark unterschiedliche Grundzüge eines solchen Modell vorgestellt, sich aber nicht auf einen Weg geeinigt. Das Wirtschaftsministerium hatte die Arbeiten weiter vorangetrieben und vor wenigen Tagen einen vollständigen Gesetzentwurf präsentiert. Auch das Justizministerium kündigte an, in Kürze einen eigenen Gesetzesvorschlag vorzulegen.
Insgesamt gab die Bundesregierung zwischen 2006 und 2009 knapp 2,5 Millionen Euro für die Zuarbeit externer Experten aus, wie die Berliner Zeitung berichtete.
- Banken-Plan Justizministerium erbost über Guttenberg 08.08.2009
- Neues Gesetz Guttenbergs Großkanzlei 07.08.2009
- Entwurf von Guttenberg Pleitegehen leichtgemacht 06.08.2009
- Folgen der Finanzkrise Bankenpleiten - aber immer doch 06.08.2009
- Grüne zum Vorstoß von Guttenberg "Viel zu spät" 06.08.2009
- Politik kompakt Bessere Ausrüstung für Afghanistan-Truppe 08.05.2010
- Kotenew und Murphy laden zum Empfang Finale in der Russendisko 06.05.2010
(sueddeutsche.de/Reuters/tob/vw)
Putin und Hollande streiten um Intervention in Syrien
Der Rechnungshof für Bayern hat die Vergabe von Aufträgen und Gutachten in seinem Bericht für 2008 thematisiert . Dabei hat er explizit im Bereich "Beauftragung von Kanzleien für Wirtschaftsrecht" Kritik geübt - wohlgemerkt an bayerischen Verhaltensweisen !
Wen´s interessiert, hier der link: http://www.orh.bayern.de/, dann unter Bericht 2008 suchen.
Soweit ich informiert bin, hat der Rechnungshof sich mit dem Fall beschäftigt und ihn auch verurteilt! Aber etwas anderes scheint mir wichtig: Linklaters ist ein britisches Unternehmen. Es ist somit damit zu rechnen, dass man britische Erkenntnisse und Ideologien in dieses Gesetz mit einfließen lassen will. Damit handelt es sich auch um den Export der gescheiterten und in Deutschland von der Mehrheit absolut nicht erwünschten Markt radikalen Ideologien. Diese sind zugegebener Massen von einigen Interessenvertretern durchaus gewollt, und von und zu Guttenberg bedient die Markt radikalen in der eigenen Partei.
Hab mich bei der Bewertung vertan; bitte das Versehen zu entschuldigen/berücksichtigen.
Dies würde das Desaster unseres Abgabensystems erklären und die Tatsachen , dass der veratnwortliche Resorleiter, Beserungen und ausgeglichene Haushalte dermassen weit in die Zunkunft projeziert, dass er für seine Behauptungen keinelei Verantwortung übernehmen muss.
Daß Guttenberg diesen Auftrag ausgegliedert hat, ist ein Hinweis darauf, daß er dem eigenen Haus nicht die Kompetenz zutraut, ein Gesetz zu entwerfen. Abgesehen von der (Nicht-)Zuständigkeit, fällt die Inkompetenz auf ihn zurück. Was er seinem Haus nicht zutraut, überfordert offensichtlich ihn selbst.
Der Wetgel-Minister hat die Hosen runtergelassen und sein wahres Gesicht gezeigt: eine Hochglanzfassade, den Potemkinschen Dörfern ebenbürtig, medienwirksam vermarktet. Dahinter persönliches Vakuum, notdürftig gefüllt mit den Parolen der Unternehmerverbände und der Kadavergehorsam, sie in die Tat umzusetzen.
Paging