Ausstieg von Berggruen Investor Benko übernimmt Karstadt

René Benko, 36, hat mit Anfang 20 seine erste Immobilienfirma gegründet. Bislang besaß er die Mehrheit an Karstadt - nun übernimmt er.

(Foto: dpa)

Nun ist es offiziell: Die Signa-Gruppe des österreichischen Investors Rene Benko übernimmt die Warenhauskette Karstadt komplett. Der bisherige Besitzer Nicolas Berggruen steigt aus - und räumt in einem Interview Fehler ein.

Der österreichische Investor Rene Benko übernimmt die angeschlagene Warenhauskette Karstadt ganz. Der bisherige Eigner Nicolas Berggruen ziehe sich vollständig zurück und gebe auch seine Minderheitsposition bei den Premium- und Sporthäusern der Gruppe auf, teilte Benkos Signa Holding mit.

Berggruen, der deutsch-amerikanische Investor und Kunstsammler, verabschiedet sich nach nur vier Jahren - und Benko, der österreichische Immobilienunternehmer, steigt ein. Damit bestätigte Signa den kurz zuvor bekannt gewordenen Deal.

Der Verkauf der Warenhauskette geht damit noch schneller über die Bühne als gedacht. Berggruen war im Herbst 2010 bei Karstadt eingestiegen. Sein Einstieg war mit großen Hoffnungen verbunden - die jedoch nicht erfüllt wurden.

Die SZ-Autoren Kirsten Bialdiga und Ulrich Schäfer schreiben dazu:

Berggruen hat es jedoch versäumt, seither in das Geschäft von Karstadt zu investieren. Er verwies stets darauf, Karstadt müsse die Sanierung seines Geschäfts aus eigener Kraft schaffen. Selber schoß er kein Geld zu - obwohl der Karstadt seinerzeit nur für einen einzigen Euro bekommen hatte. Schlimmer noch: Berggruen zog selber noch Geld aus Karstadt ab, er besaß die Lizenzrechte an den Namen und ließ sich dies jedes Jahr mit Millionen bezahlen.

Ausstieg von Berggruen ist perfekt

Nun geht es doch schneller als gedacht: Bereits an diesem Freitag soll der österreichische Investor Rene Benko den Warenhauskonzern Karstadt komplett übernehmen. Nicolas Berggruen will aussteigen - und sein glückloses Engagement beenden. Von Kirsten Bialdiga und Ulrich Schäfer mehr ...

Im Anschluss an die Übernahme räumte Berggruen in einem Interview mit der Bild-Zeitung Fehler ein. "Karstadt war kein gutes Geschäft", sagte er. "Wir haben 2010 die Notwendigkeit der Sanierungsschritte unterschätzt", zitiert ihn die Bild. Zugleich wies er den Vorwurf zurück, er habe kein Geld in Karstadt investiert. Zu den Vorwürfen seiner Kritiker, er habe über vier Jahre rund 40 Millionen Euro allein an Lizenzgebühren an Karstadt verdient, sagte Berggruen: "Das ist eine Milchmädchenrechnung, bei der die Kosten für meine Firma, mein Team und meine Anwälte nicht gegengerechnet sind." Die Zahl stimme nicht, es sei weniger gewesen.

Besorgnis der Bundesregierung

Die Bundesregierung hat unterdessen den neuen Karstadt-Eigentümer Benko aufgefordert, die Interessen der 17 000 Beschäftigten bei der Sanierung angemessen zu berücksichtigen. "Unser Appell an den neuen Investor kann im Moment nur zu sein, die Arbeitnehmerseite intensiv zu beteiligen", sagte ein Sprecher von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) am Freitag in Berlin.

Die Mitarbeiter hätten schon sehr lange ihren Beitrag geleistet, um Karstadt voranzubringen, und bräuchten Sicherheit und Perspektiven. "Das Unternehmen muss jetzt in sicheres, ruhigeres Fahrwasser. Äußerungen von Herrn Benko ist zu entnehmen, dass das auch sein Ziel ist." Die Lage bei Karstadt werde aber "sensibel, aufmerksam und durchaus auch mit Besorgnis verfolgt", betonte der Sprecher.

Benko war im vorigen Herbst bei Karstadt eingestiegen. Bereits vor der kompletten Übernahme gehörten dem 37-Jährigen schon 75 Prozent der Anteile an zwei Sparten von Karstadt: den Sporthäusern und der Premiumsparte, zu der die Luxushäuser Oberpollinger (München), Alsterhaus (Hamburg) und KadeWe (Berlin) zählen. 25 Prozent dieser beiden Sparten gehörten Berggruen.

Im Vorfeld lösten Aussagen Benkos Verwirrung aus: Am Mittwoch hatte er sich erstmals öffentlich zu den Übernahmegerüchten geäußert und erklärt, Berggruen habe ihn um Hilfe gerufen. So zitierte ihn jedenfalls das österreichische Magazin Format. Benko hatte anschließend allerdings dementieren lasse, dass er dies gesagt habe. Auch eine Übernahme stünde nicht unmittelbar bevor - sagte er da noch.