Autobauer in der Krise Peugeot macht fünf Milliarden Euro Verlust

Rekordminus für Peugeot Citroën: Der französische Autobauer schreibt mit fünf Milliarden Euro den höchsten Verlust in seiner Geschichte. Eine Besserung ist wohl nicht in Sicht - auch wenn die Regierung schon über eine Lösung nachgedacht hat.

Der französische Autobauer PSA Peugeot Citroën hat im Jahr 2012 mit fünf Milliarden Euro den höchsten Nettoverlust seiner Geschichte verbucht. Dies sei auf die Abhängigkeit vom schwierigen europäischen Markt sowie Abschreibungen in Höhe von 4,7 Milliarden Euro zurückzuführen, teilte das Unternehmen am Mittwoch bei der Vorstellung seiner Jahresbilanz mit. Der Umsatz schrumpfte um 5,2 Prozent auf 55,4 Milliarden Euro.

Beim Autoverkauf sanken die Umsätze um 10,3 Prozent auf 38,3 Milliarden Euro. Peugeot leidet unter der nachlassenden Nachfrage nach Autos, vor allem in Südeuropa gibt es erhebliche Absatzprobleme. Und so schlimm wie im Moment war die Lage noch nie: PSA ist derzeit eher eine Geldverbrennungsmaschine als ein Autohersteller. Mehr als sechs Millionen Euro gehen täglich verloren - trotz Rabatten sind die Autos Ladenhüter.

Der Automobilzulieferer Faurecia, an dem PSA 57,4 Prozent hält, hatte deshalb schon Sorgen um die eigene Zukunft. Doch der Zulieferer stehe nicht zum Verkauf, sagte PSA-Finanzchef Jean-Baptiste de Chatillon nun. Faurecia-Chef Yann Delabrière hatte noch am Dienstag erklärt, sein Unternehmen sei auf "jede Eventualität vorbereitet". Es war immer wieder darüber spekuliert worden, dass PSA sein Tochterunternehmen verkaufen könnte, um angesichts der katastrophalen Finanzlage seine Kassen zu füllen.

Peugeot selbst führte als Grund für den Rekordverlust neue Bilanzierungsregeln sowie die schwindende Hoffnung auf eine baldige Erholung der Branche an. Bereits 2011 hatte das Unternehmen mit einem gewaltigen Absatzeinbruch abgeschlossen.

Peugeot will sich aus der Krise sparen

Um aus der Misere herauszukommen, will Peugeot 8000 Stellen streichen und ein Werk schließen. Dabei liege man über Plan, gab sich Peugeot-Chef Philippe Varin optimistisch. "Die Grundlagen für unsere Erholung sind gelegt", versicherte er. Diese Ankündigung fand an der Börse positiven Widerhall. Die Aktie stieg zum Handelsbeginn um rund fünf Prozent, gab aber dann wieder etwas nach.

Der Wettbewerber von Renault gab bekannt, 200 Millionen Euro mehr als geplant eingespart zu haben. Bisher seien die Ausgaben um 1,2 Milliarden Euro gesenkt worden. Im laufenden Jahr sollen weitere 900 Millionen Euro hinzukommen.

Kosten senken mit Kooperationen

Zugleich soll die Zusammenarbeit mit General Motors an Schwung gewinnen. Im Januar hatten Peugeot und GM eine weitreichende Kooperation bei der Fahrzeugentwicklung bekanntgegeben. Dies soll 2013 zu Einsparungen von weiteren 600 Millionen Euro führen.

Dabei gibt Opel zwei wichtige Projekte in die Hände des französischen Partners: Die beiden neuen Plattformen - eine für kompakte Familienwagen in der Größe des Opel Zafira und eine für Autos im Segment des erfolgreichen Opel Meriva - sollen auf der Peugeot-Technik basieren. Opel leidet unter ähnlichen Problemen wie Peugeot. GM will deswegen sparen und die Fahrzeugproduktion im Werk Bochum spätestens 2016 einstellen.

Im Bereich Nutzfahrzeige will Peugeot künftig enger mit Toyota zusammenarbeiten. "Ab Mitte des Jahres bringen wir unseren neuen Kleintransporter ProAce auf Basis des Citroën Jumpy auf den Markt", sagte Toyota Deutschland-Chef Toshiaki Yasuda der Welt. Gebaut werde er bei Citroën in Frankreich. "2016 kommt ein Nachfolgemodell, das wir gemeinsam entwickeln", ergänzte Yasuda. Das Vorgängermodell Hiace hatte Toyota auslaufen lassen. Allein wollen die Japaner keinen kleinen Laster für Europa mehr entwickeln, weil das Geschäft durch die Euro-Krise derzeit nur schleppend läuft.

Keine Hilfe vom Staat

Peugeot hatte die drohenden Milliardenverluste schon vor einigen Tagen angekündigt. Der französische Staat hatte daraufhin erstmals erwogen, bei Peugeot einzusteigen. Finanz-Staatssekretär Jérôme Cahuzac bezeichnete am vergangenen Freitag eine Kapitalbeteiligung als "möglich". Er verwies dabei auf den staatlichen Investitionsfonds FSI. "Dieses Unternehmen kann nicht, darf nicht verschwinden", sagte Cahuzac. Damit der Konzern fortbestehe, "muss das gemacht werden, was gemacht werden muss". Wenig später betonte das Finanzministerium in Paris allerdings, ein solcher Schritt stehe "nicht auf der Tagesordnung".

Inzwischen sieht es so aus, als könnten staatliche Beschlüsse dem Autobauer mehr schaden als helfen. Denn die französische Regierung will bis zum Sommer ein Gesetz auf den Weg bringen, das Werksschließungen für Unternehmen erheblich erschweren soll. Damit will Präsident Hollande verhindern, dass erfolgreiche Konzerne auf einfache und schnelle Weise ihre Mitarbeiter entlassen, um so höhere Gewinne zu erzielen. Wie das Gesetz im Detail aussehen soll, ist jedoch noch genauso unklar, wie dessen mögliche Auswirkungen auf Peugeot.