Verstoß gegen Ethikreglement Fifa sperrt Franz Beckenbauer für 90 Tage

Von der Fifa provisorisch gesperrt: Franz Beckenbauer.

(Foto: dpa)

Harte Maßnahme der Fifa: Der Verband sperrt Franz Beckenbauer provisorisch für 90 Tage für jegliche Tätigkeit im Fußball, er habe in einer Untersuchung der Fifa-Ethikkomission nicht kooperiert. Beckenbauer reagiert gelassen auf die Strafe: "Ich habe gedacht, das ist ein Aprilscherz."

Zunächst war Franz Beckenbauer am Freitag noch in der gewohnten Beckenbauer-Manier zu Scherzen aufgelegt. Er gab dem TV-Sender Sky ein Interview, und natürlich ging es da ob der jüngsten Entwicklungen im Fußball-Weltverband (Fifa) auch um die Rolle von Sepp Blatter. "Er ist noch jung und mehr unterwegs als Barack Obama", sagte Beckenbauer.

Ein wenig später dürfte bei ihm die Scherzlaune in Bezug auf Blatter und die Fifa etwas gesunken sein. Denn am frühen Abend verschickte der Weltverband eine heikle Mitteilung: Danach sperrt die Fifa den 68-Jährigen für 90 Tage für jegliche nationale und internationale Tätigkeit im Fußball. Beckenbauer reagierte bei Sky Sport News HD gelassen. "Ich habe gedacht, das ist ein Aprilscherz. Vielleicht hat sich da jemand einen Spaß erlaubt", kommentierte er sichtlich gut gelaunt seine Strafe.

Zwischen Titanic und Kabarett

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Die Entscheidung der Fifa basiere auf Artikel 83 des Fifa-Ethikreglements, da davon ausgegangen werden könne, dass es zu einem Vergehen gegen das Ethikreglement gekommen sei und dass es nicht möglich sein werde, früh genug eine reguläre Entscheidung zu treffen.

Der Hintergrund ist Beckenbauers Verhalten gegenüber dem US-Staatsanwalt Michael Garcia, der gerade als "Fifa-Chefermittler" versucht, die skandalumtoste Doppelvergabe der Weltmeisterschaften 2018 (nach Russland) und 2022 (nach Katar) zu untersuchen. Die Fifa wirft Beckenbauer fehlende Kooperation vor, obwohl er wiederholt angefragt wurde, in einem persönlichen Interview oder durch die Beantwortung schriftlicher Fragen, die in Englisch und Deutsch gestellt wurden, Informationen zu liefern. Der Fall unterliegt nun dem offiziellen Untersuchungsverfahren, das von Vanessa Allard, Mitglied der Untersuchungskammer, geleitet wird.

Beckenbauers Name war im Zusammenhang mit den Katar-Ermittlungen erstmals am Sonntag aufgetaucht, als die Sunday Times von Besuchen und Treffen des damaligen Fifa-Vorstandes in Katar berichtete. Beckenbauer hatte sämtliche Vorwürfe strikt zurückgewiesen: "Ehrlich gesagt: Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Ich habe oft genug erklärt, dass ich für das Thema Korruption der falsche Ansprechpartner bin", erklärte er.

Die Bild, zu der Beckenbauer seit Jahrzehnten ein traditionelles gutes Verhältnis pflegt, berichtete, Beckenbauer habe bei der Wahl für 2022 nicht für Katar, sondern in der ersten Runde für Australien und danach für die USA gestimmt.

Beckenbauer war im März 2011 aus dem Fifa-Vorstand zurückgetreten. Derzeit ist er nur noch Ehrenpräsident des FC Bayern; zudem hatte der Rekordmeister Ende Mai angekündigt, dass er als eine Art "Außenminister" helfen solle, den Internationalisierungsprozess des Klubs voranzutreiben. Die Münchner hatten im April in New York ein Büro geöffnet, im kommenden Jahr soll eines in China folgen.

Neben Beckenbauer stand laut Frankfurter Allgemeine Zeitung auch Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge für kurze Zeit im Fokus der Garcia-Ermittlungen. Der 58-Jährige sei um eine Stellungnahme zu seinem Zollvergehen vom 7. Februar 2013 gebeten worden. Damals war er aus Doha kommend bei der Einreise nach Deutschland mit zwei Luxusuhren erwischt worden und musste eine Geldstrafe in Höhe von 249.900 Euro zahlen, Rummenigge ist seitdem vorbestraft.