Krawalle in London Gefahr für Olympia? No way!

London probt intensiv für die Olympischen Spiele 2012 - während es in den Straßen brennt. Die Sportfunktionäre tun unbesorgt: Auswirkungen auf Olympia werde das nicht haben - im Gegenteil. Angesichts solcher Krawalle seien die Spiele erst recht wichtig.

Von Thomas Hahn

Auf den Bildern aus London sind brennende Häuser zu sehen, geplünderte Geschäfte und vermummte Männer, und dann wieder: Beachvolleyballerinnen, Badmintonprofis, Windsurfer mit vollem Segel.

Das Testturnier der Beachvolleyballer für die Spiele 2012 am Horse Guards Parade beim St. James's Park findet trotz der Krawalle statt.

(Foto: Getty Images)

Großbritanniens Hauptstadt bereitet sich auf die Olympischen Spiele 2012 vor, nicht einmal mehr ein Jahr ist es bis zur Eröffnungsfeier, an Londons Olympiastätten folgt gerade ein Test-Ereignis aufs nächste im Rahmen der sogenannten London Prepares Series: Am Wochenende fand ein Triathlon-Weltcup im Hyde Park statt, in Eton Dorney ging die Junioren-WM der Ruderer zu Ende. In Wembley hat die Badminton-WM ihren Betrieb aufgenommen, am Dienstag hat ein internationales Beachvolleyball-Turnier am Horse Guards Parade begonnen, und seit einer Woche wird bei der Probe-Regatta vor Weymouth gesegelt.

Gleichzeitig haben sich die ersten gewalttätigen Proteste nach dem Tod eines 29-jährigen Familienvaters bei einem Polizeieinsatz in den vergangenen Tagen von Tottenham auf mehrere Stadtteile ausgeweitet, unter anderen auf Hackney und Newham, in die Nähe des Olympiaparks.

Krasser könnten die Wirklichkeit der Olympiastadt London und die Wirklichkeit des sozialen Brennpunkts London kaum aufeinanderprallen. Und natürlich ist das ein Thema für die olympische Familie. Die Metropole gilt ohnehin schon als stark terrorgefährdet, jetzt kommen die Angriffe der eigenen Stadtbewohner hinzu, für die Olympia doch auch Fortschritte bringen sollte, schönere Stadtteile, neue Jobs, allgemeinen Aufschwung.

Da konnte es gar nicht anders sein, als dass die Krawalle und die damit verbundenen Sicherheitsfragen kurzfristig auf die Tagesordnung jener Konferenz rückten, welche das Organisationskomitee LOCOG in diesen Tagen als Informationsbörse für die Missionschefs der verschiedenen Olympiateams organisiert.

Allerdings haben sich sämtliche Sport-Institutionen davor gehütet, die Lage als Gefahr für die Olympia-Vorbereitungen zu deuten. Fußball-Pokalspiele sind abgesagt worden nach den schwersten Unruhen in London seit mehr als 30 Jahren. Auch das Länderspiel der englischen Fußballer gegen die Niederlande im Wembleystadion findet wegen Sicherheitsbedenken nicht statt.