22. Januar 2013 09:52 Rezepte zu 50 Jahren Élysée-Vertrag Kulinarische Völkerverständigung

Saumagen aus der Pfalz, Eintopf aus der Auvergne oder Miesmuscheln aus dem Atlantik: 50 Jahre Élysée-Vertrag sind auch 50 Jahre Völkerfreundschaft bei Tisch. Eine interaktive Reise durch die kulinarischen Heimatregionen von Bundeskanzlern und Staatspräsidenten.

Das gemeinsame Dinieren ist seit Jahrtausenden integraler Bestandteil von Politik. Auf den Tisch kommen dabei selbstverständlich nur erlesene Speisen und Getränke. So soll Julius Cäsar beim Bankett anlässlich seiner Vereidigung als Konsul edlen, goldgelben Mamertino aus Sizilien gereicht haben. Seine Geliebte Kleopatra hat sich den Geschichtsschreibern zufolge noch ein köstliches Mahl bringen lassen, ehe sie - der Legende zufolge mithilfe einer in einem Obstkorb verborgenen Schlange - eindrucksvoll aus dem Leben schied.

Seit dem ersten Jahrhundert vor Christus sind bei zahllosen Staatsempfängen, offiziellen Mittag- und Abendessen Kriege angezettelt und beigelegt, Bündnisse geschmiedet und Intrigen ausgeheckt worden. Bis heute wird mittels Speis und Trank die Anerkennung für einen Verbündeten zum Ausdruck gebracht - und nicht selten Absprachen getroffen, die im offiziellen Protokoll nicht auftauchen sollen.

Am 15. Januar 1962 speisten der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Präsident Charles de Gaulle gemeinsam in einem Luxushotel in Baden-Baden. Sie "tranken dazu roten Wein aus Frankreich und weißen vom deutschen Rhein", erinnert das Hausrestaurant an diese Begegnung. Die Episode hat das Hotel ausgerechnet jetzt ausgegraben, weil knapp ein Jahr nach diesem Essen unter Amtskollegen Adenauer und de Gaulle den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag unterzeichneten, der als Elysée-Vertrag in die Geschichte einging und Teil des Fundaments für die heutige Europäische Union wurde. In diesen Tagen wird der 50. Jahrestag der Vertragsunterzeichnung mit zahlreichen Veranstaltungen diesseits und jenseits des Rheins gefeiert.

50 Jahre Élysée: Le Monde und Süddeutsche Zeitung kooperieren

Am 22. Januar 1963 unterzeichneten Frankreichs Präsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer im Élysée-Palast einen Vertrag, der die deutsch-französische Freundschaft besiegelte. Zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung  veröffentlichen die Süddeutsche Zeitung und das französische Blatt Le Monde eine binationale Kooperationsausgabe, in der Autoren beider Medien Meinungsstücke, Analysen und Reportagen austauschen. Einen Überblick über alle Texte finden Sie auf unserer Themenseite.

Seit jenem Mahl im Badischen haben die Bundesrepublik sieben Kanzler regiert, sechs Staatspräsidenten im Nachbarland Frankreich das höchste Amt im Staate versehen. Sie alle haben nicht nur ihre parteipolitischen Überzeugungen und Persönlichkeiten mit in die jeweilige Regierungszeit gebracht - sondern haben, ob absichtlich oder unfreiwillig, stets auch als Botschafter ihrer Heimatregionen gewirkt.

Hat nicht Helmut Schmidt neben der Bundespolitik auch seine Heimatstadt Hamburg für immer geprägt? Wie bekannt war die brandenburgische Region Uckermack vor Angela Merkel?

Wer ins Kanzleramt zieht, kehrt höchstens alle paar Wochen in seine Heimat zurück - mitgenommen nach Bonn und Berlin hat der Regierungschef jedoch seit jeher die kulinarischen Besonderheiten jener Gegend. So ist zum Beispiel der Rheinische Saumagen für immer untrennbar mit der Person Helmut Kohl verbunden.

Reisen Sie durch fünf Jahrzehnte kulinarischer deutsch-französischer Freundschaft und lassen Sie sich von zehn ausgewählten Rezepten inspirieren: Wie kocht man in der brandenburgischen Heimat von Bundeskanzlerin Angela Merkel? Was kommt in der Heimat von Frankreichs Präsident François Hollande auf den Tisch? Klicken Sie sich durch die interaktive Karte deutsch-französischer Geschichte, die in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Ernährung entstanden ist.