Zum Tod von Helmut Haller Blondschopf mit himmlischen Füßen

Als "Il Biondo" eroberte er die Herzen der Italiener, Franz Beckenbauer verehrte ihn und in Wembley ließ er Deutschland kurzzeitig vom WM-Titel-träumen: Helmut Haller war auf dem Fußballplatz eine Ausnahme - sogar der Papst wollte ihn einst treffen. Jetzt ist der Augsburger im Alter von 73 Jahren gestorben.

Von Hans Leyendecker

Sein vielleicht unvergessenster Treffer gelang Helmut Haller im WM-Finale 1966 in Wembley - doch das 1:0 reichte den Deutschen am Ende nicht.

(Foto: dpa)

Italienische Sportreporter lieben Übertreibungen, aber diese Metapher war ernst gemeint: Als der deutsche Fußballer Helmut Haller bei Juventus Turin spielte, schrieb ein berühmter sizilianischer Reporter in Anlehnung an den griechischen Mathematiker Euklid über ihn: Haller spiele die Pässe "mit euklidischer Präzision". Auf dem Platz war Haller, der im offensiven Mittelfeld spielte, ein Genie, ein ganz Eigener: "Der Ball klebt ihm am Fuß, wie er es haben will," hat Franz Beckenbauer in einem seiner Bücher über Haller geschrieben.

Der aus Augsburg stammende Stürmer, den sie wegen seines früher schmächtigen Oberkörpers den "Bua" nannten, ging schon 1962 im Alter von 23 Jahren nach Italien zum AC Bologna. Das trauten sich damals nicht viele. Wer ins Ausland wechselte, musste fürchten, nicht mehr für die Nationalmannschaft nominiert zu werden: "Helmut, dann können Sie die WM in Chile abschreiben", hatte Sepp Herberger den Stürmer angeschnauzt, als der schon früher gehen wollte.

Haller spielte dann zehn Jahre in der Serie A. Ihm gelangen nicht nur viele Zauberstücke auf dem Rasen, er hat in Italien das Bild der Deutschen verändert. "Il Biondo", wie sie den blonden Fußballer nannten, gewann die Herzen der Tifosi, weil er so sympathisch war. Für seine Leistungen wurde er als erster Ausländer zu "Italiens Fußballer des Jahres" gekürt. Der Papst hat ihm eine Privataudienz gewährt.

Haller gewann mit Bologna und Turin drei Meistertitel, sein wichtigstes Spiel aber war das WM-Finale 1966 im Londoner Wembley-Stadion: England gegen Deutschland. Haller schoss das 1:0, sein sechster Treffer in diesem Turnier. Aber am Ende gewannen die Engländer dank des Wembley-Tores, das gar kein Tor war, mit 4:2. Haller schnappte sich nach dem Spiel heimlich den Ball, steckte ihn unters Trikot, ließ sich das Leder auf dem Bankett noch signieren und nahm den Ball mit nach Hause. 30 Jahre später verkaufte ihn für 180.000 Mark nach England.

33 Länderspiele stehen in seiner Bilanz. Diese Zahl ist, verglichen mit der heutigen Fußballer-Generation ein Nichts. 1979 endete seine Karriere mit vierzig Jahren wo sie begonnen hatte: in Augsburg. Dort, wo sie ihn besonders verehren, ist eine Straße nach ihm benannt.

Privat lief es nicht so gut wie auf dem Platz. Drei Ehen gingen in die Brüche. Er hat auch viel Geld verloren. Am Ende lebte er bei seiner Tochter, die den dementen Haller liebevoll umsorgte. Zum Gehen brauchte er einen Rollator, beim Essen führte ihm eine Hilfe die Hand. Die Tochter trug ihn manchmal auf dem Rücken in den ersten Stock. Eine gute Tochter.

Der Mann, über den italienische Journalisten nach einem gewonnenen Meistertitel schrieben, er habe "wie im Himmel gespielt", ist am Donnerstag im Alter von 73 Jahren gestorben.