Alibaba-Börsengang Chinas Amazon könnte den größten Börsengang aller Zeiten schaffen

Der ehemalige Englischlehrer Jack Ma, Gründer und Chef von Alibaba.com

(Foto: Bloomberg)

Sesam öffne dich: Der chinesische Online-Konzern Alibaba will an die Börse. Ein erster Einblick in die Zahlen des Unternehmens lässt selbst Amazon als Zwerg erscheinen. Die wichtigsten Fakten.

Von Johannes Kuhn, San Francisco

Chinas Internetriese macht Ernst: Alibaba hat Dienstagnacht deutscher Zeit die notwendigen Papiere für ein Börsendebüt in den USA eingereicht. Damit könnte noch diesen Sommer der größte Börsengang aller Zeiten über die Bühne gehen.

Eine Milliarde Dollar will das Unternehmen einsammeln, aber diese Zahl ist nur ein Platzhalter: Am Ende könnten die hohen Nachfrage nach Alibaba-Aktien dafür sorgen, dass die Firma den Börsengang-Rekord der Agricultural Bank of China mit umgerechnet mehr als 22,1 Milliarden Dollar knackt - oder zumindest Facebook mit dessen 16 Milliarden Dollar als größtes Debüt eines Internetkonzerns ablöst. Börsengänge bringen einer Firma neues Kapital. Deswegen haben sie ein Interesse daran, dass ihr eigener Preis möglichst hoch ausfällt.

Was hat es mit der Firma auf sich? Die wichtigsten Fakten zum Unternehmen und dem Börsenprospekt.

Mehr als Chinas Amazon: Im Westen ist Alibaba - zumindest außerhalb der Tech- und Finanzbranche - fast unbekannt. Als "Chinas Amazon" bezeichnen Experten das Unternehmen immer wieder, doch in Wahrheit ist es längst ein gigantisches Konglomerat. Mehrere Online-Marktplätze und ein eigener Bezahldienst bilden das Kerngeschäft, Tochterfirmen und Querbeteiligungen sorgen dafür, dass die Firma ihre Finger in fast allen wichtigen digitalen Märkten hat: Cloud-Computing, Streaming, Online-Reisebuchungen, digitale Lernplattformen oder Kurznachrichten-Dienste sind nur ein Auszug aus dem Alibaba-Portfolio.

Riese mit riesigem Gewinn: Anders als herkömmliche Online-Shops agiert Alibaba nur als Vermittler zwischen Händlern und Kunden, muss also keine Warenlager betreiben und sich nicht um den Versand kümmern. Trotz mehr als 20 000 Mitarbeitern kann das Unternehmen deshalb einen erstaunlichen Anteil seines Umsatzes als Gewinn verbuchen. In den angegebenen neun Monaten des Jahres 2013 strich das Unternehmen umgerechnet 2,85 Milliarden Dollar ein, bei einem Umsatz von 6,51 Milliarden Dollar. Eine weitere beeindruckende Zahl: Insgesamt kauften Kunden auf der Plattform Waren im Wert von 248 Milliarden Dollar, das ist mehr als bei Amazon und Ebay zusammen.

Börsenwert übertrifft Siemens, womöglich Facebook: Bei einem Börsengang kommt in der Regel nur ein Teil der Aktien in den Verkauf. Somit liegt der Börsenwert höher als der beim Debüt erlöste Gewinn: Zwischen 120 und 250 Milliarden Dollar liegt Analysten zufolge der Marktwert des Unternehmens. Zum Vergleich: Der Siemens-Börsenwert liegt bei 110 Milliarden Dollar, der Facebooks bei 150 Milliarden Dollar, IBM ist mit 198 Milliarden Dollar bewertet, Google mit 347 Milliarden Dollar und Apple mit 512 Milliarden Dollar.

Nicht interessiert am Rest der Welt: Alibaba investiert zwar inzwischen auch in ausländische Unternehmen, bedient selbst aber nur den chinesischen Markt. Dabei soll es, so heißt es im Börsenprospekt, vorerst auch bleiben. Nur jeder Zweite der 1,4 Milliarden Chinesen ist bislang online, wer dort schon heute online einkauft, tut das in vier von fünf Fällen auf einem der Alibaba-Portale. Insgesamt hatte das Unternehmen im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 231 Millionen aktive Kunden.

Alibaba-Gründer Jack Ma.

(Foto: REUTERS)

Kult um den Gründer: Der ehemalige Englischlehrer Jack Ma gründete Alibaba 1999 mit Hilfe von Freunden und führte das Unternehmen bis Ende vergangenen Jahres. Inzwischen hat er zwar offiziell den Chefposten abgetreten, doch der 49-Jährige, dem noch etwa neun Prozent seines Unternehmens gehören, ist ohne Zweifel weiterhin der wichtigste Mann im Konzern. Er gilt nicht nur als Pate der chinesischen Start-up-Szene, sondern tritt auch vor Zehntausenden Kunden und Mitarbeitern in Stadien auf, um Popsongs zu singen oder Massentrauungen zu veranstalten. Der Vorstand besteht nur aus einer Handvoll seiner Vertrauten - im Börsenprospekt ist entsprechend zu lesen, dass ein Abtritt der Ma-Riege für das Unternehmen große Risiken hätte.