Polnische Talente beim BVB Polonia Dortmund

Polens Fußball-Nationaltrainer Franciszek Smuda findet Borussia Dortmund den "wichtigsten Verein für die polnische Nationalelf", weil die drei polnischen Profis mit dem höchsten Marktwert dort spielen. Allen voran Stürmer Robert Lewandowski, der derzeit die Bundesliga-Scorerliste überlegen anführt.

Von Freddie Röckenhaus, Dortmund

Kuba, Lewa, Pischu. Es klingt verdächtig nach Teletubbies, wenn bei Übungsspielchen auf dem Trainingsgelände Hohenbuschei die drei polnischen Nationalspieler des BVB gerufen werden. Aber so richtig niedlich werden zumindest gegnerische Spieler das Trio dann doch nicht finden.

Bei der Dortmunder 5:1-Demonstration beim Hamburger SV trugen Lewa alias Robert Lewandowski und Kuba alias Jakub Blaszczykowski mit je zwei Toren zum HSV-Debakel bei, während sich Pischu alias Lukasz Piszczek damit begnügte, auf dem rechten Flügel die Gegenspieler niederzurennen.

Dass die deutsche Zunge um die Konsonanten-Ansammlung polnischer Nachnamen irgendwie herumkommen muss, hat im Ruhrpott und in Dortmund schon Tradition, weil Hunderttausende von Polen vor 100 oder 150 Jahren ins Ruhrgebiet einwanderten, um auf Zechen und in Stahlwerken Geld zu verdienen. Als Robert Lewandowski vor anderthalb Jahren in Dortmund ankam, freuten sich gleich mehrere alteingesessene Dortmunder mit exakt demselben Vor- und Nachnamen darüber, dass sie nun ihr Trikot mit dem eigenen Namen "Robert Lewandowski" im Fanshop kaufen können.

Im Abkürzen polnischer Namen hat man beim BVB Erfahrung: Die Torwart-Legenden Heini Kwiatkowski (WM-Schlussmann 1954) und Hans Tilkowski (WM 1966, der Mann mit dem Wembley-Tor) nannte man beim BVB "Kwiat" und "Till". Kein Mensch im Pott hat Zeit und Zunge für so viele Konsonanten.

Spätestens nach seinen Toren im Hamburg dürften selbst manche Dortmunder aber gestaunt haben, denn Lewandowski hat so gut Deutsch gelernt, dass er kleine Live-Interviews schon in ordentlichem Deutsch geben kann. Lewandowski hat die Deutschlektionen von Anfang an forciert, aber irgendwie ist es ihm mit dem Sprechen gegangen wie mit dem Fußballspielen: Es hat etwas gebraucht, bis er die Hemmungen überwunden hatte.

Das in Dortmund zum Geschäftsprinzip erhobene Understatement hörte sich aus dem Munde des 23-Jährigen am Sonntag schon ähnlich an wie in der Diktion seines Ur-Dortmunder Kollegen Kevin Großkreutz: "Das war heute sehr gut. Aber wir können noch viel besser spielen." Womöglich meinte Polens "Fußballer des Jahres" dabei auch seine eigenen Großchancen. "Er hätte", sagte Trainer Jürgen Klopp freudestrahlend, "heute noch zwei Tore mehr machen müssen."

Schon vor seiner Aufführung in Hamburg hatte sich Lewandowski Respekt verschafft. Bayerns Franck Ribéry hatte während der Winterpause öffentlich behauptet, Lewandowski sei mit seinem Körpereinsatz und seiner Technik "wertvoller als Götze". Götze spielte in Hamburg wegen Adduktoren-Problemen nicht, er wird auch am nächsten Wochenende fehlen, er wurde aber vom ebenfalls zweifachen Torschützen Kuba blendend vertreten. Ein Tor und eine exzellente Vorarbeit steuerte noch Großkreutz bei.

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