Lage der Krim-Klubs Fifa-Chef Blatter besucht Putin in Sotschi

Vertrautes Miteinander: Russlands Präsident Wladimir Putin (links) und Fifa-Präsident Sepp Blatter, hier bei der Fußball-WM in Brasilien.

(Foto: REUTERS)

Krim-Krise bei der Fifa: Der russische Präsident Putin will, dass die Fußballklubs der Krim in der russischen Liga spielen. Doch das hieße, die Annexion der Halbinsel anzuerkennen. Entsprechend heikel ist die Angelegenheit für die Fifa.

Von Johannes Aumüller und Thomas Kistner

Wladimir Putin hat das Wochenende mal wieder in seinem geliebten Sotschi verbracht, und dabei hat sich Russlands Staatschef auch Zeit für ein Treffen in einer sportpolitisch heiklen Angelegenheit genommen: Sepp Blatter, Präsident des Fußball-Weltverbandes (Fifa), kam zu einem in hohen Fußballkreisen schon Ende vergangener Woche erwarteten Besuch.

Blatter sprach nicht nur mit Putin, sondern auch mit Witalij Mutko, der zugleich russischer Sportminister, Präsident des Organisationskomitees der Fußball-WM 2018 sowie Mitglied des Fifa-Vorstandes ist. Nach Angaben der Fifa ging es bei der Zusammenkunft unter anderem um die Zahl der Spielstätten beim Turnier 2018 sowie die Zuschauerkapazitäten. Aktuell brisanter war aber das Thema, das der Weltverband in seiner Mitteilung erst am Ende streift: die Eingliederung von Mannschaften von der Halbinsel Krim in den russischen Ligabetrieb.

Endspiel zwischen Sport und Politik

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Russland will Krim-Klubs einverbleiben

Die Zeit in dieser Causa drängt. Seit der gemeinhin als völkerrechtswidrig bezeichneten Annexion der Krim im März will sich Russlands Staatsführung auch den Sport einverleiben. Dafür nutzt sie trickreiche Verfahren, zum Beispiel wurden die Mannschaften auf der Krim formal neu gegründet. Gemäß der Statuten der Fifa sowie der Europa-Union Uefa ist es Russlands Fußball-Föderation allerdings untersagt, dass es unter seiner Organisation zu Spielen auf der Krim oder mit Beteiligung von Teams von der Krim kommt, solange die ukrainische Seite nicht zustimmt. Andernfalls drohen - zumindest auf dem Papier - heftige Sanktionen, theoretisch gar der Entzug der WM 2018.

Schon vergangene Woche nahmen jedoch Teams aus Sewastopol, Simferopol und Jalta am russischen Pokal teil, für diesen Mittwoch sind Partien in der dritthöchsten russischen Spielklasse, Division Süd, geplant. Sollten diese Spiele angepfiffen werden, wäre das für die internationalen Verbände der Moment, in dem sie in diesem Konflikt Farbe bekennen müssen. Das fiel ihnen bisher unter anderem deswegen so schwer, weil Russland in beiden Dachverbänden sowohl personell als auch über Sponsorendeals mit dem staatlich kontrollierten Energiekonzern Gazprom gut vernetzt ist. Doch Fifa und Uefa wissen, dass sie nun auch unter massiver Beobachtung der Politik stehen. Ein geregelter Fußballspielbetrieb unter russischer Führung wäre gleichbedeutend mit einer Anerkennung der Annektierung.

Uefa will Ergebnisse nicht akzeptieren

Rein formal ist zunächst einmal die Uefa zuständig. Sie betrachtet die Causa intern mit großer Sorge. Bereits nach der Pokalrunde schickte sie an den russischen Verband einen Brief, in dem sie um "Klärung und Rechtfertigung" der Vorgänge bat. Nach SZ-Informationen hat die Uefa nun signalisiert, die Ergebnisse offiziell nicht zu akzeptieren, falls es am Mittwoch zu Ligaspielen der Krim-Teams kommt.

Die russische Seite wiederum versucht derweil, die Schuld für die Situation beim ukrainischen Verband FFU abzuladen. Wiederholt habe dieser das Angebot über ein Gespräch zwischen allen vier beteiligten Parteien platzen lassen. Der FFU erklärt auf Anfrage, er sehe keinen Anlass für ein solches Gespräch; er fordert weiter Sanktionen für den russischen Verband. Zugleich steht aber im Raum, dass es zu einer weiteren Eskalation dieser Frage kommt. Die ersten russischen Politiker haben bereits vorgeschlagen, dass die Krim mit ihrer schönen Natur doch ein toller Ort wäre, wo die Teilnehmer der Weltmeisterschaft 2018 ihr Quartier beziehen könnten.