Organisation der Nationalelf Weltmeister der Planung

Profis, früher wie heute: Oliver Bierhoff, Hansi Flick, Andy Köpke und Joachim Löw haben es geschafft, dass in Brasilien alles funktionierte

(Foto: imago sportfotodienst)

Vom perfekten Campo Bahia bis zum Finalsieg: Joachim Löw und sein DFB-Team haben bei der WM in Brasilien nichts dem Zufall überlassen und jegliche Störfaktoren eliminiert. Mario Götzes Tor gegen Argentinien war der vorläufige Abschluss einer sorgfältigen Aufbauarbeit, die vor 14 Jahren begann.

Ein Kommentar von Claudio Catuogno, Rio de Janeiro

Am Freitag vor dem großen Spiel waren die deutschen Fußballer ein letztes Mal mit der klapprigen Fähre über den Rio João de Tiba geschippert. Von ihrer Bungalowsiedlung am Strand von Santo André bis zum Flughafen der Provinzstadt Porto Seguro dauerte es wie immer eine Dreiviertelstunde.

Und längst wunderte sich niemand mehr, wie man auf diese wahnwitzige Idee kommen kann: sich in Brasilien mithilfe privater Investoren ein eigenes Teamquartier in die Abgeschiedenheit zu bauen.

Wer in São Paulo oder Rio mal drei Stunden im Stau feststeckte, der musste sich wünschen, er könnte sich in Brasilien so kalkulierbar fortbewegen wie die DFB-Elf auf dem Weg zu ihren WM-Spielen: Landstraße, Fähre, Landstraße. Kein Verkehr. Und so hat sich am Ende auch dieses Detail der deutschen WM-Planung als umsichtig herausgestellt.

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Dass der 22-jährige Mario Götze die Nationalelf am Sonntag im berühmten Estádio do Maracanã von Rio de Janeiro zu ihrem vierten Weltmeistertitel geschossen hat, das haben Milliarden Menschen an den Fernsehern verfolgt. Wie viel Planung hinter so einem Erfolg steckt, sieht man erst auf den zweiten Blick.

Kern der deutschen WM-Mission war das "Campo Bahia"

Kern der deutschen WM-Mission war das "Campo Bahia": eine Ansammlung von Wohngemeinschaften unter Palmen, eine von Künstlern gestaltete Bar, Pool, Dartscheibe, Tischtennisplatte, alles unter freiem Himmel. Der Trainingsplatz lag ganz in der Nähe, der Strand ebenfalls. Viele Medien hatten der DFB-Elf ein Inferno an landestypischen Plagen prophezeit: Straßensperren von Indianern, Überfälle von Drogendealern, Schwärme von Stechmücken. Nichts davon trat ein.

Rechtzeitig fertig wurde das Areal entgegen aller Befürchtungen auch. Und nach vier Wochen WM sagte Bastian Schweinsteiger vom FC Bayern über den Kollegen Kevin Großkreutz von Borussia Dortmund: Er habe ja früher immer gedacht, der sei komisch, erst jetzt habe er gemerkt, was für ein netter Typ der in Wahrheit sei.

Das "Campo Bahia" war demnach in erster Linie ein gruppendynamisches Projekt. Nur nach und nach war ja an die Öffentlichkeit gekommen, welche Spannungen noch bei der Europameisterschaft 2012 in der deutschen Mannschaft geherrscht hatten. Nun empfahl der Teampsychologe: größtmögliche Nähe, aber bei gleichzeitiger Minimierung des Lagerkoller-Potenzials.