WM-Affäre des DFB "Ich habe Hunderte Papiere, Verträge unterschrieben"

An Details könne er sich nicht mehr erinnern, sagte Beckenbauer und verteidigte sich gegen die Vorwürfe: "Ich weiß nicht, ob das mit Naivität zu tun hat. Ich habe Hunderte Papiere, Verträge unterschrieben, ohne dass ich eine Zeile gelesen habe." Beckenbauer betonte: "Wenn ich jemandem vertraue, dann kriegt der alles von mir."

In der Bewerbungsphase habe er alles Mögliche unterschrieben. Ob weitere fragwürdige Verträge darunter waren, wollte er selbst nicht ausschließen. "Es kann sein, dass noch irgendein Zauberer was herauszaubert aus einem Papierkorb oder aus einem Safe oder aus einem Aktenschrank, ich weiß es nicht. Aber ich glaube, langsam reicht's."

In Zwanzigers Keller

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Weitergehende Ausführungen seien von Beckenbauer, der sich bereits in einem langen Interview in der Süddeutschen Zeitung am Samstag geäußert hatte, indes nicht mehr zu erwarten: "Wenn man das SZ-Interview liest, dann gibt es nichts mehr hinzuzufügen."

Mit dem früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger, dessen Aussagen seinen mittlerweile zurückgetretenen Nachfolger Wolfgang Niersbach in große Bedrängnis gebracht hatten, befinde sich Beckenbauer indes nicht im Streit. "Ich weiß, dass im Laufe der Zeit eine tiefe Feindschaft entstanden ist zwischen Zwanziger und Niersbach. Ich hatte nie ein Problem mit Theo, ich habe ihn wegen seiner Rhetorik stets bewundert", sagte Beckenbauer.

Erstmals seit der Veröffentlichung des von ihm unterzeichneten brisanten WM-Vertrages wird Beckenbauer am Dienstag wieder als Experte bei Sky im Fernsehen auftreten. Wie der Sender bestätigte, soll er bei der Partie des FC Bayern München gegen Olympiakos Piräus zum Einsatz kommen.

Vorher wird Beckenbauer zum zweiten Mal von der Anwaltskanzlei Freshfields zur Affäre um die Fußball-WM 2006 befragt. Der Deutsche Fußball-Bund hat die Kanzlei beauftragt, in der WM-Affäre zu ermitteln.

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