Smartphones Handyhüllen mit "it"-Faktor

Wer nicht weiß, wen er da vor sich hat, erkennt Karl Lagerfeld jetzt vieleicht an den Initialen auf seiner Handyhülle.

(Foto: Chaos)

Handyhüllen sind ein riesiger Markt, aber die eine Marke gab es bislang nicht. Ein englisches Label will das jetzt ändern - mit prominenter Unterstützung.

Von Silke Wichert

Treffen sich ein paar Freunde im Restaurant. Alle legen ihre Handys auf den Tisch. Kein schöner Anblick: dreimal schwarzes Silikon, einmal rotes Leder (aufklappbar), einmal geblümtes Plastik, zweimal nackt (weil iPhone X). Nur eine Stichprobe, aber durchaus repräsentativ. Viele Leute geben viel Geld für ihre Smartphones aus, aber vergleichsweise wenig für die Verpackung drumherum. Sicherlich einer der kleineren Missstände der modernen Gesellschaft, aber einigermaßen erstaunlich, da wir doch so viel Zeit mit diesem Ding verbringen und es ständig vor Augen haben. Jeder Kulturbeutel bekommt mehr ästhetische Zuwendung.

Woran das liegt? Wer schon so viel Geld für das neueste Smartphone ausgegeben hat, will hier womöglich sparen. Außerdem ist ein Telefon - theoretisch - nur ein Gebrauchsgegenstand, deshalb sind Handy-Accessoires höchstens bei Teenagern und gimmickverrückten Japanern in Ordnung. Und angeblich gibt es nun mal keine Hüllen, die gut aussehen und gleichzeitig schützen. Deshalb lieber gleich die doppelt schockresistente Silikonvariante.

Eine Nummer kleiner

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Handyzubehör ist natürlich trotzdem ein Millionenmarkt, Umfragen zufolge wollen neun von zehn Nutzern ihrem Telefon etwas überstülpen, und mittlerweile gibt es wirklich viele Hüllen, auch gerne als aufdringlich lustige Varianten: als Pommestüte, als Hasenohren und dergleichen ("Hüllen aus der Hölle" wird das in Technikkreisen genannt). Aber die eine, die zum modischen Statussymbol avancierte, die gab es bislang nicht.

Gucci, Burberry, Off-White - jedes Luxuslabel hat zwar ein "iPhone-Case" im Programm, aber die 150- bis 500-Euro-Varianten mit Markenlogo rangieren eher in der Kategorie "der Vollständigkeit halber". Bei Mytheresa, einer großen Online-Luxus-Boutique, tauchen gerade mal ein gutes Dutzend Modelle auf - im Vergleich zu knapp 3000 Handtaschen. Preisfrage: Was davon hält man häufiger in den Fingern?

Man müsste also Handyhüllen mit "it"-Faktor verkaufen, dachten sich die Engländerinnen Charlotte Stockdale und Katie Lyall. Die beiden Stylistinnen arbeiteten früher unter anderem für die britische Vogue und das Magazin i-D, für Marken wie Victoria's Secret und Fendi. Ende 2016 gründeten sie die Lifestyle-Marke "Chaos". Schwerpunkt: Handyaccessoires. Preise: ab 220 Euro. Trotzdem laufen die Verkäufe mittlerweile so gut, dass sie Ende 2017 die ersten eigenen Vitrinen bei Selfridges und Galeries Lafayette in London einrichteten.

Im Juni kommt Chaos erstmals nach Deutschland, ins Kadewe, zu Jades in Düsseldorf und zu Uzwei nach Hamburg. "Umarme und nutze das Durcheinander, hab Spaß!", erklärt Stockdale die Idee hinter dem Markennamen. "Chaos" beschreibe letztlich ihre Arbeits- und Lebensweise. Die Damen geben sich also ein bisschen anarchistisch und unorganisiert - sind aber bestens vernetzt. Karl Lagerfeld ließ sich sofort mit seiner neuen "K. L."-Hülle am Ohr fotografieren.

Bei Chaos kann man das Leder extra groß personalisieren lassen, so wie es bei Taschen schon lange, seit Gucci neuerdings auch bei Schuhen angesagt ist. Damit jeder schon von Weitem sehen kann, wer da Wichtiges am Apparat ist. In einem Videoclip hatten Karlie Kloss, Edie Campbell, Anna Ewers und zig weitere Topmodels ein Chaos-Case in der Hand, oder um den Hals: Die Umhängeketten, an denen das Handy baumeln kann, damit man mal wieder die Hände frei hat, waren sofort Bestseller.

Sie entwirft die Hüllen - er die Handys

Leute aus der Modebranche, die ein Label gründen, das von anderen aus der Mode promoted wird - das ist nichts Neues. Aber insbesondere Charlotte Stockdale ist noch in anderer Hinsicht gut vernetzt. Ihr Mann ist der berühmte Produktdesigner Marc Newson, der wiederum auch für welches Unternehmen entwirft? Richtig: Apple. Schadet ja nicht, wenn zu Hause noch mal jemand draufgucken kann, ob die Hüllen wirklich etwas taugen. Das Kalbsleder sitze fest wie ein Handschuh, heißt es, außerdem liegt es weit genug über den Ecken und Kanten, das Display würde beim Runterfallen sicher geschützt.

Erfolg hat Chaos aber vor allem wegen seines lauten Designs. Wenn nicht die eigenen Initialen, dann sind Sprechblasen aufgenäht, es gibt eine Kooperation mit dem People-Magazin Hello, bei der im knalligen Weiß-auf-Rot, nun ja, "Hello!" auf dem Leder steht. "Genau unser Humor", sagen Stockdale und Lyann. Ihre neue Idee: eine Hülle mit elastischem Riemen. Man stülpt sich das Telefon wie eine Pferdebürste oder einen Schlagring über. Für alle, die es treffender sagen wollen.

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