Uhren-Affäre bei der Fifa Ganz unten in der Tüte

Entdeckte die teure Uhr erst auf Nachfrage in der Fifa-Tüte und ist jetzt empört: Theo Zwanziger, Mitglied des Fifa-Vorstands.

(Foto: Sebastien Bozon/AFP)

Neue Enthüllungen sorgen für Unruhe im Reich der Fifa: Alle Vorstände des Fußball-Weltverbandes bekamen bei der WM Luxusuhren geschenkt. Gemeldet hat die Gabe nun Theo Zwanziger - doch warum erst zwei Monate nach dem Aufenthalt in Brasilien?

Von Thomas Kistner

Theo Zwanziger war sehr empört. Und Jim Boyce, sein nordirischer Kollege im Fifa-Exekutivkomitee, erlitt sogar den "Schock meines Lebens". Beide waren, nach Anfragen der englischen Zeitung Sunday Times vergangene Woche, tief hinab in die Geschenktüten getaucht, die sie wie alle Fifa-Vorstände inklusive Präsident Sepp Blater beim Kongress im Juni zur WM-Eröffnung in São Paulo in ihren Fünf-Sterne-Suiten vorgefunden hatten.

Und siehe da, neben Kulis, Shirts und Wimpeln, die sie beim ersten Check wahrgenommen hatten, fand sich jetzt doch noch eine nette Aufmerksamkeit: eine Uhr der Schweizer Luxusmarke Parmigiani. Der Wert: 25 000 Dollar. Huch! Ein kleines Vermögen. Eines, das immens über dem laut Fifa-Ethikregeln erlaubten "symbolischen" Wert für Funktionärsgeschenke liegt, die Annahme war verboten.

Und wurde doch bisher nicht unterbunden, obwohl der Fifa die teuren Gaben schon seit Juni 2014 bekannt sind: Da hatte US-Exekutivmitglied Sunil Gulati die Geschenkorgie bei seinem Landsmann Michael Garcia angezeigt, dem Ethik-Chefermittler; auch hatten Moya Dott (Australien) und Prinz Ali von Jordanien die "exzessiven" Gaben bei Garcia gemeldet. Passiert ist nichts - und das fliegt nun wenige Tage vor dem großen "Weltgipfel zur Ethik im Sport" auf, der Freitag in der Züricher Weltfußballzentrale für Gäste aus aller Welt zelebriert wird.

Stabiler Faktor aus Fernost

Kagawa in Dortmund, Okazaki in Mainz, Son in Leverkusen: Die neue Generation asiatischer Profis schmückt die Fußball-Bundesliga. Sie verbindet Qualitäten, die man von zwei auslandserfahrenen Deutschen aus der Vergangenheit kennt. Kommentar von Christof Kneer mehr ... Meinung

Zwanziger und Boyce informierten die Fifa über ihre späten Funde; am Freitag auch die Times. Zum Glück waren die vermeintlich ja wertlosen Tüten nicht längst im Müll gelandet. Die Fifa reagierte flott. Für Sonntag hatte die Times ihre Story geplant, die davon handelt, dass die Fifa ihre teuer beschenkten Vorstände nicht zur Rückgabe aufgefordert hat.

Nun fanden schon am Freitagabend Medien eine eilige Fifa-Mitteilung vor, auf deren Basis sie eine zahme Version verbreiteten: "Die Ethik-Kommission wurde über Geschenke an ihren Präsidenten und 26 weitere Führungskräfte in Brasilien informiert, deren Annahme einen klaren Verstoß gegen den Ethik-Kodex darstellen würde", berichtete spätabends der Times-Konkurrent Daily Telegraph. Auch habe Chefermittler Garcia die Verteilung weiterer, noch kostspieligerer Uhren unterbunden, mit denen die Fifa ihre Vorständler habe verwöhnen wollen. Kostenpunkt hierbei pro Funktionär: 42 000 Dollar.