Absatzprobleme in der Krise Gefährliche Rabattschlacht auf dem deutschen Automarkt

Mitten in der größten Branchenkrise seit Jahren überbieten sich die Fahrzeughersteller in Deutschland mit Preisnachlässen. Doch die Unternehmen stecken in einem Dilemma: Wenn sie jetzt ihre Autos billig verkaufen, wird es schwer, in besseren Zeiten wieder gute Preise zu bekommen. Wer es sich leisten kann, macht deshalb nicht mit bei der Rabattschlacht. Viele können sich jedoch kaum entziehen.

Von Thomas Fromm, Paris

Mitten in der größten Branchenkrise seit Jahren streiten die Autobauer über massive Preisrabatte. Verschiedene Hersteller bieten in Deutschland bereits Nachlässe von 20 bis 30 Prozent - je schwächer der Absatz, desto mehr gehen die Preise nach unten. "Kunden interessieren sich leider immer weniger für Autos und immer mehr für die Rabatte, die sie dafür bekommen", erklärte der Deutschland-Chef des japanischen Toyota-Konzerns, Toshiaki Yasuda, auf dem diesjährigen Autosalon in Paris die Strategie.

Volkswagen präsentiert seinen neuen Golf GTI auf dem Pariser Autosalon. Die Branche fragt sich: Wenn schon der beliebte Golf nicht mehr ohne Rabatte verkauft werden kann, wie soll es dann erst anderen Herstellern mit ihren Wagen ergehen?

(Foto: REUTERS)

Europas größter Autobauer Volkswagen kontert seinerseits mit Nachlässen: Der neue Golf wird mit einem ,"Preisvorteil von 1270 Euro gegenüber dem Vorgängermodell" angeboten, heißt es in einer Werbung des Herstellers.

Für Diskussionen in der Branche sorgt in diesen Tagen eine Analyse des Duisburger Branchenforschers Ferdinand Dudenhöffer: Er sieht den Golf schon mit Preisnachlässen von 20 Prozent und mehr im Angebot. "Das Auto ist noch nicht bei den Händlern, aber die Rabatte sind schon da", sagt Dudenhöffer. Er legt damit die Angst einer ganzen Branche offen: Wenn schon der beliebte Golf nicht mehr anders vom Hof kommt, wie soll es dann erst anderen Herstellern mit ihren Wagen ergehen?

Der VW-Konzern weist dies zurück. Bei den zitierten Angeboten handele es sich lediglich um Preisnachlässe von Internethändlern, ,"die können sich das wegen der anderen Gewinnmargen leisten", heißt es dort. Beim regulären Händler gebe es solche Rabatte nicht. Dies sei auch nicht im Interesse des Konzerns. Denn immer weiter an der Preisspirale drehen, das bedeutet auch: Immer weiter schrumpfende Gewinne. Oder: noch höhere Verluste.

Wer es sich leisten, kann macht nicht mit bei der Rabattschlacht

Auch Opel gibt Rabatte, trotz hoher Verluste - zähneknirschend, wie Opel-Vertriebschef Alfred Rieck jetzt gegenüber der Fachzeitschrift Horizont offen zugab. ,"Man muss und darf nicht alles mitmachen", sagte Rieck. Er sei ,"kein Freund von Rabattschlachten", denn sie ,"zerstören den Wert der Marke und ebenso den Wert des Autos".

Mit den Rabatten buhlen die Autohersteller um einen immer kleiner werdenden Markt. Noch vor ein paar Jahren wurden in Europa etwa 15 Millionen Fahrzeuge im Jahr verkauft. Derzeit dürften es weniger als zwölf Millionen sein - Tendenz weiter sinkend. Wegen des schrumpfenden Absatzmarktes rechnen auch Premiumhersteller wie Daimler mit Einbrüchen beim Gewinn.

Der Daimler-Konzern hatte deshalb erst vor wenigen Tagen überraschend ein großes Sparprogramm angekündigt, das Branchenkreisen zufolge etwa eine Milliarde Euro umfassen soll. Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte angekündigt, der Vorjahresgewinn von fünf Milliarden Euro sei in diesem Jahr nicht mehr erreichbar.

Die Hersteller stecken in einem Dilemma. Wenn sie heute ihre Autos billig verkaufen, wird es umso schwerer, in besseren Zeiten wieder gute Preise zu bekommen. Wer es sich leisten kann, macht deshalb nicht mit bei der Rabattschlacht. Andere können sich nur schwer entziehen. Bereits im Sommer hatte Fiat-Chef Sergio Marchionne dem Rivalen Volkswagen eine rücksichtslose Preispolitik vorgeworfen und von einem "Blutbad" gesprochen.