Spitzen gegen Formel-1-Weltmeister Vettel Ablenkungsmanöver ohne Rücksicht

Dass die WM mit dem Finale nicht direkt entschieden ist, hat es schon häufig gegeben. 2007 wurde Ferrari-Fahrer Kimi Räikkönen nach dem letzten Rennen nur vorläufig als Champion gekrönt. Weil in etlichen Autos kälteres Benzin als erlaubt gefunden worden war, galten die Ergebnisse nur unter Vorbehalt, bis auch der letzte Einspruch abgewiesen war.

Damals hatte die FIA von sich aus die Beweisaufnahme aufgenommen. Dieses Mal liegt der Fall offenbar anders. Alonso selbst hatte den ersten Hinweis gegeben, dass Ungemach für Vettel aufziehen könnte. Am Dienstag, zwei Tage nach dem Rennen, hatte er über den Internet-Kurzmitteilungsdienst Twitter die Botschaft gesendet: "Ich brauche keine Wunder, ich mache meine Wunder mit richtigen Gesetzen." Als die Videobilder von Vettels Manöver im Internet auftauchten, dauerte es nicht lange, bis die spanischen Medien Alonso zur Seite sprangen und einen öffentlichen Druck entwickelten, dem sich wohl auch Ferrari nicht entziehen konnte.

Der traditionsreichste Rennstall hat in der Vergangenheit schon häufig demonstriert, dass er auf der Strecke vor keinem Trick und keiner Teamorder zurückschreckt, um seinen Fahrer Nummer eins in die bestmögliche Position zu bringen. Unter Alonsos Führung hat sich dieses Gebaren in diesem Jahr auch jenseits der Rennstrecke fortgesetzt. Bestes Beispiel für den Kulturwandel ist das Twitter-Foto, das vor dem vorletzten Rennen in Austin in Umlauf kam: Alonso und Teamkollege Felipe Massa in voller Teammontur, mit je einem Paintball-Gewehr im Anschlag, dazu die Botschaft - "bereit für die letzten zwei Rennen. Hahaha".

Auf den ersten Blick mag das wie eine Kinderei wirken. Das ist es aber nicht. In der Formel 1 wird penibel auf die Außenwirkung geachtet. Und die beiden repräsentieren immerhin so namhafte Firmen wie Fiat, Shell und Santander. Die Botschaft dokumentiert vor allem eines: Wie entschlossen Alonso ist, seine Mittel durchzusetzen - und dass er dafür auf niemanden sonst Rücksicht nimmt. Ähnlich hatte er einst auch bei McLaren agiert, weshalb die Liaison nach einem Jahr schon wieder auseinanderging.

Weil der 31-Jährige in der zweiten Hälfte der Saison 2012 eindeutig nicht das schnellste Auto hatte, ging er auf anderem Geläuf zum Angriff über - offensichtlich mit dem Ziel, den sechs Jahre jüngeren Vettel in Fehler zu treiben. Wenig verklausuliert spricht Red-Bull-Teamchef Christian Horner von "Ablenkungsmanövern", auf die Vettel sich löblicherweise nicht eingelassen habe.

Dass das Duell in diesem Stil weitergehen wird, liegt nahe. Alonso ist noch bis 2016 an Ferrari gebunden. Sein Revier ist markiert. Vettels aktueller Kontrakt bei Red Bull gilt bis Ende 2014. Nach Lage der Dinge wird er Alonso nicht nahe kommen wollen. Nach Vettels Titelgewinn hatte der Spanier zwar kurz gratuliert, anschließend aber nur über die eigene Leistung geschwärmt. Und am Donnerstag dieser Woche twitterte er dann gleich die nächste Provokation: ein Foto eines Kuchens, der ihm geschenkt wurde. Aufschrift: "Glückwunsch dem Champion."