Autobranche im Umbruch Nervös Richtung Zukunft

BMW-Hauptversammlung Vor der Kulisse der BMW-Zentrale gehen Aktionäre am 15.05.2014 in München (Bayern) zur Hauptversammlung. Am gleichen Tag lädt das Unternehmen seine Aktionäre zur Hauptversammlung. Foto: Nicolas Armer/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

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  • Die deutsche Autobauer machen so hohe Gewinne wie nie. Trotzdem sind sie nervös, denn der Markt verändert sich immer schneller.
  • Zeichen dafür sind augenscheinlich widersprüchliche Entscheidungen. Zum Beispiel Kosten sparen zu wollen und gleichzeitig Tausende neue Mitarbeiter einzustellen, wie es BMW macht.
  • Apple wirbt viele Mitarbeiter aus der Branche ab. BMW und andere suchen IT-Fachleute. Ein Zeichen, dass der Markt für selbstfahrende Autos und leichte Elektroautos bald zwischen IT-Firmen und den traditionellen Autobauern umkämpft sein wird.
Von Thomas Fromm

Dass irgendwas passiert in der Autowelt, ist schon seit ein paar Monaten klar. Zuerst hatte VW-Chef Martin Winterkorn ein Milliarden-Sparprogramm angekündigt. Es hatte den wunderbaren Namen "Future Tracks". Sparmaßnahmen, die nach offizieller Sprachregelung maximal "Effizienzprogramm" heißen dürfen und die auch deshalb immer auch noch einen knackigen englischen Namen verpasst bekommen, sind in Konzernen an der Tagesordnung.

Dann aber kam VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh mit seinen eigenen "Future Tracks", die er im vergangenen Herbst als 400-Seiten-Bericht auf den Tisch knallte, und sagte, man könne durchaus auch mehr als die von Winterkorn angepeilten fünf Milliarden einsparen. Das war sehr ungewöhnlich.

Ungewöhnlich wie das hier: Am Freitag veröffentlichte der Autobauer Rekordzahlen. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei mehr als 200 Milliarden Euro und damit nur leicht unter dem finnischen Bruttoinlandsprodukt. Der Gewinn erreichte elf Milliarden Euro, die Dividende soll von vier Euro auf 4,80 erhöht werden. Eigentlich also alles prima, wenn man davon absieht, dass es vor allem wieder mal die Edelmarken Audi und Porsche waren, die das Geld für VW verdient haben. Aber von wegen: Zuerst orakelte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch, dass das Jahr 2015 "sicher kein Selbstläufer" werde, dann brach auch noch die Aktie zeitweise ein.

Ein Betriebsrat legt Sparpläne vor. Rekordzahlen werden eingefahren, und die Stimmung geht in den Keller. Wie muss man das alles verstehen?

Auch bei BMW geschehen interessante Dinge. Einerseits gilt höchste Kostendisziplin, heißt es aus dem Münchner Vierzylinder. Andererseits: Der Premium-Bauer will in diesem Jahr an die 8000 Leute neu einstellen. Sparen bei Rekordzahlen, Tausende neue Jobs schaffen - passt das zusammen? Es passt.

Apple ist gerade dabei, verdächtig viele Autoleute abzuwerben - das macht nervös

Wären dies normale Zeiten, könnte man davon ausgehen, dass Menschen wie Winterkorn oder BMW-Chef Norbert Reithofer ziemlich entspannt wären. Umsatz-, Absatz- und Gewinnrekorde sind bei solchen Menschen solide Voraussetzungen für einen gesunden Schlaf. Nun sind diese Zeiten aber ziemlich turbulent, und deswegen herrscht in den Konzernbüros große Hektik und Nervosität. Um nicht zu sagen: höchste Alarmstufe.

Es geht für die Deutschen um die große Zukunftsfrage: Sitzen die eigentlichen Rivalen wirklich noch in Stuttgart, Ingolstadt oder München, oder sitzen sie nicht längst im Silicon Valley bei den neuen Autoentwicklern Google und Apple? BMW, VW, Daimler - sie alle suchen gerade händeringend nach IT-Spezialisten und Softwareentwicklern, je mehr davon, desto besser, denn man muss in den nächsten Jahren neue selbstfahrende Autos und leichte Elektrofahrzeuge entwerfen. Deshalb schaffen alle neue Jobs, obwohl alle sparen. Apple ist gerade dabei, verdächtig viele Autoleute abzuwerben - das macht nervös, so wie gerade alles nervös macht.

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