Armutsbericht Immer mehr arme Menschen in Bayern und NRW

Die Quote der altersarmen Rentner ist so stark angewachsen wie bei keiner anderen Bevölkerungsgruppe.

(Foto: imago/Michael Schick)
  • Das Risiko, in Deutschland unter die Armutsschwelle zu rutschen, bleibt einem aktuellen Bericht zufolge hoch.
  • Besonders von Armut betroffen sind demnach Kinder, Rentner und Alleinerziehende.

Trotz der guten Wirtschaftsentwicklung in Deutschland bleibt das Armutsrisiko hoch. Alleinerziehende, Erwerbslose und Rentner sind besonders gefährdet. Das geht aus dem aktuellen Armutsbericht hervor, den der Paritätische Wohlfahrtsverband und weitere Verbände vorstellten.

Demnach verharre die bundesweite Armutsquote für das Jahr 2014 mit 15,4 Prozent auf hohem Niveau. Sie sei zwar im Vergleich zu 2013 um 0,1 Prozentpunkte gesunken, dafür aber die vorherigen zehn Jahre kontinuierlich gestiegen. Ob der Negativtrend seit 2006, als die Armutsquote noch 14 Prozent betrug, damit gestoppt sei, bleibe deshalb vorerst offen. Auch die Kinderarmutsquote liegt mit 19 Prozent weiterhin deutlich über dem Durchschnitt. Die Hälfte dieser Kinder lebt im Haushalt eines alleinerziehenden Elternteils.

Rentner besonders betroffen

Erstmals liegt auch die Armutsrisikoquote von Rentnern mit 15,6 Prozent über dem Durchschnitt. Die Verbände sprechen von einer alarmierenden Entwicklung. Die Quote der altersarmen Rentnerinnen und Rentner sei seit 2005 um 46 Prozent und damit so stark angewachsen wie bei keiner anderen Bevölkerungsgruppe.

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In neun Bundesländern sanken die Armutsquoten 2014, darunter in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Dem Bericht zufolge stieg die Armut dagegen in den bevölkerungsreichen Bundesländern Bayern und Nordrhein-Westfalen. Im Ruhrgebiet sei die Armutsquote auf einen neuen Höchststand von 20 Prozent angestiegen, hieß es.

Was die Armutsschwelle aussagt

Die Armutsschwelle ist von Land zu Land verschieden. EU-weit gilt, dass armutsgefährdet ist, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. In Deutschland liegt die Schwelle für Alleinstehende bei 917 Euro im Monat, für einen alleinerziehenden Elternteil mit einem Kind unter sechs Jahren bei 1192 Euro und für ein Paar mit einem kleinen Kind bei 1651 Euro. Die Schwelle variiert nach dem Alter der Kinder und beträgt etwa für Paare mit zwei älteren Kindern rund 2100 Euro.

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