Lance Armstrong bestreitet, Miteigner seines alten Rennstallbetreibers Tailwind gewesen zu sein - 2005 hatte er genau dies unter Eid noch bestätigt.
Die Tour hat sich ihre frühere Welt zurückerobert. "Das neue Gesicht der Großen Schleife" überschrieb am Donnerstag Le Figaro einen wohlwollenden Zustandsbericht zur 97. Ausgabe, die bisher wirklich in sommerlicher Harmonie durchs Land rollt. Die Strecke mit dem Spektakel auf dem Kopfsteinpflaster im Norden und der selektiven Route durch die Alpen werden als Gründe angeführt, ebenso das offenkundige Ende der Hegemonie Lance Armstrongs, des noch einmal zurückgekehrten Rekordsiegers. Der Gesamtführende Andy Schleck und der dicht dahinter lauernde Titelverteidiger Alberto Contador versprächen ein offenes Rennen bis Paris, die Franzosen hätten mit schon drei Tagessiegen "ihre Komplexe abgelegt" - und sind nicht sogar die Zweifel an den Helden verstummt? Bernard Thévenet, Frankreichs Toursieger aus den siebziger Jahren, will deshalb schon an "die ersten Erfolge des Anti-Doping-Kampfs" glauben.
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Bei der Tour de France 2010 fährt Lance Armstrong bislang hinterher. (© ap)
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In dieses Idyll platzen jedoch immer neue Meldungen zu den Ermittlungen in den USA gegen Armstrong, 38, der sich demütig und chancenlos auf Rang 31 von der Tour verabschiedet. Von einer Lüge unter Eid ist nun die Rede, sogar L'Équipe, das an Misstönen weniger interessierte Zentralorgan, verweist in einer prominent platzierten Meldung auf die Kollision zweier Wahrheiten.
Mittwochmorgen hatte Armstrong vor dem Start der zehnten Etappe (Fluchtsieger: Sergio Paulhinho) eine weitere Erklärung zu den Ermittlungen wegen der Dopingvorwürfe des früheren Teamkollegen Floyd Landis abgegeben. Der disqualifizierte Toursieger von 2006, der Doping bis zu seinem spektakulären Geständnis im Mai leugnete, hatte Armstrong und dem damaligen Postal-Team ein Betrugssystem unterstellt. Die U.S. Food and Drug Administration ermittelt nun wegen Verschwörung und Betrugs, eine Grand Jury soll über die Aufnahme eines Verfahrens entscheiden. Er halte den Aufwand für überflüssig, "ich glaube auch nicht, dass die Regierung einen Fall basierend auf Landis aufbaut", sagte Armstrong. Zumal er bei der Betreiberfirma des Teams US Postal, der Tailwind Sports, nur als Profi angestellt gewesen sei: "Mir gehörte die Firma nicht, ich hatte keine Anteile, ich zog keinen Gewinn aus ihr, ich hatte keinen Vorstandssitz."
Tailwind gilt als ein Hebel in Armstrongs heikelstem Duell. Die Betreiberfirma war Vertragspartner der Teamsponsoren US Postal und Discovery (ab 2005). Sollten bei ihr Sponsorgelder des staatlichen Post-Konzerns missbraucht worden sein - was Landis' Aussagen nahelegen -, würde die Grand Jury wohl sicher ein Verfahren eröffnen. Inzwischen ist sogar ein Staatsanwalt benannt worden: Doug Miller, der mit Chefermittler Jeff Novitzky bereits beim Balco-Skandal ertragreich zusammenarbeitete.
Armstrongs Aussage, er sei an der Firma nicht beteiligt gewesen, zielt offensichtlich darauf ab, die Zuständigkeit der Behörden in Zweifel zu ziehen - allerdings stimmt sie nicht überein mit einer beeideten Aussage im November 2005. Damals wollte ihm die SCA Promotions den Bonus von fünf Millionen Dollar für den sechsten Toursieg 2004 vorenthalten - wegen diversen Dopingvorwürfe.
Die Befragung, deren Dokument der SZ vorliegt, führte damals SCA-Anwalt Jeff Tillotson durch. Er fragte:
"Haben Sie irgendein Eigentümer-Interesse an Tailwind Sports?"
"Ein kleines", antwortete Armstrong.
"Ein kleines, könnten Sie ungefähr eine Prozentangabe machen?"
"Vielleicht zehn Prozent."
Wann er denn in Tailwind investiert habe, wollte Tillotson außerdem wissen.
"Vor 2001?" - "Wahrscheinlich", antwortete Armstrongs im November 2005, "ich bin nicht ganz sicher."
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Der Flügelflitzer
Wäre schön, mal wieder einen sportorientierten Bericht aus dem Radsport zu hören. Gibt es bei der Süddeutschen keine Radsportfans mehr? Nur noch Armstrong-Hasser.
Schon mal gemerkt wie korrupt der Fussball, ist - oder Formel 1. Von Blatter und seinen Bestechungs und Korruptionsskandalen kam während der WM eher wenig.
Schade eigendlich, man sollte als Reporter sportliche und rechtliche Aspekte irgenwie auseinanderhalten können.
Ein entteuschter Leser
Es ist eine verschworene Gesellschaft aus Doping und Geschäft, aus Dopern, Funktionären und angeblichen Kontrolleuren. Da wird die Situation nicht einmal sondern mehrmals zurechtgebogen und das Publikum lässt sich begeistert weiter betrügen. Schlimm ist auch, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen diese Sportart durch ihre Übertrag noch unterstützt.