Vor der Auslosung zum CL-Halbfinale Bayern und Dortmund duellieren sich schon jetzt

Das letzte Duell: Im Februar beim DFB-Pokalviertelfinale traten Arjen Robben mit dem FC Bayern und Jakub Blaszczykowski mit Dortmund das letzte Mal gegeneinander an. Bayern gewann 1:0.

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Hoeneß wünscht sich Dortmund als Gegner. Watzke kontert, der Bayern-Präsident solle sich da mal nicht so sicher sein. Wer von beiden hat recht? Ein Blick auf die möglichen Paarungen im Champions-League-Halbfinale.

Von Frieder Pfeiffer und Lisa Sonnabend

Die Partien für das Champions-League-Halbfinale sind noch gar nicht ausgelost, doch das Duell zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund hat bereits begonnen. Bayern-Präsident Uli Hoeneß sagte nach dem Sieg gegen Juventus Turin: "Dortmund wäre der Gegner, gegen den wir die meisten Chancen hätten. Oder meinen Sie, dass Dortmund besser ist als Real oder Barcelona? Ich glaube nicht." Aus Dortmund kam sofort der Konter: "Da sollte sich Uli Hoeneß nicht zu sicher fühlen", ließ BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ausrichten. "Die vergangenen Jahre haben ja gezeigt, dass wir gegen die Münchner durchaus das ein oder andere Spiel gewinnen können."

Watzke übertreibt dabei nicht. Fünf der vergangenen sieben Spiele haben die Dortmunder gegen die Bayern gewonnen. Erst in dieser Saison gelang den Münchnern ein Unentschieden in der Bundesliga und dann im Februar ein 1:0-Erfolg im DFB-Pokal-Viertelfinale. Seitdem ist Dortmund das Attribut "Angstgegner des FC Bayern" los.

In der Champions League haben Dortmund und Bayern erst einmal gegeneinander gespielt - das ist allerdings schon 15 Jahre her. Viertelfinale 1998: Nach dem 0:0-Hinspiel stand es auch im Rückspiel nach 90 Minuten 0:0. In der Verlängerung traf dann Stéphane Chapuisat für die Borussen.

Wer würde diesmal die Partie gewinnen? Fest steht, dass die Bayern so stark sind wie vielleicht noch nie. Fest steht allerdings auch: Nach der Finalniederlage im vergangenen Jahr ist alles andere als ein Sieg in der Königsklasse eine Enttäuschung für die Münchner. Dieser Druck lastet schwer.

Anders die Dortmunder: Das junge Team würde deutlich unbeschwerter in ein deutsches Duell gehen. Die Borussia hat mithilfe eines kleinen Wunders gegen Malaga das Halbfinale erreicht - und dass sie überhaupt die Vorrunde überstanden, war - zumindest im vergangenen Herbst - bereits eine Überraschung. In der Gruppe setzten sie sich immerhin als Erster gegen Ajax Amsterdam, Manchester City und Real Madrid durch.

Wenn also Bayern-Boss Hoeneß Dortmund als Gegner bevorzugt, hat das sicherlich auch Gründe, die neben dem Platz auf dem Spielfeld der psychologischen Kriegsführung zu finden sind. Denn eines ist ebenfalls auffällig: Weder aus München noch aus Dortmund sind Kommentare zu vernehmen, die "bitte nicht" und "Madrid" beinhalten.

Nein, ein Angstgegner ist Real trotz Cristiano Ronaldo und José Mourinho nicht. Vielleicht, weil den Halbfinalisten aus der Bundesliga die deutsche Achse Sami Khedira/Mesut Özil aus Nationalmannschaftsgründen weniger Rätsel bereitet als das Herz des spanischen Fußballs um Xavi und Andres Iniesta, die mit der Nationalauswahl und dem FC Barcelona aus deutscher Sicht zuletzt unbesiegbar erschienen.

Sicher ist auf jeden Fall, dass die jüngste Vergangenheit den deutschen Teams im Hinblick auf Madrid Mut gibt. Dortmund zeigte Real in der Gruppenphase vor wenigen Monaten (2:1, 2:2), dass es sich in Deutschland nicht nur vor den Bayern fürchten muss. Beim 2:2 in Madrid rettete Özil die Madrilenen in letzter Minute vor der zweiten Pleite innerhalb von zwei Wochen.