Von Nürnberg zu Schalke 04 Teuchert macht es wie Burgstaller

Wollte unbedingt zu Schalke, nun darf er gehen: Cedric Teuchert.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)
  • Cedric Teuchert wechselt mit sofortiger Wirkung zu Schalke 04.
  • Der 1. FC Nürnberg hätte seinen Stürmer gerne behalten, entschied sich aber für die Ablösesumme.
  • Um Spieler wie Teuchert zu halten, hilft wohl nur der Aufstieg.
Von Markus Schäflein

Michael Köllner, der Trainer des Fußball-Zweitligisten 1. FC Nürnberg, hat seinen Spielern unlängst ein Buch geschenkt: "Der Alchemist" von Paulo Coelho. Das sorgte für großes Aufsehen. Schließlich gilt es, mal abgesehen vom Kicker-Almanach, als ungewöhnlich, wenn Fußballspieler Bücher lesen. In der Geschichte Coelhos geht es um einen Hirten, der von einem Schatz geträumt hat und von Andalusien nach Ägypten reist, da er ihn am Fuße der Pyramiden vermutet. Nach einigen Wirrungen findet er den Schatz aber in seiner Heimat unter einem Maulbeerbaum.

Ob Köllner bei der Wahl der Lektüre besonders an den Stürmer Cedric Teuchert gedacht hat, ließ er offen. Bei dessen Geschichte geht es jedenfalls auch um Träume, und sie begann so: Im vergangenen Winter war der Torjäger des 1. FC Nürnberg, Guido Burgstaller, zum Bundesligisten FC Schalke 04 gewechselt. Das erste Stürmertor nach dessen Weggang erzielte der 20-jährige Cedric Teuchert aus dem oberfränkischen Coburg, der für den 1. FCN spielte, seit er zwölf Jahre alt war.

Nürnberg streicht immerhin eine Million Euro Ablöse ein

"Es war schon als kleines Kind immer mein großer Traum, beim Club zu spielen", erzählte er danach: "In diesem Stadion, vor diesen Fans auflaufen zu dürfen." Und er legte weitere Treffer nach, die die kurzzeitig aufgekommene Abstiegsangst beseitigten. "Teuchert beendet Burgstaller-Fluch", titelte angemessen aufgeregt die Bild, und Nürnbergs Innenverteidiger Georg Margreitter erklärte: "Cedric ist ein Goldjunge. Wir sind sehr dankbar, dass er aus wenig viel macht."

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Nun, ein Jahr später, hat sich der Goldjunge verabschiedet - ebenfalls zu Schalke, wo er nun nach Burgstaller und Alessandro Schöpf der dritte Profi mit Nürnberger Vergangenheit ist. Und dem Club bleibt mal wieder die Aufgabe, aus wenig viel zu machen. Nach der kostspieligen Ära des Vorstands Martin Bader haben dessen Nachfolger Michael Meeske (Finanzen) und Andreas Bornemann (Sport) den Rotstift angesetzt, die Kaderkosten deutlich reduziert. Die Nürnberger stehen dennoch aussichtsreich auf dem Aufstiegs-Relegationsplatz, aber Teuchert wollte unbedingt weg, baute Druck auf, verärgerte Köllner - und der Winter bot nun die letzte Chance, für den Nachwuchsstürmer noch eine Ablöse zu erhalten.

Rund eine Million Euro soll der 1. FCN sofort bekommen, im Erfolgsfall könnte durch allerlei Klauseln eine weitere Million dazukommen. "Es ist kein Geheimnis, dass wir Cedric gerne langfristig an uns gebunden hätten. Leider konnten wir uns mit ihm nicht über eine Verlängerung einigen", erklärte Bornemann. "In Abwägung aller wirtschaftlichen Aspekte haben wir dem Wunsch des Spielers entsprochen, ihn jetzt ziehen zu lassen."