Nach dem 4:4 des DFB gegen Schweden Wenn Merkel lacht und Lineker twittert

Was für ein aufregender Fußballabend! Dieses 4:4 zwischen Deutschland und Schweden dürfte in die Geschichte eingehen als eine der verrücktesten Partien. Im Netz wird diskutiert: Darf Merkel beim Ausgleich lachen? Gab es so ein Partie schon mal? Und gilt der berühmte Satz von Gary Lineker noch?

Von Jürgen Schmieder

Es war eine skurrile Szene, die sich auf der Haupttribüne des Berliner Olympiastadions abspielte, als die schwedische Nationalelf gerade das 4:4 erzielt hatte: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach entglitten die Gesichtszüge, er rutschte immer tiefer. Der schwedische Premierminister Fredrik Reinfeldt hüpfte auf und ab, als hätte er höchstselbst den Ausgleich geschossen.

Zwischen Niersbach und Reinfeldt saß Angela Merkel. Sie rutschte nicht, sie hüpfte nicht. Sie lachte. Es war kein freudiges Lächeln, sondern eher ein ungläubiges, in ihrem Gesicht war zu lesen: Gibt's ja gar nicht! Im Internet wird Merkel nun beschimpft, sie hätte sich über das 4:4 gefreut und damit ihrem Konkurrenten Peer Steinbrück ein paar Sympathiepunkte zugeschanzt.

Das stimmt natürlich nicht. Vielmehr hat Merkel - und genau das zeigt ihr ungläubiger Gesichtsausdruck - als eine der Ersten begriffen, was da gestern passiert ist: Es war ein aufregender Fußballabend, dieses 4:4 zwischen Deutschland und Schweden dürfte in die Geschichte eingehen als eine der verrücktesten Partien.

"Ich habe so etwas noch nie erlebt", sagte Bastian Schweinsteiger nach dem Spiel. TV-Kommentator Mehmet Scholl wählte exakt die gleichen Worte. Franz Beckenbauer erklärte: "Ich glaube, dass die Spieler immer noch nicht wissen, was sie da eigentlich angestellt haben." Der Tenor war klar: So etwas hat es noch nie gegeben.

Auch das stimmt natürlich nicht. In den sozialen Netzwerken findet gerade ein Wettbewerb statt, bei dem Fußballfans sich gegenseitig übertreffen mit verrückten Geschichten. "Da werden ja Erinnerungen an Oberkotzau wach ...", schrieb einer bei Facebook. Sein Verein, der FC Tirschenreuth, hatte in der Saison 2010/11 in der Bezirksliga Oberfranken-Ost nach einem 4:0-Vorspung noch 4:4 gespielt. Der Wahnsinn - es gibt ihn also doch, nur ein paar Klassen tiefer.

In einem Forum verkündete ein Herr, der seine Karriere längst beendet hat, in einem Kreisliga-Spiel im Jahr 1963 zur Pause 0:5 zurückgelegen zu sein und seiner Mannschaft mit fünf Toren noch zu einem Unentschieden verholfen zu haben. Darunter kommentiert einer, er habe einmal sieben Tore in einem Spiel geschossen - aufgrund der Hornochsen in der Abwehr aber mit 7:8 verloren.

Unterschiedliche Reaktionen: Schwedens Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt jubelt nach dem Treffer zum 4:4, Bundeskanzlerin Angela Merkel lächelt und Wolfgang Niersbach blickt konsterniert.

(Foto: dapd)

Das Bezaubernde am Fußball sind ja auch die Erinnerungen, die mit der Zeit gerne verblassen und nur noch das Schöne übrig lassen - oder wie es Thomas Brussig in seinem Roman "Am kürzeren Ende der Sonnenallee" formulierte: "Glückliche Menschen haben ein schlechtes Gedächtnis und reiche Erinnerungen."

Irgendwann, wenn Entrüstung und Enttäuschung über den Kollaps der deutschen Elf verflogen sind, dann wird man sich an einen beeindruckenden, mitreißenden Fußballabend erinnern, an eine herausragende Aufholjagd der Schweden und an eine ungläubig lächelnde Angela Merkel. Und man wird dann auch lachen können über den besten Internet-Eintrag.

Der stammt von Gary Lineker, der sein berühmtes Zitat über den deutschen Fußball abänderte und bei Twitter schrieb: "Fußball ist ein einfaches Spiel, bei dem 22 Männer 90 Minuten lang einem Ball hinterherjagen, und am Ende geben die Deutschen einen Vier-Tore-Vorsprung ab."