Rassismus im Fußball Vehement gegen die Brüller

Moritz Stoppelkamp (links) im Kampf um den Ball mit Andreas Buchner (Mitte) und Danny da Costa.

(Foto: Marc Müller/dpa)

Nach Schmährufen einiger 1860-Fans gegen Ingolstadts Danny da Costa kündigt die Münchner Vereinsführung Sanktionen an. Aber die großen Zeichen müssen von ganz oben kommen. Fußball setzt Milliarden um - da sollten keine Mittel gescheut werden, um gegen Rassismus vorzugehen.

Ein Kommentar von Gerald Kleffmann

In Deutschland finden jede Woche 80.000 Fußballspiele statt. Allein in der vergangenen Saison pilgerten mehr als 18 Millionen Zuschauer in die Stadien der ersten und zweiten Liga. Was also machen ein paar Partien aus, bei denen einige Wenige, Einzeltäter womöglich, auf die dann verwiesen wird, rassistisch auffällig werden? Zudem, muss eine demokratische Gesellschaft nicht auch mit Pöbelei souverän umgehen können? Natürlich muss sie das, daher ist auch nicht zu befürchten, dass nach dem Vorfall beim TSV 1860 gleich der Verfall des Münchner Traditionsklubs bevorsteht.

Die Beleidigungen, die der in Neuss geborene Ingolstädter Profi Danny da Costa, der afrikanische Eltern hat, hören musste, entschuldigt dies jedoch kein bisschen. Geäußerter Rassismus ist keine Meinungsäußerung, sondern eine Straftat. Die TSV-Führung hat fürs Erste entschlossen reagiert und Sanktionen angekündigt.

Das Thema freilich ist heikel, es gilt zu differenzieren, aber auch: nicht zu bagatellisieren. Zu sagen, 60-Fans seien reaktionäre Brüller, ist daneben. Zu sagen, es sei nur einer gewesen, wäre ebenso eine Verzerrung der Realität. Das sollten auch die Löwen wissen, die immer wieder mal Probleme in der Kurve hatten (und teils haben), so dass Couragierte die Aktion "Löwen-Fans gegen Rechts" ins Leben riefen. Was etwa haben die Sitznachbarn getan, um die jüngsten Attacken zu stoppen, die diesmal von normalen Plätzen kamen? Rassismus fängt im Kleinen an, dessen Abwehr auch.

Rassismusvorwürfe gegen 1860-Fans "Es war ein Scheißgefühl"

Ingolstadt-Profi Danny da Costa beklagt rassistische Rufe von 1860-Fans, der TSV entschuldigt sich daraufhin. Einer der Provokateure wurde identifiziert und soll Stadionverbot erhalten - offenbar handelt es sich um einen Familienvater, der mit Frau und Kind im Stadion war.

In Italien oder Osteuropa sind solche Vorfälle zuletzt schon häufiger diskutiert worden: Kevin-Prince Boateng verließ im Januar bei einem Test nach Beschimpfungen das Feld, die Kollegen des AC Mailand folgten. Nur Solidarität setzt Zeichen. Doch Rassismus stirbt nicht einfach aus - am Montag wurde die nächste Tirade von Lazio-Fans gegen dunkelhäutige Spieler von Juventus Turin vermeldet. Es ist allerdings kein Weg, ins Ausland zu verweisen, auch in Deutschland haben selbst prominente Akteure wie Gerald Asamoah oder Anthony Baffoe über Belästigungen von der Tribüne geklagt.

Mit Appellen und Maßnahmen wird man nicht jeden Pöbler in seinem Wohnzimmer erreichen, aber in den Stadien haben die Vereine Hausrecht. Damit stehen sie in der Pflicht, dieses auch aktiv auszuüben. Und alles zu unternehmen, dass die Spieler sich wie willkommene Gäste fühlen können. Dabei gibt es nur eine Leitlinie, der von den Klubs und den Zuschauern zu folgen ist: null Toleranz.