Zweitligist Paderborn Klatsch & Tratsch & Effenberg

"Penis-Affäre", "Anti-Fußball", Verlust von Führer- und Trainerschein: Die erste Trainerstation von Stefan Effenberg wird in Erinnerung bleiben. Eine Chronik.

Von Thomas Hummel

Als Stefan Effenberg am 13. Oktober am Flughafen Paderborn/Lippstadt ankommt, wird er freudig begrüßt: "Alle standen Spalier und waren total glücklich, dass ich da bin. Das ist nett. Das ist einfach nett."

Am späten Mittwochabend, den 2. März, ist das Abenteuer Ostwestfalen für den früheren Weltklassespieler beendet. Seine erste Station als Trainer im deutschen Profifußball hält nicht mal ein halbes Jahr. Diese fünf Monate werden vor allem in der Klatsch&Tratsch-Ecke des deutschen Fußballs unvergessen bleiben. Hier eine Chronologie der Ereignisse (mit ein bisschen Sport):

2. Fußball-Bundesliga SC Paderborn trennt sich von Effenberg

Die Entlassung gilt mit sofortiger Wirkung.

Erste Pressekonferenz, der Medienraum ist brechend voll. Effenberg trägt ein graues Sakko, setzt sich und sagt: "Ich bin es wirklich." In Anspielung auf den kurz zuvor in Liverpool vorgestellten Jürgen Klopp und José Mourinho erklärt er: "Der eine ist the Special One, der andere ist The Normal One, I am the New One." Was zu erwarten ist? "Man wird relativ schnell sehen, was meine Handschrift ist. Die Menschenführung ist wichtig. Und da hatte ich mit Ottmar Hitzfeld den besten Lehrer." Ottmar Hitzfeld? Nun ja.

Wilfried Finke, Macher des Klubs und Boss eines örtlichen Möbelunternehmens, Typ Patriarch, ist sich sicher: "Die Chemie passt! - Er wird unserer Mannschaft neues Selbstbewusstsein einhauchen und auch die Fans begeistern."

Und erst mal klappt alles wie versprochen: Paderborn, Tabellen-15. der zweiten Liga, gewinnt sogleich 2:0 gegen Braunschweig und 2:0 bei Union Berlin. Die SZ titelt: "Effenberg macht Paderborn flott." Dem folgen im DFB-Pokal ein 1:7 in Dortmund, drei Unentschieden und drei Niederlagen in Liga zwei. Dann suspendiert Effenberg vor dem Kellerduell gegen Düsseldorf die Spieler Daniel Brückner, Mahir Saglik und Srdjan Lakic. In der Halbzeit sagt der verletzte Mitspieler Süleyman Koc im TV: "Ach so? Uns wurde nichts gesagt. Dass sie für Unruhe gesorgt haben, glaube ich nicht."

Nach Weihnachten geht es ins Wintertrainingslager nach Belek. Erstes Trainingslager des Cheftrainers Effenberg. Es endet mit einer "Penis-Affäre". Der Spieler Nick Proschwitz hat an der Hotelbar seine Hose runtergelassen. Vor einer Frau. Die fühlt sich zwar nach eigener Aussage nicht belästigt, doch weil es Journalisten sehen und darüber berichten, entspinnt sich ein ordentlicher Eklat. Der in eine Pressekonferenz des Präsidenten Finke mündet. Hier ein paar Ausschnitte:

"Mir ist völlig egal, wie tief die Hose hing, Tatsache ist, dass als Spieler des SC Paderborn, als Gast in einem muslimisch geprägten Land für solche Eskapaden kein Platz ist." - "Es waren keine Vasen im Pool. Richtig ist: Ein Spieler war im Pool, weil er eine Wette verloren hatte." - "Es ist nicht die Aufgabe von Stefan Effenberg, dem Spieler zu sagen, 'wenn du in die Hotelbar gehst, lass bitte die Hose oben!'" Finke kündigt aber an: Effenberg müsse nun liefern. "Denn wenn er nicht liefert, steigen wir ab."