Steuerliche Vorteile für Fußball-Klubs EU geht gegen Real Madrid und FC Barcelona vor

Am höchsten: Madrids Cristiano Ronaldo erreicht im letzten Clásico der Saison 2011/2012 vor Alcantara, Mascherano und Puyol den Ball.

(Foto: Reuters)

Mehrere spanische Fußballklubs sollen angeblich ungerechtfertigte Steuervorteile erhalten - darunter mit Real Madrid und dem FC Barcelona die zwei umsatzstärksten Profiklubs der Welt. Nach SZ-Informationen will nun die Europäische Kommission gegen die Vereine vorgehen. Es geht um undurchsichtige Grundstücksgeschäfte und fragwürdige Kredite.

Von Javier Cáceres, Brüssel

Wegen möglicher wettbewerbsrechtlicher Verstöße will die Europäische Kommission gegen eine Reihe von spanischen Profifußballvereinen tätig werden. Unter ihnen sind mit Rekordmeister Real Madrid und dem FC Barcelona die zwei umsatzstärksten Profiklubs der Welt. Wie die Süddeutsche Zeitung erfuhr, sollen förmliche Beihilfeverfahren gegen Spanien eröffnet werden. Dies geht aus der Tagesordnung für die nächste Kommissionssitzung hervor.

Beim Verfahren geht es um mögliche steuerliche Vorteile für die Klubs, undurchsichtige Grundstücksgeschäfte mit der Verwaltung und - im Falle des FC Valencia - um Kredite, für die Valencias Regionalregierung bürgt. Sollte sich der Verdacht bestätigen, würden den Klubs millionenschwere Rückzahlungen drohen. Ein Sprecher von Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia wollte diese Informationen auf Anfrage aber "nicht kommentieren".

Der Fall, der Real Madrid und den FC Barcelona betrifft, berührt auch den baskischen Erstligisten CA Osasuna und ausgerechnet Almunias Lieblingsverein Athletic Bilbao. Er geht auf eine Beschwerde zurück, die im Jahr 2009 von einem Unbekannten eingereicht wurde. Dabei wurden vermeintliche Privilegien thematisiert, die diese vier Klubs aufgrund ihrer Organisationsform genießen. Sie sind als gemeinnützige Vereine organisiert, während der Rest der spanischen Profiklubs ausnahmslos Sportaktiengesellschaften sind. Sie waren zu Beginn der 1990er-Jahre per Gesetz dazu gezwungen worden. Die damalige spanische Regierung hatte gehofft, durch die Öffnung der Profiklubs für private Investoren die horrende Verschuldung der Klubs in den Griff zu bekommen.

Wertloses Brachland im Madrider Vorort

Real Madrid, Barcelona, Athletic und Osasuna entgingen der Zwangsumwandlung, weil sie als solvent galten. Moniert wird unter anderem, dass die Regelsteuersätze auf Gewinne für die gemeinnützigen Vereine niedriger liegen als für die AGs. Allein Real Madrid hat seit der Spielzeit 2009/2010 Vorsteuergewinne von 138,9 Millionen Euro ausgewiesen. Dass Brüssel sich zuständig fühlt, ergibt sich aus der grenzüberschreitenden Tätigkeit der Vereine - etwa bei Spielertransfers oder dem Verkauf von Merchandisingprodukten.

Ungemach droht Real Madrid aber auch wegen verwinkelter Grundstücksgeschäfte. Dabei geht es um den Tausch von vergleichsweise wertlosem Brachland im Madrider Vorort Las Tablas, das dem Verein gehörte, gegen lukrative Grundstücke rund um Real Madrids Bernabéu-Stadion. Dieses liegt in einer der teuersten Gegenden der spanischen Hauptstadt. Real Madrid will dort unter anderem ein Luxushotel und ein Einkaufszentrum errichten. Auch hier könnten millionenschwere Rückzahlungen die Folge sein.

Der FC Valencia wird wegen Bürgschaften der Regionalregierung für einen 81 Millionen schweren Kredit untersucht. Sollten diese Kreditgarantien tatsächlich beihilferelevant sein und ebenfalls Rückzahlungen zur Folge haben, dürfte die Existenz des FC Valencia auf dem Spiel stehen. Der Verein steht wegen finanzieller Probleme zum Verkauf.