Lautsprecher-Attacke gegen BVB-Fans Provinz-Posse, hochtechnologisch

In der Bundesliga protestieren viele Fans von Traditionsvereinen gegen subventionierte Retortenteams, vor allem gegen die TSG Hoffenheim des SAP-Gründers Dietmar Hopp. Dagegen mit einer Schallkanone vorzugehen, ist nicht akzeptabel und muss bestraft werden.

Kommentar von Freddie Röckenhaus

Man erinnert sich noch mit Schmunzeln an den ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Holger Börner. Als der Ur-Sozialdemokrat und -Gewerkschafter Börner damals als erster Etablierter mit den Grünen eine Landesregierung bilden musste, brachte er seine Erfahrungen mit Joschka Fischer und Co. auf die rustikale Formel: "Auf der Baustelle hätten wir solchen Typen früher mit der Dachlatte Benimm beigebracht."

Man weiß, wie die Geschichte weiterging: Börner verschwand mit seiner zupackenden Generation im Nirwana, Fischer wurde Außenminister in Schlips und Maßanzug.

Die TSG Hoffenheim, die sich gern 1899 Hoffenheim nennt, weil das nach Traditionsverein klingt, und ihr Mäzen Dietmar Hopp sind vermutlich weit entfernt von der Sozialdemokratie. Und die Mittel sind eher hochtechnologisch, wie man das im Lande des Software-Weltkonzerns SAP erwarten darf.

Natürlich wissen weder Hopp noch Hoffenheim etwas von der offenbar von langer Hand geplanten Akustik-Attacke gegen die Fans des Meisters Borussia Dortmund. Aber die vorliegenden Fakten deuten darauf hin, dass der Klub die Dinge zumindest geschehen ließ, wenn er sie nicht sogar indirekt unterstützte.

Die Provinz-Posse von Sinsheim gehört zwar eigentlich in die Abteilung Kabarett, aber sie sagt doch manches über die Auseinandersetzungen aus, die sich derzeit in der Bundesliga abspielen. Nicht nur Dortmunds Fans protestieren laut gegen Retortenklubs, die, von Gnaden eines Weltkonzerns, eines Software-Milliardärs oder eines Energiebrause-Herstellers, traditionsreiche Fußballklubs verdrängen.

Wenn die Fangesänge dabei nicht schrill, bitter und manchmal böse wären, würde ihnen wohl kaum einer Beachtung schenken. Gegen Fangesänge allerdings mit akustischem Gerät vorzugehen, das ein Vielfaches des Stör-Potentials der südafrikanischen WM-Vuvuzelas hat, ist nicht akzeptabel.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) müssen den Anfängen wehren, bei denen unliebsame Gesänge der Fans, speziell der Gäste-Fans, mit Sanktionen aus der Schallkanone abgestraft werden. Wenn etwa der FC St. Pauli wegen des Becherwerfens eines Einzelnen mit einer Platzsperre belegt wird, so muss das bei solchen Attacken auf die Ohren der Fans der Maßstab sein.

Erst recht, wenn sich der Verdacht bestätigt, dass Offizielle der TSG Hoffenheim an der Aktion zumindest augenzwinkernd beteiligt waren.

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