Transferverbot für FC Barcelona Blatter fegt durch Platinis Haus

Bemerkenswerte Duldsamkeit, dann plötzlich eine Sanktion: Sepp Blatter

(Foto: REUTERS)

Die jäh verhängte Transfersperre des Fußball-Weltverbands gegen den FC Barcelona legt vor einem eines nahe: Dass machtpolitische Motive hinter dem Urteil stehen könnten - gerichtet gegen den Lieblingsfeind von Fifa-Patron Sepp Blatter.

Von Thomas Kistner

Kann das Zufall sein? Eine Woche ist es her, da hat Michel Platini seinen Amtskollegen Sepp Blatter und dessen Fußball-Weltverband Fifa heftig angegriffen. Platinis Europa-Union Uefa will mit der Einführung einer Nations League für Nationalmannschaften bald noch kräftiger absahnen bei Fernsehen und Sponsoren - und ihre Teams dabei noch stärker von Blatters globaler Bühne abkapseln.

Überdies fand Platini sehr direkte Worte für das, was ihm an Blatters Laden nicht passt. Er ereiferte er sich über ausgeprägte Hasenfüßigkeit der Fifa-Chefetage - im Hinblick auf deren Zuständigkeit für Transferfragen.

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Die Miteigentümerschaft dritter Parteien (Firmen oder Personen) an Berufskickern gehöre weltweit verboten, forderte Platini beim Uefa-Kongress in Kasachstan. Und drohte, diese Frage selber zu klären, falls sich Blatter weiter nicht rantraue: "Wenn die Fifa nicht handelt, gehen wir das Problem in unseren Wettbewerben in Europa an. Die Uefa-Exekutive hat schon eine Grundsatzposition gefasst. Ich will keine Mitschuld an den Praktiken, aber derzeit habe ich das ungute Gefühl, dass es so ist." Dass Klubs Transferwerte ihrer Profis mit Dritten teilen, ist in Südamerika, Spanien, Portugal weit verbreitet; in Osteuropa wächst dieses Finanzinstrument. Verboten ist es in England, Frankreich und Polen.

Jetzt also, nur ein paar Tage später, fegt die Fifa kurz und zackig durch Platinis Haus. Als Exempel herhalten muss der zuletzt erfolgreichste Klub von allen in Europa: Der FC Barcelona darf in den nächsten zwei Transferperioden keine Profis verpflichten und hat, wie der spanische Verband, hohe Bußgelder zu berappen. Grund: Die Katalanen hätten zwischen 2009 und 2013 mit dem - verbotenen - Transfer von zehn Minderjährigen gegen die Regeln verstoßen.

Nun sucht die Branche nach Beispielen für den Vorgang. Dass es keine gibt - abgesehen von Einzelfällen, in denen jedoch konkrete Transferregeln gebrochen wurden -, könnte daran liegen, dass die Sache wohl vor allem eines zeigen soll: Dass Blatters Fifa Chefin im Ring ist. Warum sonst ist sie nicht schon beim ersten nun monierten Minderjährigen-Transfer 2009 eingeschritten? Sie hat ja offenbar zehn Fälle abgewartet, über fünf Jahre hinweg: Eine so bemerkenswerte Duldsamkeit lädt zu der Spekulation ein, dass machtpolitische Motive hinter dem jähen Urteil stehen könnten.

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Die Sanktion ist längst nicht durch. Der FC Barcelona wird nun den Weg durch die Instanzen gehen, und am Ende könnte wieder mal ein Zivilgericht stehen. Das dann zur Frage freier Orts- und Berufswahl entscheiden könnte, sofern es die Pläne von Eltern und deren talentierten Nachwuchs betrifft und nicht den puren Menschenhandel.

Was aber den Wechsel von Gladbachs Keeper Marc-André ter Stegen zu Barça angeht: Der ist gewiss in trockenen Tüchern, weil der Vertrag schon unterzeichnet. Papier ist geduldig. Wetten, dass?