Von J. Marwedel

Mirko Slomka wird neuer Trainer des Fußball-Bundesligisten Hannover 96. Die Fans freut es - der Klubchef muss sich unangenehme Fragen gefallen lassen.

Am Montagabend hat Martin Kind den zweitägigen Maulkorb wieder aufgehoben, den er sich selbst verpasst hatte. Ja, verriet der meist mitteilsame Vorstandsvorsitzende von Hannover 96 gegenüber Journalisten: "Wir sondieren den Markt." Hätte Andreas Bergmann, 50, diese Gespräche mitgehört, hätte der Trainer von Hannover 96 sich denken können, wer ihn am nächsten morgen um acht Uhr anrufen würde.

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Kann Mirko Slomka das zuletzt äußerst fragile System von Hannover 96 neu ausbalancieren? (© Foto: Reuters)

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Es war Sportdirektor Jörg Schmadtke, und der teilte ihm mit, dass sein Auftrag als Bundesliga-Chefcoach beendet sei; fünf Monate, nachdem Bergmann dieses Amt vom zurückgetretenen Dieter Hecking übernommen hatte. Am Dienstagabend folgte dann der Nachweis, dass die Sondierung effizient war. Mirko Slomka, 42, bis April 2008 Cheftrainer von Schalke 04, wurde als Nachfolger verkündet, er unterschrieb einen Vertrag bis Juni 2011.

Der wichtigste Fürsprecher des beurlaubten Bergmann war lange Zeit Jörg Schmadtke. Jetzt sagte der nach zuletzt drei Niederlagen, sieben sieglosen Spielen sowie Tabellenrang 16, Bergmann habe zwar die Gruppe "in der Phase nach der furchtbaren Tragödie um Robert Enke gefühlvoll geleitet", aber er habe "nicht mehr das Gefühl, dass er der Mannschaft die nötigen Impulse für den Verbleib in der Bundesliga geben kann".

Noch am Sonntag hatte Schmadtke ihm versprochen, er werde beim Spiel in Mainz auf der Bank sitzen. Weil nun alles sehr schnell ging, ist es auch nicht ganz klar, wie es mit Bergmann in Hannover weitergeht. Er besitzt noch einen bis 2014 laufenden und zuletzt ruhenden Arbeitsvertrag als Leiter des Nachwuchszentrums und Trainer von Hannovers Regionalliga-Mannschaft.

Zwei bis drei ernsthafte Anwärter hatte es laut Schmadtke gegeben. Slomka wurde von den hannoverschen Zeitungen als "der logische, fast perfekte Kandidat" gehandelt. Er ist Hannoveraner, war schon Assistent des damaligen 96-Aufstiegstrainers Ralf Rangnick und gilt als prächtiger Verkäufer, den die gebeutelten Fans gerne empfangen. Im Sommer scheiterte Slomka noch an den Vorbehalten in der Führungsetage. Klubchef Kind störte unter anderem seine Nähe zum 96-Gönner Carsten Maschmeyer, Manager Schmadtke bevorzugte in der Regel unbekannte Fußball-Lehrer.

Das allerdings schien in der heikelsten Lage der 96er seit ihrem Aufstieg 2002 nicht mehr der richtige Weg zu sein. Als erstes hatte man gar beim 67-jährigen Rentner Hans Meyer angefragt, der Borussia Mönchengladbach, den 1. FC Nürnberg und Hertha BSC Berlin schon vor dem Abstieg bewahrte. Meyers Auskunft: "Ich bin Trainer außer Dienst."

Erfolglos waren auch Verhandlungen mit Marcel Koller, dem im Herbst beim VfL Bochum geschassten Schweizer. Slomka kann nun wohl mit neuem Personal rechnen, Kind sagt, ein Abstieg komme deutlich teurer als ein paar neue Profis. Der frühere Hannoveraner Gerald Asamoah und sein Schalker Kollege Halil Altintop sind Kandidaten.

Auf der nächsten Seite: Slomka übernimmt eine verunsicherte Mannschaft - 96-Boss Martin Kind muss sich die Frage stellen, weshalb es ihm nicht gelingt, den Klub dauerhaft von der Abstiegszone fernzuhalten.

Im Video: Mirko Slomk ist neuer Trainer von Hannover 96. Sein Vertrag gilt bis 2011 und nur für die 1. Bundesliga.

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