Abgasskandal US-Regierung will VW wegen Abgas-Manipulation vor Gericht bringen

Schwere Zeiten für VW in den USA.

(Foto: Friso Gentsch/dpa)

Im Mittelpunkt der Klage stehen auch die Gefährdung der öffentlichen Gesundheit sowie Umweltvergehen. Für VW kommt sie zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt.

Von Claus Hulverscheidt und Klaus Ott, New York/München

Es hatte zuletzt ein paar ganz gute Nachrichten gegeben aus Wolfsburg, Nachrichten, die mancherorts die Hoffnung geschürt hatten, der Skandal um gefälschte Abgastests könne für Volkswagen glimpflicher ausgehen als zunächst befürchtet. Die Zahl der betroffenen Diesel-Pkw, so hieß es, sei geringer als angenommen, die Umrüstung der Motoren einfacher und billiger. Vor allem in den USA, wo die Affäre im letzten September ins Rollen gekommen war, wollte der Konzern in den nächsten Tagen mit einer Produkt- und Charmeoffensive das Ruder herumreißen.

Seit Montagabend weiß man: Es kommt nicht besser für VW, es kommt noch schlimmer. Gleich am ersten Arbeitstag des neuen Jahres nämlich gab die US-Regierung in Washington bekannt, dass sie den Gesamtkonzern sowie dessen Töchter Audi und Porsche vor einem Gericht in Detroit zivilrechtlich verklagt hat. Es ist die erste staatliche Klage gegen Volkswagen - sie hat nicht nur mehr Gewicht als die vielen Hundert privaten Eingaben, sondern könnte allein die Kosten der zivilrechtlichen Verfahren für VW weiter dramatisch in die Höhe treiben. Dabei sind die möglichen Bußgelder von mehr als 20 Milliarden Dollar, die der Staat in Eigenregie verhängen kann, noch nicht einmal berücksichtigt.

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Die Vorwürfe, die die Regierung in ihrer Klageschrift gegen Volkswagen vorbringt, sind harsch, ein Nicht-Jurist würde wohl von Betrug, Irreführung der Behörden, Verstoß gegen Umweltgesetze und Genehmigungsvorschriften sowie Gesundheitsgefährdung und Körperverletzung sprechen. "Auto-Hersteller, die die vorgeschriebenen Emissionsschutzregeln umgehen, zerstören das Vertrauen der Öffentlichkeit, gefährden die öffentliche Gesundheit und verschaffen sich einen unzulässigen Wettbewerbsvorteil", erklärte Vizejustizminister John Cruden. Die Regierung werde alle geeigneten Rechtsmittel ausschöpfen, um US-Umweltgesetze durchzusetzen.

Bei fast 600 000 Autos wurden die Abgaswerte manipuliert

Im September vergangenen Jahres war bekannt geworden, dass Volkswagen allein in den USA in fast 500 000 Modellen mit Zwei-Liter-Dieselmotor eine Software eingesetzt hatte, die verhindert, dass der eigentlich viel zu hohe Ausstoß von Stickstoffoxiden im Labor und auf dem Prüfstand auffällt. Tests ergaben, dass die Pkw die Schadstoffgrenzwerte der Vereinigten Staaten teilweise um das Vierzigfache übertrafen, sobald sie im normalen Verkehr unterwegs waren.

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Wenige Wochen später musste der Konzern einräumen, dass außer Mittelklassewagen auch rund 85 000 Oberklassemodelle der Töchter Audi und Porsche mit Drei-Liter-Motor betroffen waren. Eine ganze Reihe von führenden Mitarbeitern musste das Unternehmen wegen des Skandals verlassen, Konzernchef Martin Winterkorn trat zurück.