Sieg der DFB-Elf gegen Frankreich Löw war sauer

Leidtragender war vor allem Philipp Lahm, der nicht immer gut aussah gegen seinen Mitspieler aus München. "Dass Franck ein Spieler ist, den man nie zu hundert Prozent ausschalten kann, das habe ich vorher schon gesagt", erklärte er. In den letzten Spielminuten musste auch ein Espressobecher am Spielfeldrand dran glauben, weil Bundestrainer Löw ihn vor Wut durch das Stadion kickte. "Wir hätten die letzten zwei, drei Minuten noch ein Gegentor fangen können. Wir waren plötzlich offen und haben den Ball zwei-, dreimal verloren. Das war völlig unnötig. Das hat mich geärgert", sagte Löw.

Wieso die Franzosen dennoch nur zu einem Tor nach einer Standardsituation kamen? Weil die Innenverteidiger ihren Notdienst ganz hinten zumeist hervorragend verrichteten, weil Linksverteidiger Benedikt Höwedes seine Qualitäten in der Defensive einbrachte, weil Torwart René Adler zweimal stark parierte - und den Franzosen bei zwei, drei Szenen ein wenig das Glück fehlte.

Mit dem 2:1 können die Deutschen nun darauf verweisen, dass sie die Lektion aus dem vermasselten Schweden-Spiel (4:4) gelernt haben. Es war eine Genugtuung auch in Richtung all der Kritiker. Thomas Müller bemerkte leicht schnippisch: "Wir haben gewonnen, wir haben anscheinend doch die Siegermentalität in uns", und fügte später an: "Die Leute draußen können beruhigt sein, beim DFB ist nicht alles schlecht."

"Lektion der Deutschen"

Auch Löw resümierte erfreut: "Was wir besser gemacht haben: Wir sind weiter nach vorne gerückt, haben Mittel gefunden und den Mut gehabt, auch unter Druck von hinten sauber und besser rauszuspielen ohne lange Bälle. So haben wir nie die Kontrolle verloren wie gegen Schweden zum Beispiel."

In Frankreich hatte man ohnehin nie einen Zweifel daran, dass hier ein sehr starker Gegner zu Gast sein würde. Nach dem 1:1 gegen Spanien in der WM-Qualifikation und dem 2:1 gegen Italien im Testspiel hatten alle einen echten Test erwartet, wie gut die neue Équipe tricolore unter Trainer Didier Deschamps nun sein würde. Ergebnis: "Lektion der Deutschen" titelte die Sportzeitung L'Équipe am Donnerstag. Und Deschamps betonte ehrfürchtig: "Man hat gesehen, was für eine Qualität Deutschland hat. Wir haben bis zum Schluss gekämpft, aber gegen so eine Mannschaft ist es nicht einfach."

Mats Hummels hatte eventuell eine unruhige Nacht, wie so viele Fußballer nach einem späten Spiel. Dennoch dürfte er bald Entspannung gefunden haben. Sein Stammplatz in der DFB-Elf ist sicherer denn je, nicht nur weil Konkurrent Holger Badstuber noch eine Weile nach einem Kreuzbandriss fehlen wird. Hummels fehlte im sagenumwobenen Niedergang gegen Schweden, verteidigte stattdessen in den Niederlanden (0:0) und nun in Paris.

Vielleicht blickte er auch deshalb optimistisch in die Zukunft. Angesprochen auf die beiden kommenden Qualifikationsspiele zur Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien, sagte er: "Ich glaube da sind wir klarer Favorit, das Ziel müssen sechs Punkte sein." Ende März geht es zweimal gegen Kasachstan.