Nationalmannschaft Löw: "Ich plane von Beginn an mit Mario Gomez"

Gemeinsam zur EM: Joachim Löw und Mario Gomez haben Vertrauen.

(Foto: dpa)
  • Nanu? Plötzlich schwärmt der Bundestrainer von Mario Gomez. Gegen England braucht die DFB-Elf seine Qualitäten.
  • Auch bei der EM setzt Löw auf den Istanbuler.

Für die WM zu schlecht, für die EM ein Hoffnungsträger: Mario Gomez soll bei der EURO in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli) die Lücke schließen, die DFB-Rekordtorschütze Miroslav Klose nach seinem Rücktritt im Anschluss an den WM-Triumph vor zwei Jahren in Brasilien in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft hinterlassen hat. "Mario hat spürbar mehr Selbstbewusstsein. Er hat wieder seine alte Sicherheit. Das erkennt man in jedem Training an seinen Bewegungen, seiner Ausstrahlung und seiner Körpersprache", sagte Joachim Löw am Karfreitag. Entsprechend gab der Bundestrainer dem 30-Jährigen auch eine Einsatzgarantie für den Länderspiel-Klassiker am Samstag (20.45 Uhr Liveticker SZ.de) in Berlin gegen England: "Ich plane von Beginn an mit Mario Gomez."

Der Bundesliga-Torschützenkönig von 2011, der nach diversen Verletzungen wegen Formschwäche die Fahrkarte zur WM nach Brasilien verpasst hatte, sei nach seinem Wechsel zu Besiktas Istanbul wieder aufgeblüht und in einer glänzenden Verfassung, betonte Löw, der den früheren Bayern-Stürmer auch schon am Bosporus live unter die Lupe genommen hat: "Er trifft wieder nach Belieben und zeigt Woche für Woche hervorragende Leistungen." Bereits bei seinem Comeback im vergangenen November in Paris beim 0:2 gegen Frankreich habe Gomez angesichts der schlimmen Begleitumstände überzeugt, wie Löw berichtete: "Er hat den Gegner immer beschäftigt, das hat mir gut gefallen."

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Gomez selbst hält sich nach seinen Erfahrungen von vor zwei Jahren bedeckt: "Ich werde alles dafür tun, mit zur EM zu fahren. Alles andere liegt nicht in meiner Hand." Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn mit seinen Treffern macht der einzig verbliebene klassische Mittelstürmer im DFB-Team Woche für Woche Eigenwerbung. Dass er nicht im EM-Panini-Album auftaucht, will er deshalb auch nicht überbewerten.

Ob Gomez, der mit Besiktas und der Nationalmannschaft im Sommer zwei Titel gewinnen kann, auch kommende Saison für Besiktas spielt, steht aber noch in den Sternen. Nach den fürchterlichen Terroranschlägen in Istanbul und Ankara, die auch Gomez zu schaffen machen, verdichten sich die Anzeichen, dass er den türkischen Tabellenführer nach nur einer Saison wieder verlässt. Angeblich sind Manchester United, Real Madrid und auch Manchester City, der künftige Klub von Bayern-Trainer Pep Guardiola, an dem Torjäger interessiert.

Gomez, der diese Saison wettbewerbsübergreifend bereits 21 Tore erzielt hat, war im vergangenen Sommer für zwei Jahre vom AC Florenz an Besiktas ausgeliehen worden. Der türkische Spitzenreiter hat allerdings nach dieser Spielzeit eine Kaufoption für die symbolische Summe von 1000 Euro. Sollte Gomez nach Florenz zurückkehren und dann weiterverkauft werden, würde Besiktas angeblich 50 Prozent einer möglichen Ablösesumme erhalten, wie türkische Medien berichten.

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Auch über Robert Huth hat sich Löw deutlich geäußert. "Robert ist ein guter Innenverteidiger, ein Turm in der Schlacht, wenn man überwiegend defensiv spielt. Wir spielen etwas anders, etwas höher, von daher zähle ich auf andere Spieler", sagte der Bundestrainer über den 31 Jahre alten Abwehrspieler vom englischen Tabellenführer Leicester City. Löw ließ Huth, der zwischen 2004 und 2009 19 Länderspiele bestritt, aber für den Fall der Fälle eine Hintertür offen: "Wenn Dinge passieren, die wir nicht voraussehen können, ist er immer noch ein interessanter Spieler." Der Bundestrainer glaubt, dass Huth mit dem Überraschungsteam Leicester den Titel holt: "Das wird er schaffen, davon kann man ausgehen."